- 48 Prozent schätzen das Risiko für das eigene Unternehmen als hoch oder sehr hoch ein (2023: 34 Prozent)
- 71 Prozent sehen ein hohes oder sehr hohes Risiko durch KI‑basierten Betrug
Berlin, 2. Juni 2026
Die Bedrohung durch Wirtschaftskriminalität wird von Unternehmen in Deutschland zunehmend ernster eingeschätzt, insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden Einsatzes von Künstlicher Intelligenz. Inzwischen bewertet fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) das Risiko für das eigene Haus als hoch oder sehr hoch. 71 Prozent sehen ein erhebliches Risiko durch KI‑basierten Betrug. Das zeigt die aktuelle KPMG‑Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2025/2026“, für die fast 800 Unternehmen im Frühjahr 2025 repräsentativ nach Branchen und Größen befragt wurden.
Betrug und Geheimnisverrat führen die Liste der Delikte an
Bei den betroffenen Unternehmen stehen Betrug und Untreue im Vordergrund: 65 Prozent berichten entsprechende Vorfälle. Der Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen spielt bei über der Hälfte der Unternehmen eine Rolle (51 Prozent). Wie in den Vorjahren betreffen die Vorfälle vor allem die IT der Unternehmen (51 Prozent). Es folgen das Finanz- und Rechnungswesen (26 Prozent) sowie die Geschäftsführung (25 Prozent). Die gemeldeten Schäden liegen überwiegend im unteren und mittleren Bereich. Am häufigsten nennen Unternehmen Gesamtschäden von unter 10.000 Euro (31 Prozent). Doch es kann teurer werden: immerhin noch 18 Prozent der Unternehmen melden Schäden zwischen 90.000 und 100.000 Euro.
Bei der Täterherkunft zeigt sich ein differenziertes Bild. Externe Täter spielen insbesondere bei Korruptionsfällen eine zentrale Rolle, während bei datenbezogenen Delikten wie Datendiebstahl oder dem Verrat von Geschäftsgeheimnissen interne Beteiligungen häufig genannt werden. Auffällig ist zudem, dass wirtschaftskriminelle Handlungen in relevanten Fällen auch dem Management zugerechnet werden – unter anderem bei Betrug, Korruption und Manipulationen.
Technologie verschärft die Bedrohungslage
Das Risikobewusstsein ist insbesondere bei technologiebezogenen Delikten ausgeprägt. So stufen 73 Prozent der Unternehmen das Risiko von Datendiebstahl und Datenmissbrauch als hoch oder sehr hoch ein. Auch KI‑basierter Betrug wird als erhebliche Bedrohung wahrgenommen. 71 Prozent sehen hier ein hohes oder sehr hohes Risiko, 58 Prozent erwarten einen weiteren Anstieg in den kommenden zwei Jahren. Gleichzeitig geben 73 Prozent an, bislang nicht von kriminellen Handlungen unter Einsatz von KI betroffen gewesen zu sein; 16 Prozent können dies nicht beurteilen.
Wenn KI zum Einsatz kommt, handelt es sich vor allem um Phishing, Finanzbetrug, Identitätsdiebstahl und Datenmanipulation. Als größte Risikofaktoren für KI-gestützte Angriffe sehen die Unternehmen fehlende IT-Sicherheitsmaßnahmen, Unkenntnis und Unachtsamkeit.
KI ist bei Wirtschaftskriminalität Fluch und Segen zugleich
Obwohl KI von vielen Unternehmen als erhebliches Risiko wahrgenommen wird, setzen sie bei Prävention und Aufklärung zunehmend selbst auf die Technologie. Zwar wird KI bislang insgesamt noch selten zur Vermeidung von Betrugsfällen eingesetzt, wo sie jedoch genutzt wird, mit großem Erfolg. 64 Prozent der Befragten berichten von einer messbaren Verringerung der Betrugsrate, die sie unmittelbar auf KI‑basierte Technologien zurückführen.
Parallel dazu verändert sich die Art der Aufdeckung wirtschaftskrimineller Vorfälle deutlich. Nur noch fünf Prozent der Fälle werden zufällig entdeckt (2023: 50 Prozent). Stattdessen gewinnen strukturierte und institutionalisierte Mechanismen an Bedeutung. Jahresabschlussprüfungen tragen in 30 Prozent der Fälle zur Identifikation bei, Hinweise von Strafverfolgungs‑ und Aufsichtsbehörden in 31 Prozent.
Kontakt für die Presse
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Clemens Reisbeck
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