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Die globale Automobilindustrie befindet sich seit einigen Jahren in einer Phase grundlegender Veränderungen: Vertriebskanäle wandeln sich, die Digitalisierung führt zu neuen Produkten und Prozessen, klimafreundliche Antriebe halten Einzug. In den vergangenen Monaten kamen weitere Herausforderungen hinzu: gestörte Lieferketten, hohe Energiepreise, galoppierende Inflation und steigende Zinsen.

Dies schlägt sich auch in unserem KPMG Global Automotive Executive Survey 2022 nieder, für den wir weltweit mehr als 900 Vorstände und Geschäftsführende bedeutender Unternehmen der Branche befragt haben. 76 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihr Geschäft im Jahr 2023 nachteilig beeinflussen werden.

Reshoring und Carve-out als relevante Strategien

Mehr als die Hälfte der Branchenexpert:innen äußert große Besorgnis hinsichtlich der Versorgung mit Rohstoffen und Komponenten (insbesondere Halbleitern, Elektrostahl und Leichtbaumaterialien), die für die Steigerung der Kraftstoffeffizienz und der Batteriereichweite wichtig sind. 65 Prozent sind der Ansicht, dass die Rückverlagerung von Produktionsstätten aus Schwellenländern zurück in die Industriestaaten (Reshoring) für die Lieferkettenstrategie sehr oder gar extrem wichtig ist. 

55 Prozent meinen zudem, dass ihr Unternehmen sehr bzw. extrem wahrscheinlich in den kommenden Jahren strategisch unbedeutende Geschäftseinheiten abstoßen dürfte.

Elektrofahrzeuge holen Kostennachteile auf

Auf längere Sicht herrscht unter den Branchenvertreter:innen Zuversicht: 83 Prozent sind optimistisch, in den nächsten fünf Jahren profitabel wachsen zu können. Das sind erheblich mehr als in unserer Umfrage vor einem Jahr (53 Prozent). 

Bis zum Ende des Jahrzehnts werden die Produktion und der Absatz von Elektrofahrzeugen stetig wachsen. Unter den Führungskräften steigt die Hoffnung, auch ohne Subventionen eine Kostenparität zwischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und solchen mit Elektromotor zu erreichen: 72 Prozent gehen davon aus, dass elektrisch betriebene Fahrzeuge im Jahr 2030 nicht mehr teurer sein werden als Verbrenner. 

Neue Marktteilnehmer gewinnen an Einfluss

Jede Facette der Automobilindustrie  - von der Produktentwicklung bis hin zu Fertigung und Vertrieb  - unterliegt tiefgreifenden Veränderungen. Dies führt auch dazu, dass neue Marktteilnehmer Marktanteile ausbauen. Neun von zehn Branchenvertreter:innen erwarten, dass Start-ups einen starken Einfluss auf die Autoindustrie haben werden. Außerdem glauben viele der Befragten, dass der Technologiekonzern Apple eine bedeutende Rolle im Bereich Elektrofahrzeuge bis 2030 einnehmen wird. 

Zudem wird sich durch die Digitalisierung das Verhältnis zwischen Automobilherstellern und ihren Kund:innen sowie Zulieferern grundlegend verändern. Acht von zehn Expert:innen gehen davon aus, dass 2030 die meisten Autokäufe online abgeschlossen werden. 

Wachstumsmarkt Versicherungen und Abos mit Potenzial

Großes Wachstumspotenzial besitzt nach Meinung der Expert:innen der Versicherungsmarkt. 90 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Hersteller erfolgreich in diesem Markt betätigen werden, sei es im Rahmen einer Partnerschaft mit einem Versicherer oder durch den Verkauf von Fahrer- oder Fahrzeugdaten an ein Versicherungsunternehmen. 

Als mögliche zusätzliche Einnahmequelle werden Abomodelle für Softwareleistungen oder andere After-Sales-Angebote betrachtet: 62 Prozent sind sehr zuversichtlich, dass Kund:innen bereit sein werden, hierfür monatliche Abogebühren zu bezahlen. 

Der KPMG Global Automotive Executive Survey 2022 ist die 23. Ausgabe unserer jährlich erstellten Studie. Dafür wurden im Oktober 2022 insgesamt 915 Top-Führungskräfte aus der Automobilindustrie und angrenzenden Branchen befragt. In der englischsprachigen Studie lesen Sie, wie die Branche die Zukunft der alternativen Antriebe einschätzt, auf welche neuen Technologien, Marktteilnehmer und Kundenbedürfnisse sich die Unternehmen vorbereiten.