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      Die Umstellung auf ISO 20022 im Cash Reporting wurde vielerorts als technisches Pflichtprogramm betrachtet. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass sie weit mehr verändert hat als nur das Nachrichtenformat.

      Das Cash Reporting – also die Bereitstellung und Auswertung von Kontoinformationen wie Kontoständen und Kontoauszügen – befindet sich im Zuge der Einführung des ISO-20022-Standards in einem grundlegenden Wandel. Die bisherigen MT-Formate im SWIFT-FIN-Standard basierten auf textbasierten Nachrichten mit festen Tags und begrenzten Feldlängen. Viele Informationen wurden dabei in Freitextfeldern übermittelt, was eine automatische Verarbeitung erschwerte und häufig zusätzliche Interpretationslogiken in Treasury-Systemen erforderte. Mit ISO 20022 wurde ein moderner, XML-basierter Standard eingeführt, der Daten klar strukturiert und deutlich mehr Informationen standardisiert übermitteln kann. Im Cash Reporting zeigt sich diese Entwicklung insbesondere durch die camt-Formate, beispielsweise camt.053 für elektronische Kontoauszüge, die Bankinformationen wesentlich detaillierter und strukturierter bereitstellen.

      In den vergangenen zwei Jahren haben wir dutzende Umstellungen von MT940/MT942 auf camt.053/camt.052 in unterschiedlichen Branchen begleitet. Trotz vergleichbarer Ausgangslage unterschieden sich die Projekte teils deutlich in ihrer Komplexität und ihren Auswirkungen aufgrund kundenspezifischer Anforderungen in Form von unterschiedlichsten Systemschnittstellen und Wegen der Informationsverarbeitung.

      Mit der Ablösung der MT940- und MT942-Formate durch camt.053 und camt.052 hat sich das Cash Reporting strukturell verändert. Was zunächst wie ein reiner Formatwechsel wirkte, entpuppte sich in der Umsetzung als umfassendes Daten- und Prozessprojekt mit Auswirkungen auf Treasury-Systeme, nachgelagerte Prozesse und die Zusammenarbeit mit Banken.

      Der wesentliche Unterschied zwischen MT und camt liegt nicht nur im technischen Format, sondern im zugrunde liegenden Datenmodell. Während MT-Formate stark textbasiert waren und viele Informationen in wenigen, frei nutzbaren Feldern transportierten, erzwingen camt-Formate eine strukturierte Zuordnung der Informationen zu klar definierten XML-Elementen. Informationen, die zuvor gebündelt im Verwendungszweck standen, werden nun auf mehrere Felder verteilt etwa für Gegenpartei, Referenzen oder Buchungstypen.1 Diese Struktur schafft die Grundlage für Automatisierung und detailliertere Analysen, erfordert jedoch zugleich eine präzisere Verarbeitung im Treasury-System.

      Umgang der Banken mit der Umstellung

      Obwohl camt.053 und camt.052 auf derselben ISO-20022-Spezifikation basieren, zeigte sich in der Praxis, dass die konkrete Umsetzung durch die Banken unterschiedlich ausfällt. Der Grund dafür liegt im Aufbau des Standards selbst.

      ISO 20022 definiert ein strukturiertes, XML-basiertes Datenmodell mit einer deutlich höheren Granularität als frühere MT-Formate Siehe Grafik 1. 


      Grafik 1: Vergleich freier Textfelder beim MT940 mit strukturierten Datenfeldern für eine vordefinierte Befüllung beim camt.053

      Grafik 1: Vergleich freier Textfelder beim MT940 mit strukturierten Datenfeldern für eine vordefinierte Befüllung beim camt.053
      Quelle: KPMG in Deutschland, 2026

      Der Standard stellt zahlreiche klar definierte Datenfelder zur Verfügung beispielsweise für strukturierte End-to-End-Referenzen, separate Gebühreninformationen oder detaillierte Gegenparteidaten. Gleichzeitig enthält die Spezifikation jedoch optionale Elemente und Nutzungsspielräume. Das bedeutet: Banken sind nicht verpflichtet, jedes mögliche Feld zu befüllen oder identisch zu interpretieren, solange sie sich innerhalb des Standards bewegen.

      In der Praxis führte dies zu unterschiedlichen Detailtiefen in camt-Dateien. Einige Banken liefern beispielsweise strukturierte End-to-End-Referenzen konsistent im vorgesehenen XML-Element, während andere diese Information weiterhin in kombinierten Textfeldern abbilden. Ähnliches gilt für Gebühren: Je nach Bank werden Gebühren als separate Transaktion, als eigenes Gebührenelement innerhalb der Buchung oder lediglich als Textinformation ausgewiesen.2

      Auch das Vorgehen beim Cutover war nicht einheitlich. Während einige Banken feste Abschalttermine für MT940/MT942 festlegten, erlaubten andere einen längeren Parallelbetrieb von MT- und camt-Formaten. Für Treasury-Organisationen bedeutete dies, dass Kontoauszüge je nach Bank und Land unterschiedlich verarbeitet werden mussten. In der Praxis führte dies dazu, dass Treasury-Systeme zeitweise sowohl MT- als auch camt-Formate verarbeiten mussten, einschließlich angepasster Reporting- und Abstimmungsprozesse.

      Darüber hinaus wirkten sich die Änderungen unmittelbar auf nachgelagerte Prozesse aus. Anpassungen im Cash Reporting hatten direkte Konsequenzen für Reconciliation-Mechanismen, interne Reports sowie für Schnittstellen zu ERP-Systemen.

      Zentrale Herausforderungen in der Umsetzung der Treasury-Organisationen

      Auch auf Kundenseite zeigte sich ein unterschiedlicher Umgang mit der Umstellung. Treasury-Organisationen, die frühzeitig die parallele camt-Umstellung zu MT getestet haben, konnten Abweichungen in der Datenstruktur rechtzeitig identifizieren und ihre Nachfolgesysteme (ERP) entsprechend vorbereiten. In diesen Fällen wurden camt-Dateien zunächst im Testsystem analysiert, bevor sie produktiv für Cash Reporting oder Reconciliation genutzt wurden.

      Reaktive Umsetzungen konzentrierten sich häufig zunächst auf die reine technische Lauffähigkeit des Imports im Treasury-System. Solange camt-Dateien ohne Fehlermeldung verarbeitet wurden und Kontostände korrekt angezeigt wurden, galt die Umstellung als „erfolgreich“. Erst im laufenden Betrieb wurde deutlich, dass bestehende Cash-Reporting-Logiken oder spezifische Abstimmregeln nicht mehr wie gewohnt funktionierten.

      Beispielsweise basierten viele bestehende Reconciliation-Regeln auf bestimmten Textmustern im MT940-Verwendungszweck. 


      Grafik 2: Vergleich Feldbelegung „Invoice“ MT940 mit camt.053

      Grafik 2: Vergleich Feldbelegung „Invoice“ MT940 mit camt.053
      Quelle: KPMG in Deutschland, 2026

      Wurden diese Informationen im camt-Format nun strukturiert in separate XML-Felder beispielsweise als <EndToEndId> oder innerhalb von <RmtInf> bereitgestellt, griffen die alten Regeln nicht mehr zuverlässig. In anderen Fällen wurden Gebühren nicht mehr als separate Buchungszeile geliefert, sondern innerhalb einer Transaktion referenziert. Dadurch änderte sich die Logik zur Ermittlung von Nettobeträgen oder zur Zuordnung von Bankgebühren.

      Besonders relevant war in diesem Zusammenhang die Abstimmung zwischen Treasury, IT und Accounting. camt-Daten werden nicht ausschließlich im Treasury-System genutzt, sondern häufig an ERP-Systeme weitergegeben oder für Buchungsautomatisierungen verwendet. Änderungen in der Datenstruktur etwa bei Referenzen, Gegenparteiinformationen oder Buchungstypen wirkten sich daher unmittelbar auf automatische Buchungsvorschläge, Clearing-Prozesse oder Debitoren- und Kreditorenabgleiche aus.

      In mehreren Fällen mussten bestehende Schnittstellen angepasst werden, da sich Feldlängen, Feldinhalte oder Referenzlogiken geändert hatten. Teilweise waren auch Anpassungen an Kontroll- und Reporting-Prozessen erforderlich, da sich durch die neue Datenstruktur Summenbildung, Transaktionszählung oder Klassifizierungslogiken veränderten.

      Die Umstellung zeigte damit deutlich: camt beeinflusst nicht nur den Kontoauszugsimport, sondern die gesamte Datenverarbeitungskette vom Bankeingang über das Treasury-System bis in das ERP und die Buchhaltung.

      Erfahrungen aus der Praxis

      Im laufenden Betrieb zeigten sich jedoch auch klare Vorteile der Umstellung. Die strukturierte Datenbasis ermöglicht eine deutlich höhere Transparenz im Cash Reporting und verbessert die Grundlage für automatisierte Reconciliation. Insbesondere bei international aufgestellten Treasury-Organisationen führte die camt-Einführung langfristig zu konsistenteren Daten über Banken und Länder hinweg.

      Der tatsächliche Mehrwert war jedoch stark davon abhängig, wie konsequent die neuen Daten genutzt wurden. Organisationen, die camt lediglich als Ersatz für MT betrachtet haben, schöpften das Potenzial nur teilweise aus. Dort, wo camt-Daten aktiv in Reporting- und Abstimmprozesse integriert wurden, zeigte sich ein nachhaltiger Effizienzgewinn.

      Wesentliche Lessons Learned

      Die Vielzahl der von uns begleiteten Umstellungen in den vergangenen zwei Jahren hat gezeigt, dass sich bestimmte Muster unabhängig von Branche oder Systemlandschaft wiederholen. Auch wenn die Ausgangssituationen unterschiedlich waren, ähnelten sich die zentralen Fragestellungen und Herausforderungen.

      Deutlich wurde dabei, dass die Einführung von camt kein isoliertes IT-Vorhaben ist. Die neue Datenstruktur wirkt sich auf Verarbeitung, Reporting und Abstimmung aus und erfordert eine enge Abstimmung zwischen Treasury, IT und Accounting. Erst wenn Datenlogiken, Mapping-Regeln und Prozessschnittstellen sauber definiert sind, entfaltet sich der tatsächliche Nutzen.

      In vielen Projekten zeigte sich zudem, dass der Mehrwert nicht mit dem technischen Go-Live eintritt. Er entsteht schrittweise im operativen Betrieb durch Anpassung von Reconciliation-Regeln, Optimierung von Reporting-Strukturen und konsequente Nutzung der strukturierten Informationen.

      Für viele Treasury-Organisationen ist die Umstellung formal abgeschlossen. Entscheidend bleibt jedoch, in welchem Umfang die neuen Datenstrukturen aktiv genutzt und in bestehende Prozesse integriert werden.

      Zeitliche Einordnung und Handlungsbedarf

      Anders als bei Zahlungsnachrichten gibt es für Cash-Reporting-Formate keinen weltweit einheitlichen Endtermin für die Verarbeitung von MT940 oder MT942. In der Praxis wird die Migration zu camt-Formaten überwiegend von den Banken gesteuert. Viele Institute bieten derzeit beide Formate parallel an, während andere bereits konkrete Endtermine für MT-Formate definieren. Für Unternehmen bedeutet dies, dass der Handlungsbedarf stark von der jeweiligen Bankbeziehung, der technischen Anbindung sowie der eigenen Systemlandschaft abhängt.

      In der Praxis empfiehlt es sich, die Migration frühzeitig vorzubereiten und camt-Formate zunächst parallel zum bestehenden MT-Format zu testen. Eine enge Abstimmung mit den Banken sowie der eigenen IT ist dabei entscheidend, um mögliche Endtermine für MT-Formate frühzeitig zu erkennen und die Umstellung kontrolliert umzusetzen. Falls dies noch nicht geschehen ist, empfiehlt es sich, proaktiv auf die jeweiligen Banken zuzugehen und den aktuellen Stand der Migration abzustimmen.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 163, März 2026

      Autoren:

      • Nils Bothe, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Jonathan Thiem, Manager, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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