Obwohl viele Treasury-Prozesse bereits digital unterstützt werden, ist die Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen weiterhin häufig mit manuellem Aufwand verbunden. Daten müssen aus unterschiedlichen Quellsystemen zusammengetragen, validiert und aufbereitet werden, bevor sie für Reporting-, Analyse- oder Steuerungszwecke genutzt werden können.
Unterschiedliche Definitionen, abweichende, sogar widersprüchliche Datenstände oder mangelnde Transparenz über Herkunft und Qualität von Informationen können dazu führen, dass Auswertungen uneinheitlich interpretiert werden oder Entscheidungen auf einer unzureichenden Datengrundlage basieren. Im Treasury zeigt sich dies beispielsweise bei zentralen Steuerungsgrößen:
- Fehlende oder verspätete Kontoinformationen können die Cash Visibility beeinträchtigen, inkonsistent zugeordnete Cash-Flow-Positionen die Aussagekraft von Liquiditätsprognosen und
- Fehlerhafte Stamm- oder Zahlungsdaten die automatisierte Verarbeitung im Zahlungsverkehr.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dies: Bei einem international tätigen Konzern wurden eingehende Zahlungsströme über verschiedene Ländergesellschaften hinweg uneinheitlich kategorisiert, sodass identische Sachverhalte in unterschiedliche Liquiditätspositionen einflossen. In der Folge wich die rollierende 13-Wochen-Vorschau wiederholt von den tatsächlichen Kontobewegungen ab. Erst die Vereinheitlichung der Kategorisierungslogik und eine klar definierte führende Quelle je Datenobjekt stellten eine belastbare Prognose wieder her – ohne dass hierfür eine neue Technologie erforderlich war.
Auch ISO 20022 verdeutlicht die Bedeutung konsistenter und strukturierter Daten. Der internationale Nachrichtenstandard ermöglicht umfangreichere und stärker strukturierte Zahlungsinformationen und kann bei harmonisierter Anwendung die Interoperabilität sowie effizientere Zahlungsprozesse unterstützen. Gerade im Zuge der Weiterentwicklung von Zahlungsformaten zeigt sich, dass technische Standardisierung ihren Nutzen nur dann entfalten kann, wenn die zugrunde liegenden Stamm- und Transaktionsdaten vollständig und konsistent gepflegt sind.2
Belastbare Prozesse benötigen daher standardisierte Datenstrukturen, klar definierte Datenflüsse und ein hohes Maß an Datenqualität. Fehlen diese Voraussetzungen, werden bestehende Schwachstellen häufig lediglich digitalisiert, anstatt nachhaltig beseitigt zu werden. Datenqualität ist damit kein technisches Randthema, sondern ein wesentlicher Enabler erfolgreicher Transformation.