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      Die Gaming-Branche in Deutschland hat sich mit einem Jahresumsatz von über 9 Milliarden Euro im vergangenen Kalenderjahr als bedeutender Wirtschaftszweig etabliert. Zahlreiche Unternehmen aus Deutschland verzeichnen internationale Erfolge. Doch mit dem Wachstum steigen auch die steuerlichen Herausforderungen – insbesondere bei digitalen Geschäftsmodellen, internationalen Lizenzierungen und der Umsatzsteuer.

      Herausforderungen durch internationale Wertschöpfung

      Die Entwicklung und Vermarktung von Games erfolgt meist arbeitsteilig: Entwickler, Publisher, Plattformbetreiber und Zahlungsdienstleister agieren oft international. Daraus ergeben sich besondere steuerliche Fragestellungen, etwa bei der Zuordnung von Umsätzen und der korrekten Besteuerung in verschiedenen Ländern. Da verschiedene Konzerngesellschaften in unterschiedlichen Ländern an der Wertschöpfung beteiligt sind, ist eine angemessene und nachvollziehbare Verteilung der Gewinne auf die beteiligten Unternehmen erforderlich. Hierbei müssen die Verrechnungspreise für konzerninterne Leistungen, wie beispielsweise Entwicklungsdienstleistungen, Marketingaktivitäten oder die Überlassung von Nutzungsrechten, dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen. Die Herausforderung besteht darin, die jeweiligen Funktionen, Risiken und Vermögenswerte der beteiligten Parteien korrekt zu analysieren und zu dokumentieren. Zudem ist zu prüfen, ob durch die Aktivitäten einzelner Gesellschaften in anderen Ländern Betriebsstätten begründet werden, was zusätzliche steuerliche Pflichten und Dokumentationsanforderungen mit sich bringen kann. Die korrekte Allokation von Gewinnen und Kosten zwischen den beteiligten Unternehmen ist daher essenziell, um steuerliche Risiken und mögliche Doppelbesteuerungen zu vermeiden. Eine sorgfältige Transfer-Pricing-Dokumentation ist unerlässlich, um den Anforderungen der Steuergesetze und Finanzbehörden in den verschiedenen Ländern gerecht zu werden und potenzielle Streitigkeiten zu vermeiden.

      Lizenzgebühren und Quellensteuer: Was gilt bei grenzüberschreitenden Sachverhalten?

      Werden Spiele international lizenziert, können Lizenzgebühren anfallen, die nach § 50a EStG der deutschen Quellensteuer unterliegen. Hier ist im Einzelfall zu prüfen, ob und in welcher Höhe eine Quellensteuer einzubehalten ist und ob ein Doppelbesteuerungsabkommen eine Entlastung ermöglicht. Eine sorgfältige vertragliche und steuerliche Dokumentation ist dabei unerlässlich, um rechtlich und steuerlich auf der sicheren Seite zu stehen. Darüber hinaus können Lizenzgebühren, die für die Nutzung von Rechten (beispielsweise Software, Marken, Musik) gezahlt werden und als Betriebsausgaben abgezogen wurden, grundsätzlich der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung gemäß § 8 Nr. 1 Buchst. f GewStG unterliegen. Die Hinzurechnung erfolgt grundsätzlich anteilig und erhöht somit die Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer.

      Umsatzsteuer: Wer ist eigentlich der Leistungserbringer?

      Die umsatzsteuerliche Behandlung digitaler Spiele ist alles andere als trivial – vor allem, wenn es darum geht, wer eigentlich als Leistungserbringer gilt: das Entwicklerstudio, der Publisher oder doch der App-Store? Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn sie bestimmt, wer die Umsatzsteuer korrekt abführen muss. Häufig treten große Plattformbetreiber als „deemed supplier“ auf und führen die Umsatzsteuer zentral über das One-Stop-Shop (OSS)-Verfahren ab (Art. 9a VO (EU) 282/2011, § 18j UStG).  Dabei gilt: Der App-Store wird umsatzsteuerlich als Verkäufer behandelt und ist verpflichtet, die Umsatzsteuer für digitale Leistungen an Endkunden in der EU zentral über das OSS-Verfahren zu melden und abzuführen. Ob beim Verkauf von Spielen oder bei In-App-Käufen von virtuellen Gütern oder Tokens: Für Entwickler und Publisher ist eine genaue Prüfung der umsatzsteuerlichen Pflichten unerlässlich, um teure Fehler zu vermeiden und rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen. 

      Zukunft im Blick

      Die Gaming-Branche steht an der Schwelle zu einer neuen Entwicklungsstufe: Digitalisierung, innovative Geschäftsmodelle und der Einsatz von KI-Technologien eröffnen enorme Potenziale, stellen Unternehmen aber auch vor neue Herausforderungen. Besonders die Themen Lizenzen, Werbung, digitale Umsätze sowie der Schutz und die Lizenzierung von geistigem Eigentum (IP) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wer diese Entwicklungen frühzeitig erkennt und gezielt darauf reagiert, kann sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile sichern. Dabei kommt es darauf an, die eigenen Strukturen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren – insbesondere im Hinblick auf internationale Lizenzierungen, den Umgang mit KI-generierten Inhalten und die Einhaltung urheberrechtlicher Vorgaben. Als Ihre direkten Ansprechpartner bei KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stehen wir jederzeit für Fragen zur Verfügung.


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      Ihre Ansprechperson

      Christina Rester

      Senior Managerin, Corporate Tax Service

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft