Ein führender institutioneller Infrastrukturfonds investierte vor kurzem rund 10 Milliarden US-Dollar in einen KI-Campus in Schweden statt in einen der klassischen deutschen Standorte. Der Entscheidung liegt eine einfache Rechnung zugrunde: KI-Training muss nicht an einem bestimmten Standort stattfinden, sondern braucht hunderte Megawatt Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen. In Finnland lag der gewerbliche Industriestrompreis im zweiten Halbjahr 2025 bei rund 7 Cent pro Kilowattstunde, in Schweden bei knapp 10 Cent, in Deutschland dagegen bei rund 23 Cent.
Hinzu kommt, dass Hyperscaler nicht allein auf den Preis achten, sondern zunehmend auch auf die CO2-Bilanz ihres Stroms. Hier wirkt der deutsche Strommix doppelt nachteilig: Er ist nicht nur teurer, sondern über das Jahr gerechnet auch CO2-intensiver als der überwiegend aus Wasser- und Kernkraft gespeiste Strom Skandinaviens. Dazu kommen Jahresdurchschnittstemperaturen unter zehn Grad Celsius, die in Nordeuropa natürliche Kühlung ermöglichen und die Betriebskosten weiter senken.
Neben den Energiekosten ist Geschwindigkeit ein zweiter Standortnachteil. Genehmigungspflichtig sind dabei nicht die Serverhallen selbst, sondern ihre Peripherie: Notstromaggregate und Rückkühlanlagen lösen ein immissionsschutzrechtliches Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz aus. Von der ersten Projektplanung bis zur Genehmigung vergehen bei großen, UVP-pflichtigen Vorhaben in Deutschland regelmäßig vier bis sechs Jahre, weil Gutachten, Vollständigkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung sequenziell aufeinanderfolgen. In Schweden und Norwegen sind vergleichbare Projekte um bis zu 24 Monate früher genehmigt. In einem Markt, dessen technologische Grundlagen sich im Jahresrhythmus verschieben, ist dieser Zeitunterschied ein erheblicher Faktor bei der Standortentscheidung.