- Starkes Wachstum erwartet: 73 % rechnen 2026 mit steigenden Umsätzen, auf Fünfjahressicht sind es 92 %
- Indien als integrierter Geschäftsstandort: 69 % sehen das Land als relevanten Absatzmarkt, 63 % als Produktionsstandort (+18 bzw. +14 Prozentpunkte ggü. 2025)
- Wachsende Konkurrenz: 46 % erwarten, dass indische Wettbewerber ihnen in fünf Jahren überlegen sein werden
- Standortvorteile bestehen fort: politische Stabilität (49 %), niedrige Arbeitskosten (49 %) und Verfügbarkeit von Fachkräften (44 %) sind die am positivsten bewerteten Standortfaktoren
- Globale Risiken verschieben sich: Volatilität der US‑Handelspolitik (56 %) und militärische Konflikte (47 %) dominieren die Risikobewertung
- Regulatorische Herausforderungen bleiben: Bürokratie (58 %) und Korruption (34 %) bleiben zentrale Hürden
- Konflikt im Mittleren Osten hat signifikante Auswirkungen
Düsseldorf/Mumbai, 9. Juni 2026
Trotz geopolitischer Spannungen und wachsender globaler Unsicherheit bauen deutsche Unternehmen ihr Engagement in Indien deutlich aus. Für viele rückt der Markt zunehmend ins Zentrum ihrer internationalen Strategie. Bereits heute zählen 68 % das Land zu ihren fünf wichtigsten Märkten weltweit. 10 % stufen Indien sogar als ihren wichtigsten Markt ein. Gleichzeitig nimmt die strategische Rolle Indiens weiter zu, da Unternehmen den Standort zunehmend umfassend in ihre Wertschöpfung integrieren.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck deutlich: Während derzeit nur für 17 % der befragten deutschen Unternehmen lokale indische Firmen als überlegen gelten, erwartet dies fast jedes zweite Unternehmen (46 %) in den kommenden fünf Jahren.
Folgerichtig intensivieren deutsche Unternehmen ihr Engagement vor Ort: Mehr als die Hälfte (52 %) plant bereits 2026 höhere Investitionen in Indien, bis 2031 tun dies 80 %. Gleichzeitig nehmen Umfang und strategische Tiefe der Engagements zu, was die zunehmende Bedeutung Indiens als langfristiger Investitionsstandort unterstreicht.
Auch die wirtschaftlichen Perspektiven bleiben äußerst positiv. Für das laufende Jahr erwarten 73 % der Unternehmen steigende Umsätze. Mit Blick auf 2031 steigt dieser Wert auf 92 %. Auch die Gewinnentwicklung wird überwiegend positiv eingeschätzt, was die nachhaltige Attraktivität des Marktes unterstreicht. 45 % erwarten 2026 steigende Gewinne, 74 % rechnen damit auf Fünfjahressicht.
Das sind zentrale Ergebnisse des heute präsentierten „German-Indian Business Outlook 2026“. Die Umfrage der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (KPMG) und der Deutsch-Indischen Handelskammer (AHK Indien) fand zwischen dem 10. März und dem 1. Mai 2026 statt. Sie analysiert die Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen in Indien.
Indien entwickelt sich zum strategischen Zentrum globaler Geschäftsmodelle
Indien hat sich als zentraler Baustein internationaler Geschäftsstrategien deutscher Unternehmen etabliert. 69 % der befragten Unternehmen sehen das Land als wichtigen Absatzmarkt, während 63 % es als Produktionsstandort für den regionalen Markt nutzen. Das ist ein Zuwachs von 18 bzw. 14 Prozentpunkten im Vergleich zur letztjährigen Befragung. Darüber hinaus gewinnt Indien als Standort für Service-Sourcing (55 %) und globale Kompetenz- und Shared Service Center (44 %) an Bedeutung.
Freihandelsabkommen als Wachstumskatalysator
Ein entscheidender Impuls für die weitere Entwicklung im deutsch-indischen Korridor ist das Anfang 2026 abgeschlossene EU‑Indien‑Freihandelsabkommen. 96 % der befragten Unternehmen erwarten dadurch positive Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit, 34 % sehr große positive Effekte. Ca. ein Viertel der befragten Unternehmen planen bereits konkrete Maßnahmen, insbesondere den Ausbau lokaler Produktion (26 %), eine Steigerung der Exporte aus Indien (25 %) sowie neue Partnerschaften bzw. Joint Ventures mit indischen Unternehmen (21 %).
„Ein ambitioniertes EU Indien Freihandelsabkommen kann für deutsche Unternehmen zum entscheidenden Hebel werden – für Wachstum, Diversifizierung und Resilienz. Umso wichtiger ist es, das aktuelle Momentum entschlossen zu nutzen und das Abkommen zügig umzusetzen, damit aus Potenzial konkrete Chancen werden“ sagt Jan Nöther, Director General der AHK Indien.
Gleichzeitig beeinflussen geopolitische Spannungen zunehmend die strategischen Entscheidungen der Unternehmen. Insbesondere die volatile US‑Handelspolitik (56 %) sowie militärische Konflikte außerhalb Indiens (47 %) werden als die wesentlichen externen Risikofaktoren benannt.
Standortvorteile und Herausforderungen im Spannungsfeld
Indien bleibt für deutsche Unternehmen ein attraktiver Standort. Die politische Stabilität (49 % nach 61 % im Vorjahr), niedrige Arbeitskosten (49 % nach 53 % im Vorjahr) sowie die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte (44 % nach 53 % im Vorjahr) sind weiterhin die Top 3 Standortvorteile, verlieren aber im Vorjahresvergleich an Bedeutung.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen: Bürokratische Hürden (58 % nach 65 % im Vorjahr) und Korruption (34 % nach 33 % im Vorjahr) werden von den Unternehmen als die beiden größten Hindernisse für ihre Aktivitäten in Indien genannt. Auch regulatorische Anforderungen wie Quality Control Orders belasten 27 % der befragten Unternehmen (32 % im Vorjahr).
„Die Kombination aus attraktiven Standortbedingungen und strukturellen Herausforderungen erfordert eine klare strategische Ausrichtung. Unternehmen, die frühzeitig auf Lokalisierung und Partnerschaften setzen, können langfristig entscheidende Wettbewerbsvorteile realisieren“, betont Jan Nöther, Director General der AHK Indien.
Auswirkungen der jüngsten geopolitischen Entwicklungen
Die Befragung wurde überwiegend vor dem Konflikt im Mittleren Osten durchgeführt. Die daraus resultierenden steigenden Ölpreise und die erhöhte Volatilität auf den globalen Energiemärkten setzen Indien als bedeutenden Energieimporteur zusätzlich unter Druck. Dies zeigt sich unter anderem in einer Abwertung der indischen Rupie, steigenden Importkosten sowie verstärkten politischen Appellen des indischen Premierministers zu einem effizienteren Energieverbrauch.
Über den “German Indian Business Outlook 2026”
Die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und die Deutsch-Indische Handelskammer (AHK Indien) haben für den „German Indian Business Outlook 2026“ eine Umfrage unter den indischen Tochtergesellschaften deutscher Konzerne sowie unter Unternehmen mit Indien-Aktivitäten in Deutschland durchgeführt.
Insgesamt 106 Unternehmen nahmen daran teil (im Vorjahr 97 Unternehmen). Der Durchführungszeitraum lag zwischen dem 10. März und dem 1. Mai 2026. Die Fragen konzentrierten sich auf den wirtschaftlichen Ausblick der deutschen Unternehmen in Indien sowie auf deren Herausforderungen und Geschäftschancen.
Kontakt für die Presse
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Katrin Häbel, Leiterin Unternehmenskommunikation
+49 69 9587 4228
khaebel@kpmg.com | www.kpmg.com/de
Deutsch-Indische Handelskammer
Anne Krieckhaus, Geschäftsführerin
+49 211 3605971
anne.krieckhaus@indo-german.com
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