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      Wie bereits Gordon Gekko im bekannten Oliver Stone Film „Wall Street“ aus dem Jahre 1987 zu sagen pflegte: „Die wertvollste Ressource ist Information“ – und digitale Handelsprozesse liefern diese in Echtzeit. Bis zu 15% höhere Profitabilität, 76% geringere Handelskosten und Einsparungen von mehr als 200 Mrd. USD weltweit zeigen (vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (2026): Creating competitive advantages through paperless trade, S. 10-11), in welchem Umfang papierloser Handel die Liquidität und das Risikomanagement beeinflussen kann. 

      In Zeiten, in denen Digitalisierung und Regulierung den Finanzsektor prägen, gewinnt der papierlose Handel enorm an Bedeutung. Fach- und Führungskräfte aus Treasury & Finance sehen sich aktuellen Herausforderungen und Trends gegenüber, die effiziente und kostengünstige Prozesse erfordern. Das aktuelle KPMG-Whitepaper „Wettbewerbsvorteile durch papierlosen Handel“ erläutert, wie digitale Handelsprozesse Wettbewerbsvorteile erzeugen können, und liefert relevante Erkenntnisse für Treasury-Abteilungen und das Risikomanagement.

      Aktuelle Herausforderungen und Trends

      Wirft man einen Blick auf den heutzutage überall international geprägten Handel, stellt sich heraus, dass ca. 90% der Geschäftsabwicklungen weiterhin papierbasiert sind (vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (2026): Creating competitive advantages through paperless trade, S. 10). Im Bereich Treasury stehen Unternehmen vor der Aufgabe Liquidität zu optimieren, Risiken zu minimieren und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Die durch manuelle Dokumentbearbeitung bedingte längere Durchlaufzeit und eine erschwerte Echtzeit-Transparenz verdeutlicht die zunehmende Notwendigkeit, Handelsprozesse zu digitalisieren. Die Einführung digitaler Standards, rechtlicher Reformen und öffentlich-private Partnerschaften wie etwa die Digital Standards Initiative (DSI) der International Chamber of Commerce (ICC) treiben diese Transformation voran. 

      Eine der aktuellen Entwicklungen ist das „Model Law on Electronic Transferable Records“ (MLETR) welches beispielsweise 2025 von Frankreich vollständig in nationales Recht übernommen wurde. In der Praxis bedeutet das konkret, dass Unternehmen & Banken nun theoretisch und auf rechtssicherer Basis arbeiten könnten – wobei eine „Legal Validity“ nicht automatisch heißt, dass alle Prozesse direkt als operationalisierbar zu betrachten sind. Allgemein lässt sich feststellen, dass gesetzliche Modelle wie das MLETR die rechtliche Anerkennung von elektronisch übertragbaren Prozessen fördern und gleichzeitig die Basis für papierlose Handelsprozesse schaffen. Jetzt sind jedoch die einzelnen Volkswirtschaften gefordert, den grundlegenden Rechtsrahmen in die praktische Umsetzung zu bringen.

      Entwicklungen im Treasury Umfeld

      Die Nutzung von Echtzeitdaten und automatisierter Prozesse, sowie die Reduzierung von Kosten und Zeit durch digitale Dokumentenströme, werden in naher Zukunft im Treasury-Umfeld alternativlos sein. Die Absicherung internationaler Lieferketten steht dabei besonders im Fokus: Geopolitische Unsicherheiten, Sanktionen und Handelsrestriktionen erhöhen das Risiko von Zahlungs- und Lieferausfällen. Unternehmen benötigen daher robuste Instrumente wie Akkreditive, Garantien oder Documentary Collections – deren Bearbeitung jedoch nur mit digitalisierten, standardisierten und effizienten Prozessen skalierbar ist.

      Gleichzeitig wächst der Druck durch strenge regulatorische Vorgaben wie KYC, AML und Embargo-Checks. Diese Prüfungen verursachen in vielen Unternehmen erheblichen manuellen Aufwand, erhöhen Durchlaufzeiten und verlängern somit den Order to Cash Zyklus. Automatisierte Compliance Prüfungen, digitale Dokumentenmanagementsysteme und Workflows sind daher entscheidend, um sowohl regulatorische Sicherheit als auch Kosteneffizienz zu gewährleisten. Neue Technologien wie Blockchain eröffnen zusätzliche Effizienz- und Sicherheitspotenziale und schaffen eine Basis für robuste Trade Finance Prozesse.

      Hinzu kommt, dass internationale Handelsfinanzierung häufig mit umfangreichen papierbasierten Dokumenten und komplexen Abstimmungsprozessen einhergeht. Als Resultat sind Bearbeitungsfehler, Prozessverzögerungen und Medienbrüche ein immer noch häufig anzutreffendes Risiko. Trends wie digitale Akkreditive, eBLs (electronic Bills of Lading) und Blockchain basierte Plattformen zeigen, dass moderne Trade Finance Prozesse zunehmend auf Automatisierung, Transparenz und Echtzeitfähigkeit ausgerichtet sein werden. Gerade im Bereich Trade-Finance besteht eine hohe Relevanz von Treasury-Expertise, da hier bestehende Prozesse oft komplex, zeitaufwendig und häufig nicht ausreichend digitalisiert sind. Gleichzeitig herrscht jedoch häufig noch eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf Stabilität und Zukunftsfähigkeit moderner Trade Finance-Technologien.

      Die Integration von Trade Finance Lösungen in bestehende Treasury-Management-Systeme ist bekanntermaßen technisch anspruchsvoll und erfordert standardisierte API-Schnittstellen. Speziell im Laufe einer solchen Implementierung müssen ohne digitale Integration viele Informationen manuell gepflegt werden – was zu veralteten Daten und potenziellen Fehlentscheidungen führen kann. Schließlich verschärft der Fachkräftemangel im Bereich Trade Finance die Situation zusätzlich: Spezialwissen zu Dokumentengeschäften, internationalen Regularien und komplexen Finanzierungsstrukturen ist knapp. Digitale Tools, automatisierte Prüfmechanismen und effiziente End to End Prozesse werden damit zu einem zentralen Hebel, um Kapazitäten zu entlasten und Risiken zu minimieren.

      Mehrwert und Relevanz des Whitepapers für die Praxis

      Wie durch digitalen Handel Wettbewerbsvorteile geschaffen werden können, ist ein zentraler Bestandteil des aktuellen KPMG-Whitepapers. Halbierte Transaktionszeiten, verdoppelte Handelsvolumen sowie massive Kosteneinsparungen durch das Verzichten auf manuelle Datenerfassung, Medienbrüche, Nacharbeiten, Abstimmungsschleifen und die damit einhergehenden höheren Personalkosten sind ein Beleg für die umfangreichen Vorteile des papierlosen Handels. 

      In Bezug auf das Treasury lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Steuerung des Garantie- & Aval-Portfolios zu werfen. Werden Garantien & Avale nicht sauber verfolgt und ausgebucht, bleibt die Gebührenlast beim Unternehmen hängen und es kommt zu einer unnötigen Inanspruchnahme von Linien. Mit der Nutzung papierlosen Handels werden durch rechtzeitige Ausbuchung der Garantien Gebühren gespart, Finanzierungskosten durch das Freimachen von Kreditlinien indirekt gesenkt und sogenannte Fee-Leakage (falsche/ungeprüfte Gebühren) reduziert. 

      Weitere Hebel für das Unternehmenstreasury sind das Hedging, die Liquiditätsplanung und die Reduktion von FX-Risiken. Das Treasury benötigt für die Liquiditätsplanung, das Hedging und die Risikosteuerung tagesaktuelle Informationen aus Trade Finance-Transaktionen. Ohne Integration von Trade Finance-Funktionalitäten in bestehende Treasury-Systeme müssen Unternehmen weiterhin manuelle Wartung betreiben und die Entscheidungsfindung beruht zwangsläufig auf „outdated data“. Diese veralteten Daten wiederum können zu Over-/Under-Hedging und falschen Liquiditätsentscheidungen führen, welche in realen Verlusten resultieren können.

      Zentrale Kernaussagen und Zahlen

      Die Digitalisierung des globalen Handelssystems könnte laut ICC bis 2026 zu einem Anstieg des gehandelten Volumens in den G7-Staaten um 43% führen (vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (2026): Creating competitive advantages through paperless trade, S. 15). Kosteneinsparungen – derzeit machen die handelsbezogenen Kosten rund 3% (Senkung auf 2,3% in 2026) des gesamten Handelswerts aus – sind zusätzliche Nebeneffekte eines digitalisierten Handelsumfelds. Länderübergreifend wären Einsparungen in Höhe von mehr als 200 Milliarden USD möglich.

      Internationale Praxisbeispiele verdeutlichen das Potenzial der Digitalisierung des Handels:

      • Reduzierung der Datenanforderungen in einem Ingenieurunternehmen um das Achtfache
      • 7 Tage weniger Zeit zur Liquiditätsbereitstellung für einen Trade Finance Anbieter
      • Minimierung der Liegezeit von Schiffen auf unter eine Minute in einem Projekt eines Ölunternehmens

      Diese und weitere Fallstudien werden im Whitepaper detailliert erläutert.

      Praxisrelevanz und Handlungsempfehlungen

      Für das Treasury ist „Paperless Trade” kein reines Operations-Thema, sondern ein direkter Hebel für Liquiditätssteuerung, Gebührenkosten und Risikomanagement. Konkret bedeutet das, dass Unternehmen vor allem im Bereich Trade Finance die Prozessabläufe end-to-end digitalisieren und entweder dezidierte Garantie Management Systeme implementieren oder über APIs in Treasury-Systeme integrieren sollten, um eine automatisierte Datenaktualität für Garantien, Gebühren, Kreditziehungen und Währungsbeträge gewährleisten können. Zudem erhöhen unveränderliche Prozessprotokolle die Transparenz und führen zu einer signifikanten Reduzierung von Prüfaufwänden.

      Um noch einmal Bezug auf die bereits zuvor genannten Handlungsempfehlungen und deren Praxisrelevanz zu nehmen, richten wir den Fokus auf ein aktuelles Beispiel anhand eines DAX-Unternehmens. Dieses berichtet im Zuge der Digitalisierung der Geschäftsprozesse von halbierten Bearbeitungszeiten und drastisch gesunkenen Fehlerquoten (vgl. KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (2026): Creating competitive advantages through paperless trade, S. 28) – genau die Effekte, die Treasury spürbar in Opex, Forecast-Qualität und Risikosteuerung übersetzen kann.

      Fazit und Ausblick

      Die spannende Frage ist nicht mehr, ob digitalisiert wird, sondern wie schnell Unternehmen der Sprung von digitalen Einzelschritten zu vollständig in bestehende Systeme integrierte end-to-end Prozessen gelingt. Wer die Entwicklung hier am schnellsten vorantreibt, gewinnt sofort: Weniger manuelle Eingriffe, kürzere Durchlaufzeiten, bessere Datenqualität sowie ein messbar robusteres Risikoprofil schaffen Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Das Ergebnis dieser Umstellungen ist ein Treasury, welches nicht länger den Dokumenten hinterläuft, sondern mit aktuellen Daten steuert – schneller, transparenter und deutlich souveräner.

      Erfahren Sie mehr zu diesen Themen und profitieren Sie von den praxisorientierten Empfehlungen im vollständigen Whitepaper „Creating competitive advantages through paperless trade – The huge potential of going digital “ (KPMG, 2026).

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 162, Januar/Februar 2026

      Autoren:

      • Nils Bothe, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Elisa Caputo, Managerin, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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