Trotz der genannten Widrigkeiten haben sich in der Praxis mittlerweile drei nachhaltige Einsatzgebiete für die Blockchain-Technologie herausgebildet:
1. Mobilisieren von illiquiden Assets und Bedienen der Nachfrage nach Private Market Assets:
Ein Beispiel ist die Tokenisierung von Private Debt und Private Equity, wobei bisher illiquide Vermögenswerte in digitale Tokens umgewandelt und so mobilisiert werden. Dadurch wird der Zugang zu einem breiteren Investorenkreis ermöglicht. Investoren, die traditionell möglicherweise nicht in diese Anlageklassen investiert hätten, können nun gewonnen werden. Zum anderen führt die mit der Tokenisierung verbundene Standardisierung und Automatisierung insbesondere bei der Emission zu sinkenden Kosten und verkürzten Emissionszeiträumen. Settlement-Risiken entstehen praktisch keine, was einen positiven Nebeneffekt darstellt.
2. Verwahrlösungen für Kryptoassets:
Die steigende Nachfrage nach Kryptoassets führt zu einer erhöhten Nachfrage nach geeigneten Verwahrlösungen. Diese wiederum benötigen eine geeignete Infrastruktur, die sowohl Retail- als auch institutionelle Kunden bedienen kann. Neben Eigenentwicklungen setzen Banken vermehrt auf Whitelabel-Lösungen, um schnell und kosteneffizient auf die steigende Nachfrage reagieren und am Markt partizipieren zu können. Die Erlaubnis für das Verwahrgeschäft mit Kryptoassets kann entweder durch Lizenzierung bei der BaFin oder als bereits reguliertes Finanzdienstleistungsinstitut im Rahmen einer so genannten Notification unter der Markets in Crypto Assets Regulation (MiCAR) erteilt werden. Die Vorteile solcher Verwahrlösungen liegen für den Nutzer in der sicheren Aufbewahrung der Kryptoassets, der Verwaltung von Schlüsseln und Transaktionen sowie in der Bereitstellung von Berichten und Analysen. Der Anbieter wiederum erschließt sich neue Ertragsquellen und kann seinen Kundenstamm ausweiten.
3. Transformation in einen digitalen Kapitalmarkt:
Die Blockchain-Technologie verspricht einen effizienteren Kapitalmarkt. Emissions- und Abwicklungskosten können gesenkt werden. Abläufe werden schneller und transparenter – und das Finanzsystem wird insgesamt robuster. Für Banken bedeutet das Risiken und Chancen gleichermaßen. Offensichtlich sind Effizienzgewinne durch den Wegfall von Intermediären, durch die Automatisierung von Emissions- und Abwicklungsprozessen sowie durch die Standardisierung von Produkten. Es wird entscheidend sein, Marktstandards zu entwickeln und eine geeignete, skalierbare Infrastruktur zu schaffen, um die Vorteile der Technologie voll auszuschöpfen und Marktanteile zu sichern. Doch dafür müssen Banken die Transformation aktiv vorantreiben.