Die Grundlage jeder KI-gestützten Liquiditätsplanung bilden weiterhin strukturierte Finanzdaten wie historische nach Planungspositionen gruppierte Cashflows (beispielsweise Einzahlungen von Kunden oder Auszahlungen an Lieferanten für Betriebsmittel) aus ERP- und Treasury-Systemen. Diese Daten werden gezielt um externe strukturierte oder unstrukturierte Informationsquellen ergänzt. Hierzu zählen beispielsweise makroökonomische Veröffentlichungen, Markt- und Zinsinformationen oder textbasierte Frühindikatoren. Fortschritte in der automatisierten Text- und Signalanalyse ermöglichen es, solche Informationen in quantifizierbare Einflussfaktoren zu überführen und kontrolliert in Prognosemodelle einzubinden. Entscheidend ist dabei nicht die maximale Erweiterung der Datenbasis, sondern die gezielte Auswahl relevanter Treiber, um zusätzliche Volatilität nicht unreflektiert in die Prognose zu übertragen. Die Auswahl erfolgt heutzutage automatisiert durch leistungsfähige KI-Modelle.
Mit der erweiterten Datenbasis haben sich auch die Methoden der Datenbereinigung und -aufbereitung weiterentwickelt. Während früher vor allem manuelle Plausibilitätsprüfungen dominierten, kombinieren moderne Ansätze regelbasierte Logiken mit statistischen und maschinellen Verfahren. Ausreißer, Anomalien oder strukturelle Brüche lassen sich automatisiert identifizieren und bewerten. Der Fokus verschiebt sich damit von einer einmaligen Bereinigung hin zu einer kontinuierlichen Sicherstellung der Prognosefähigkeit, bei der Veränderungen in Datenstruktur oder Geschäftsmodell gezielt durch Anpassungen oder Re-Trainings der Modelle berücksichtigt werden.
Der wesentliche Fortschritt liegt heute weniger in neuen Datenquellen als in der Art der Modellierung: Bekannte KI-Verfahren wie etwa Gradient-Boosting-Modelle oder auch neuere Modelle wie Deep-Learning-basierte Zeitreihenarchitekturen erfassen nichtlineare Zusammenhänge und komplexe zeitliche Abhängigkeiten deutlich robuster als klassische Regressions- oder rein historienbasierte Forecasts. Ergänzend ermöglichen probabilistische Prognosemethoden die Darstellung von Bandbreiten und Szenarien statt einzelner Punktwerte, was die Risikosteuerung verbessert. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist der Einsatz erklärbarer Modelle. Explainable-AI-Techniken machen sichtbar, welche Einflussgrößen Prognosen treiben und wie stark deren Wirkung ist. Das erhöht Nachvollziehbarkeit, unterstützt Governance-Anforderungen und erleichtert die fachliche Validierung im Treasury – ein klarer Unterschied zu früheren Black-Box-Ansätzen.