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      Mit der Einführung von Verification of Payee (VoP) hat der europäische Zahlungsverkehr eine weitere sicherheitsrelevante Erweiterung erfahren. Was auf den ersten Blick wie eine zusätzliche Prüfroutine im Zahlungsprozess wirkt, entpuppt sich in der Praxis als tiefgreifende Veränderung für Banken, Treasury‑Management‑Systeme (TMS) und Unternehmen.

      VoP ist Teil der Instant Payments Regulation und verpflichtet Zahlungsdienstleister dazu, vor Ausführung einer SEPA‑Überweisung zu prüfen, ob der angegebene Empfängername zur IBAN passt. Ziel ist es, Fehlüberweisungen und Betrugsfälle wirksam zu reduzieren. Die Prüfung erfolgt in Echtzeit zwischen der zahlenden und der empfangenden Bank und liefert dem Zahler eine Rückmeldung, ob ein Full Match, Close Match oder No Match vorliegt. Auf Basis dieser Rückmeldung kann der Zahlende entscheiden, ob die Zahlung ausgeführt wird.

      Was sich mit VoP für Marktteilnehmer ändert

      Für Banken bedeutet VoP den Aufbau neuer, hochverfügbarer Prüfprozesse inklusive API‑Kommunikation, Statusrückmeldungen und klar definierter Haftungsregeln. VoP ist dabei kein isolierter Service, sondern integraler Bestandteil der Zahlungsabwicklung.

      TMS‑Anbieter stehen vor der Aufgabe, diese neue Prüflogik sauber in bestehende Zahlungsverkehrsprozesse zu integrieren. Anders als klassische Validierungen greift VoP zwischen Einreichung, Freigabe und finaler Ausführung einer Zahlung ein. Systeme müssen dementsprechend die VoP‑Rückmeldungen interpretieren, visualisieren und in bestehende Freigabe‑ und Signaturprozesse einbetten können.

      Für Unternehmen verändert sich vor allem die operative Verantwortung. Während Zahlungen bislang primär auf Basis interner Freigaben ausgelöst wurden, tritt nun eine externe Rückmeldung hinzu, die bewusst bewertet werden muss. Insbesondere bei Abweichungen zwischen Empfängername und Bankdaten entsteht ein zusätzlicher Entscheidungspunkt im Zahlungsprozess. Denn bei der Freigabe einer Close‑ oder No‑Match‑Zahlung haftet das Unternehmen für die Ausführung inkorrekter Zahlungen, während die Haftung bei Full Matches auf die Bank übergeht. Damit gewinnt auch das Stammdatenmanagement im Unternehmen deutlich an Bedeutung, da fehlerhafte oder inkonsistente Stammdaten zu No‑Match‑Rückmeldungen führen.

      Eine zentrale Rolle bei VoP spielen die Opt‑In‑ und Opt‑Out‑Möglichkeiten für Unternehmen. Während einzelne Zahlungen grundsätzlich VoP‑pflichtig sind, können Unternehmen bei Sammelzahlungen entscheiden, ob sie VoP aktiv nutzen (Opt‑In) oder zunächst darauf verzichten (Opt‑Out). Diese Wahlfreiheit hat sich insbesondere in der Einführungsphase als wesentlich erwiesen. Angesichts der operativen Herausforderungen wird aktuell eine fortgesetzte Nutzung von Opt‑Out bei Einzelzahlungen von der BaFin toleriert, um eine schrittweise Einführung von Verification of Payee zu ermöglichen. Die Übernahme der Duldung liegt jedoch im Ermessen der jeweiligen Bank und ist nicht verbindlich vorgegeben.

      Warum VoP relevant ist

      Die Bedeutung von VoP reicht deutlich über regulatorische Pflichterfüllung hinaus. Der Zahlungsbetrug hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen, während Zahlungsprozesse zugleich immer schneller und automatisierter werden. Insbesondere Instant Payments sind nicht mehr stornierbar. Fehlüberweisungen führen hier unmittelbar zu finanziellen Schäden.

      VoP schließt genau diese Lücke, indem Fehler und Manipulationen vor der Zahlungsfreigabe sichtbar werden. Für Unternehmen bedeutet das mehr Sicherheit, aber auch ein höheres Maß an Prozessdisziplin im Stammdatenmanagement und in der Zahlungsfreigabe. 

      Umsetzung von VoP in ITS von ION

      Die Einführung von VoP erfolgte nicht schrittweise, sondern unter erheblichem Zeitdruck. Banken mussten bis Oktober 2025 in der Lage sein, VoP marktweit anzubieten. Für Banken, Unternehmen und TMS-Anbieter blieb nur ein begrenztes Zeitfenster, um technische Schnittstellen, interne Prozesse und organisatorische Zuständigkeiten anzupassen.

      ION Treasury reagierte frühzeitig auf die regulatorischen Anforderungen und integrierte VoP rechtzeitig in seine Treasury Management Lösung ITS. Im Rahmen mehrerer Projekte unterstützt KPMG Deutschland ION-Kunden bei der Implementierung von VoP. Während KPMG insbesondere die Beschleunigung der Umsetzung sowie die Operationalisierung von VoP über mehrere Kunden hinweg begleitet, verbleibt die Verantwortung für Produktfunktionalität und regulatorische Konformität vollständig bei ION, siehe Pressemitteilung: ION brings mandatory EU payee verification live at scale.

      In den bislang von KPMG Deutschland begleiteten VoP‑Einführungen in ITS zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Zu Beginn steht ein Kick‑off, in dem regulatorische Anforderungen, Bankoptionen und Systemvoraussetzungen geklärt werden. Technisch wird VoP anschließend parallel zum laufenden Zahlungsverkehr direkt in ITS im Produktivsystem eingeführt. Dabei kommt zunächst ein aktives Opt‑Out zum Einsatz, um bestehende Zahlungsprozesse nicht unmittelbar zu unterbrechen.

      Im nächsten Schritt werden Opt‑In‑Zahlungen schrittweise für einzelne Zahlungen getestet. Diese Phase ist geprägt von enger Zusammenarbeit zwischen KPMG, ION und dem jeweiligen Unternehmen. In vielen Fällen entwickelte sich aus einer zunächst zurückhaltenden Nutzung ein reibungsloser VoP‑Prozess, der heute selbstverständlich in den operativen Zahlungsverkehr der Unternehmen integriert ist.

      Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

      Auch nach der formalen Einführung ist VoP keineswegs abgeschlossen. Viele Unternehmen differenzieren heute bewusst zwischen Opt‑In‑ und Opt‑Out‑Szenarien und bauen die Nutzung schrittweise aus. Gleichzeitig entstehen neue Funktionalitäten. Dazu gehört etwa die automatisierte Bestätigung von Zahlungsdateien bei Full‑Match‑Ergebnissen nach erfolgreicher VoP‑Prüfung.

      Aus der Praxis berichten Anwender von einer deutlich gestiegenen Sensibilität für die Qualität von Stammdaten sowie für Zahlungsrisiken. Fehler werden früher erkannt und Prozesse transparenter gestaltet. Perspektivisch zeichnet sich zudem ab, dass die Opt‑In‑Nutzung schrittweise auch auf Batch‑Zahlungen ausgeweitet wird, sobald die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen sind.

      Fazit

      Die Einführung von Verification of Payee zeigt deutlich, dass regulatorische Neuerungen im Zahlungsverkehr selten nur technische Anpassungen sind. VoP verändert Entscheidungslogiken, Verantwortlichkeiten und Risikobewusstsein im Unternehmen. Der tatsächliche Mehrwert entsteht nicht mit dem ersten erfolgreichen Prüfaufruf, sondern im laufenden Betrieb, durch klare Prozesse, saubere Stammdaten und eine bewusste Nutzung der neuen Prüfmechanismen.

      Für viele Organisationen ist VoP damit weniger ein abgeschlossenes Projekt als vielmehr der Startpunkt für einen nachhaltig sichereren Zahlungsverkehr.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 165, Mai 2026

      Autoren:

      • Nils Bothe, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Tobias Riehle, Manager, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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