Zurück zur Inhaltsseite

      Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen steigt, und die etablierten europäischen Automobilunternehmen haben in diesem Segment vor allem gegenüber asiatischen Herstellern bislang das Nachsehen. Ein Grund: Bei der Herstellung von Akkumulatoren (Akkus), die die eigentliche Schlüsseltechnologie beim Antrieb von E-Autos sind, besteht in Bezug auf Know-how und Innovation dringender Nachholbedarf bei europäischen und deutschen Herstellern. 

      Aktuell stammt ein Großteil der für Elektroauto-Akkus verwendeten Batteriezellen aus Asien. Europäische Versuche, hier ein Gegengewicht zu bilden, haben in den vergangenen Jahren zugenommen, waren jedoch bislang nicht von großem Erfolg gekrönt. Durch die Insolvenzanmeldungen von diversen EU-Batterieherstellern haben hiesige Bemühungen um Marktanteile zuletzt herbe Dämpfer erlitten.

      Steigender Rohstoffbedarf durch E-Auto-Produktion

      Selbst wenn der Technologie- und Produktionsvorsprung Asiens von europäischen Herstellern und Zulieferern aufgeholt werden kann, bleibt ein Grundproblem bestehen: die Schwierigkeit der Beschaffung von Rohstoffen für die Batterieproduktion. Der Bedarf an Rohstoffen steigt durch die Produktionsverschiebungen in Richtung Battery Electric Vehicle (BEV) und Plug-in hybrid electric vehicle (PHEV) sowie immer größere Akkukapazitäten signifikant an (siehe Abbildung 1). Aufgrund der mangelnden Rohstoffquellen im europäischen Inland muss ein großer Teil der benötigen Minerale importiert werden.  

      Abbildung 1 - Quelle: Statista, 2026


      Risiken bei Rohstoffbeschaffung nehmen zu

      Die Beschaffung dieser Rohstoffe wird durch geopolitische Spannungen zu einem signifikanten Risikofaktor. Durch aktuelle politische Entwicklungen und weltweit protektionistische Tendenzen hat sich dieser Faktor zuletzt erheblich vergrößert. Die starke Fragmentierung der Rohstoffquellen stellt einen weiteren Grund für steigende Komplexität und steigende Risiken in der Beschaffung dar (siehe Abbildung 2). 

      Unternehmen sollten deshalb sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig Maßnahmen zur Risikomitigation ergreifen, die sich in drei Kategorien zusammenfassen lassen:


      Abbildung 2 - Quelle: NOW, 2023

      Maßnahmen zur Risikomitigation

      Neuausrichtung der strategischen Rohstoffbeschaffung

      Eine wichtige Säule zum Absichern der Produktion stellt eine Neuausrichtung der strategischen Rohstoffbeschaffung dar.

      • Durch ein gezieltes Diversifizieren der Lieferantenbasis können Abhängigkeiten verkleinert und das eigene Netzwerk gestärkt werden. 
      • Zudem ist es ratsam, Verträge eher langfristig anzulegen, um Preisvolatilitäten zu vermeiden und die Versorgungsstabilität zu unterstützen. 
      • Partnerschaften und Allianzen sind ebenfalls ein probates Mittel, um die eigene Position zu stärken. 
      • Moderne Technologien wie künstliche Intelligenz können eingesetzt werden, um beispielsweise die Genauigkeit von Bedarfsprognosen oder das Tracking von Ausfallrisiken zu verbessern. 
      Grundlagenforschung: Entwicklung alternativer Batteriekonzepte

      Forschung und Entwicklung bei der Batterietechnologie sind essenziell für nachhaltigen Erfolg der Hersteller. Es ist wichtig, die Entwicklung von Batteriezellen in die eigene Hand zu nehmen, wie das erste Autohersteller bereits tun.

      Ein weiterer wichtiger Aspekt, auf den mehr Wert gelegt werden sollte, ist die Grundlagenforschung an alternativen Batteriekonzepten, die lokal verfügbare Rohstoffe stärker berücksichtigen. Ein gutes Beispiel ist hier die Feststoffbatterie. Aber auch allein schon die Substitution mit Alternativmaterialien, die in Europa besser verfügbar sind, könnte mittelfristig helfen, den Schwierigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung entgegenzuwirken. Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien oder auch Natrium-Ionen-Batterien sind gute Ansätze, die bei der Leistungsfähigkeit aktuell zwar noch nicht mit den konventionellen Lithium-Ionen-Batterien konkurrieren können, dessen Entwicklung aber gerade deshalb weiterverfolgt werden sollte.

      Eine vollständige Unabhängigkeit bei verwendeten Rohstoffen wird vermutlich nie erreicht werden können, aber die Abhängigkeiten könnten in Zukunft durch ein Weiterentwickeln der Batterietechnologie deutlich verringert werden.

      Mit Recycling Abhängigkeiten bei Rohstoffbeschaffung reduzieren

      Einen langfristigen Weg aus der Abhängigkeit bei der Rohstoffbeschaffung stellen das Einführen einer Kreislaufwirtschaft und die Erhöhung der Recyclingquoten dar. Mit der Batterieverordnung hat die EU-Kommission bereits 2023 die Verpflichtung zu Kreislaufwirtschaft und Recycling festgelegt. Die Verordnung schreibt vor, dass neu produzierte BEV-Batterien eine vorgegebene Mindestquote an recycelten Materialen wie Kobalt, Nickel und Lithium enthalten müssen (siehe Abbildung 3). Die prozentualen Anteile werden bis 2036 kontinuierlich angehoben. Bereits seit 2025 muss der CO₂-Fußabdruck von Batterien angegeben werden.

      Abbildung 3 - Quelle: EU-Verordnung 2023/1542 des europäischen Parlaments und des Rates, 2023


      Anwendungsbeispiel: Das zweite Leben eines Akkus


      Ein Lithium-Ionen-Akku hat nach etwa 1.000 Ladezyklen das Ende seiner primären Lebenszeit erreicht. Mit einer noch vorhandenen Restkapazität von 70 Prozent kann er in sogenannten Second-Life-Anwendungen als stationärer Energiespeicher genutzt und seine Lebensdauer so deutlich erhöht werden. Ein anschließendes Recycling der Rohstoffe ermöglicht Kosteneinsparungen und mehr Unabhängigkeit von Rohstoffimporten. 

      Batterie-Recycling als zentraler Baustein für eine europäische Kreislaufwirtschaft

      Führende Forschungsinstitute benennen lokales Recycling von Batterien und ein Rückführen der Rohstoffe in den Produktionsprozess als zentrale Bausteine für eine europäische Kreislaufwirtschaft – und sie bescheinigen dem deutschen und europäischen Anlagenbau eine gute Ausgangsposition, um neue und effiziente Recyclingverfahren auf den Markt zu bringen. Ein steigender Anteil an Rezyklaten bietet Unternehmen die Chance, sich einen langfristigen Kostenvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erarbeiten sowie Abhängigkeiten in der Beschaffung und damit einhergehende Risiken zu reduzieren.

      Procurement

      Wir helfen Ihnen beim Aufbau effizienter Einkaufsorganisationen und der Realisierung nachhaltiger Einsparungen

      Logistikzentrum aus der Luft

      Ihre Ansprechpersonen