Um die Wettbewerbsfähigkeit und Energieversorgungssicherheit in Deutschland langfristig zu sichern, ist die nachhaltige Transformation der deutschen Wirtschaft essenziell. Dazu gehört der Ausbau der Offshore-Windenergie. Die Bundesregierung treibt dieses Vorhaben gezielt voran.
Denn aktuell liegt die installierte Offshore-Wind-Leistung in Deutschland bei nur gut neun Gigawatt (GW). Das soll deutlich gesteigert werden, und zwar bis 2030 auf mindestens 30 GW installierter Leistung, bis 2035 auf 40 GW und bis 2045 auf 70 GW.
Hierfür definiert die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) Richtlinien, um die Offshore-Windenergie als Schlüsseltechnologie für die Energiewende in den Fokus zu rücken. Dazu gehören folgende Maßnahmen:
- Voruntersuchte Flächen erhalten ein verkürztes Genehmigungsverfahren: Der Staat übernimmt bereits im Vorfeld wichtige Prüfungen (z. B. Umwelt, Windverhältnisse), sodass Projektierer schneller mit dem Bau beginnen können.
- Verfahrensdauern werden zeitlich begrenzt: Behörden müssen Genehmigungen und Prüfungen innerhalb fester Fristen abschließen, um Verzögerungen zu vermeiden.
- Umwelt- und Beteiligungsverfahren werden gebündelt: Umweltprüfungen und Beteiligungen von Öffentlichkeit und Verbänden laufen künftig gleichzeitig, was Zeit spart und Prozesse effizienter macht.
Zuständigkeiten liegen zentral beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Das BMWK übernimmt die Hauptverantwortung, damit Entscheidungen nicht mehr zwischen mehreren Ministerien aufgeteilt sind. - Netzanschlüsse können früher vergeben werden: Der Anschluss ans Stromnetz kann schon in einer frühen Projektphase zugesagt und geplant werden, um Engpässe und Verzögerungen zu vermeiden.
Außerdem sind Repowering-Maßnahmen für bestehende Anlagen geplant. Das heißt, veraltete Technologien werden durch leistungsstärkere und effizientere Systeme ersetzt, sodass bis 2040 ein signifikanter Teil der Offshore-Anlagen modernisiert sein wird.
Eine weitere Maßnahme in Richtung mehr Offshore-Windenergie: Auch kleinere Projekte ab 500 MW sind nun ausschreibungsfähig.
Was das für Unternehmen bedeutet
Der Offshore-Windmarkt in Deutschland bietet in den kommenden Jahren erhebliche Wachstums- und Investitionschancen für Unternehmen. Die Kombination aus ambitionierten Ausbauzielen, staatlicher Förderung und technologischen Fortschritten macht diesen Markt für inländische und ausländische Investoren gleichermaßen attraktiv.
Dies führt jedoch auch zu einem intensiveren Wettbewerb. Unternehmen, die in diesen Markt eintreten oder ihre Marktposition ausbauen möchten, sollten daher frühzeitig strategische Entscheidungen treffen. Dazu gehören vor allem folgende Maßnahmen, die unterstützen können, ganzheitliche Markteintritts- und Wachstumsstrategien zu entwickeln:
- Identifizieren Sie Marktlücken und Wachstumsfelder sowie Entwicklungsmöglichkeiten innovativer Lösungen. Setzen Sie hierfür auf fundierte Marktanalysen.
- Behalten Sie innovative Ansätze, wie beispielsweise die Integration von Wasserstofftechnologien im Blick.
- Setzen Sie auf ganzheitliches Claim Management entlang des gesamten Projektlebenszyklus, um Konflikte und Überraschungen zu vermeiden: von der Planungsphase über die Bauphase bis hin zur Betriebs- und Wartungsphase (O&M).
- Erwägen Sie gleichzeitig strategische Partnerschaften wie Joint Ventures.
- Auch Unterstützung durch externen Expert:innen kann sinnvoll sein, insbesondere bei rechtlichen Fragen und Ansprüchen, Due-Diligence-Prüfungen sowie M&A-Transaktionen.
Gut zu wissen: So hat sich der Markt seit 2009 entwickelt
Die Offshore-Windenergie in Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwei Entwicklungsphasen durchlaufen:
Die erste Phase begann mit der Einführung von Einspeisevergütungen im Jahr 2009, unterstützt durch staatliche Subventionen und technologische Innovationen. Dies legte den Grundstein für erste groß angelegte Projekte wie den Offshore-Windpark „Alpha Ventus“. Der Fokus lag auf der Erprobung neuer Technologien und der Schaffung regulatorischer Rahmenbedingungen.
Die zweite Phase startete ab 2015, geprägt durch sinkende Stromgestehungskosten und den verstärkten Fokus auf Wettbewerbsmechanismen wie Ausschreibungen. Der technologische Fortschritt sowie eine gesteigerte Marktnachfrage führten zu einer signifikanten Kostensenkung. Heute gehört Offshore-Wind zu den wirtschaftlichsten Quellen erneuerbarer Energien.
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Ihre Ansprechperson
Gernot Bürger
Partner, Performance & Strategy, Enterprise Performance
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft