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      Schon seit einiger Zeit ist die Inflation zurück im Zentrum wirtschaftlicher Diskussionen – und sie bleibt nicht abstrakt. Für Unternehmen wie für Investoren wirkt sie sich direkt auf Kostenstrukturen, Renditen und Planungen aus. Umso wichtiger ist es, die Ursachen und Wirkmechanismen zu verstehen – und frühzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dieser Beitrag bietet einen kompakten Überblick über die zentralen Treiber der Inflation, ihre Auswirkungen auf das operative Geschäft und die Unternehmensfinanzen sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten des Treasury für ein wirksames Inflationsmanagement.

      Was treibt die Inflation an? – Ein Blick auf die Ursachen

      Ein zentraler Treiber ist die Kosteninflation, ausgelöst durch steigende Rohstoff- und Energiepreise. Diese verteuern die gesamte Produktions- und Lieferkette – und damit letztlich die Endpreise für Konsumenten. Die Unternehmen der Wertschöpfungskette geben die gestiegenen Kosten in der Regel weiter, was zu einem breiten Preisauftrieb führt.

      Auch staatliche Ausgaben und die Geldpolitik können Inflationsdruck erzeugen. Große Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung oder Klimaschutz sind langfristig notwendig, führen jedoch kurzfristig zu steigender Staatsverschuldung. Wenn diese Ausgaben nicht durch Einnahmen gedeckt werden, kann dies – insbesondere in Kombination mit lockerer Geldpolitik – zu einem Anstieg des Preisniveaus führen.

      Darüber hinaus wirken sich Zölle und Handelsbarrieren zunehmend als Preistreiber aus. Höhere Importkosten, geringerer Wettbewerb und geopolitische Unsicherheiten führen zu einer zusätzlichen Belastung für Märkte und Konsumenten – und verstärken die Inflationsdynamik weiter.

      Inflation im Unternehmensalltag

      Die Folgen von Inflation sind vielfältig – besonders im operativen Geschäft. Steigende Input-Preise erhöhen Produktionskosten, während notwendige Preisanpassungen oft verzögert erfolgen. Diese Zeitverzögerung zwischen steigenden Kosten und Reaktionen am Markt – der sogenannte „Timelag“ – schmälert die Margen und wirkt sich direkt auf das Ergebnis aus.

      Ein weiterer Faktor sind Verträge mit inflationsbasierter Preisanpassung, wie sie in vielen Bereichen vom Rohstoffeinkauf bis zum IT-Support üblich sind.

      Auch im Bereich der Finanzen ist Inflation ein entscheidender Faktor. Steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten, während sich gleichzeitig die Bewertung von Kapitalanlagen verändert. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen nominalen und realen Erträgen – also dem, was nach Abzug der Inflation tatsächlich an Kaufkraft bleibt.

      Interessanterweise können nicht-finanzielle Vermögenswerte von Inflation profitieren. Immobilien, Infrastrukturprojekte oder bestimmte Rohstoffe gelten als stabile Sachwerte, die ihren realen Wert auch bei steigender Inflation erhalten oder sogar ausbauen können – ein Potenzial, das strategisch genutzt werden kann.

      Wie kann man sich schützen?

      Es gibt verschiedene Wege, um sich gezielt gegen Inflationsrisiken abzusichern. Ein klassischer Ansatz ist die Investition in Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle. Ergänzend bieten inflationsgeschützte Anleihen, wie index-linked Bonds oder inflationsindexierte Bundeswertpapiere, eine direkte Möglichkeit, den Wert des Kapitals gegen Preissteigerungen zu schützen.

      Ein zweiter Hebel ist die internationale Diversifikation: Durch eine breite Streuung der Kapitalanlagen über verschiedene Länder und Regionen lassen sich länderspezifische Inflationsrisiken abfedern. Dabei sind jedoch mögliche Wechselkursrisiken (FX-Risiken) zu beachten und aktiv zu steuern.

      Für größere Unternehmen und institutionelle Anleger bieten sich darüber hinaus spezialisierte Finanzinstrumente wie Inflationsderivate an. Mit Inflationsswaps und ähnlichen Produkten können konkrete Inflationsrisiken gezielt gemanagt und in marktgerechte Lösungen überführt werden. Der Einsatz kann dabei sowohl auf strategischer Ebene zum Beispiel für eine gruppenweite Position erfolgen, kann aber auch gezielt für ausgewählte Projekte angewendet werden, um deren realen Wertbeitrag zu schützen.

      Da Inflationsderivate noch nicht zum Standardwerkzeug der Treasurer gehören, ist in der Regel ein interner Neuproduktprozess notwendig, um beteiligte Prozesse und Systeme vorzubereiten und eine sachkundige Anwendung sicherzustellen.

      Strategisches Risikomanagement – Inflation und Zinsen gemeinsam denken

      Ein zukunftsorientiertes Risikomanagement muss die Frage beantworten, ob Inflationsrisiken separat behandelt oder in ein ganzheitliches Zinsrisikomanagement eingebunden werden sollten. Während Zinsrisikomanagement auf stabile Finanzierungskosten abzielt, verfolgt das Inflationsmanagement das Ziel des realen Kapitalerhalts.

      Beide Perspektiven sind wichtig – und sie ergänzen sich. Dabei dürfen Liquiditätsaspekte und der Anlagehorizont nicht außer Acht gelassen werden. Wer heute investiert, muss auch morgen liquide bleiben – und gleichzeitig darauf achten, dass Anlagen langfristig inflationssicher aufgestellt sind.

      Nächste Schritte – Vom Wissen zur Umsetzung

      Ein wirksames Inflationsmanagement beginnt mit der Schaffung von Transparenz. Unternehmen sollten die bisherige Preisentwicklung analysieren und realistische Inflationserwartungen in ihre strategischen Planungen integrieren.

      Darauf aufbauend empfiehlt sich die Verknüpfung mit der Unternehmensdisposition. Inflationsszenarien sollten in Investitionsentscheidungen, Finanzierungen und Preisgestaltungen einfließen.

      Gleichzeitig kann das bestehende Zinsrisikomanagement um Inflationsaspekte erweitert werden. Ein erster Schritt kann hier die Ergänzung einer inflationsbereinigten Betrachtung neben der klassischen nominalen Sicht sein. In weiteren Ausbaustufen können dann Finanzierungsstrukturen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls an das geänderte Inflationsumfeld angepasst werden. In Zeiten steigender Preise kann es beispielsweise sinnvoll sein, Investitionen vorzuziehen, um steigende Kosten zu vermeiden.

      Nicht zuletzt lohnt es sich auf der Investitionsseite alternative Anlageformen zu evaluieren. Eine langfristige Asset-Management-Strategie, die Sachwerte, inflationsgeschützte Wertpapiere und breite Diversifikation berücksichtigt, bietet eine stabile Basis für nachhaltigen Inflationsschutz.

      Inflation bleibt uns erhalten

      Inflation ist kein vorübergehender Störfaktor, sondern wird uns in einer Epoche tendenzieller Deglobalisierung mit Marktbarrieren wie Zollkonflikten und politischen Spannungen längerfristig erhalten bleiben. Sie ist damit einerseits ein ernstzunehmendes Risiko, aber auch eine strategische Möglichkeit für das Treasury zum Unternehmenswert beizutragen.

      Ein aktives Inflationsmanagement im Treasury schützt Liquidität, reduziert Zins‑ und Ertragsrisiken, unterstützt Pricing‑ und Finanzierungsentscheidungen und trägt so wesentlich zur Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 163, März 2026

      Autoren:

      • Nils Bothe, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Dirk Bondzio, Senior Manager, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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