Die Einführung automatisierter Prozesse im Credit Management ist dabei kein „Big Bang“-Projekt, sondern vielmehr eine stufenweise Optimierung. Veränderte Prozesse müssen sich erst in einer Organisation entlang der gesamthaft standardisierten Prozesskette und Abhängigkeiten etablieren, um darauf aufbauend den nächsten Schritt zu gehen. Viele Unternehmen, die erfolgreich automatisieren, starten mit drei klar definierten Vorbereitungen, durch die eine Grundlage für Automatisierungspotenziale geschaffen wird, bevor sie ihre Transformation sukzessive fortsetzen. Die folgenden Ansätze haben sich dabei bewährt. Die Priorität des jeweiligen Ansatzes orientiert sich dabei individuell am aktuellen Reifegrad des hauseigenen Credit Managements.
1. Datenharmonisierung – Saubere Daten als Fundament für automatisiertes Credit Management
Ohne saubere Daten ist keine sinnvolle Auswertung und damit auch keine effektive Automatisierung möglich. Das gilt für alle auf Daten basierenden Entscheidungsprozesse, so auch für das Credit Management. Ein zentraler Quick Win besteht darin, die relevanten Datenquellen zu harmonisieren, darunter insbesondere:
- Kundendaten: Einheitliche Stammdaten, konsolidierte Business Partner-Strukturen
- Exposure-Daten: Klare Definition offener Forderungen, Zahlungsziele, Fälligkeiten
- Zahlungseingänge: Ausziffern offener Posten mit Zahlungseingängen
Initial bieten Auskunfteien hierzu Dienstleistungen, die dabei helfen, Duplikate oder inkorrekte Kundendatensätze zu identifizieren. Für das laufende, operative Geschäft braucht es einen Governance Ansatz, um die Neuerstellung fehlerhafter oder redundanter Datensätze zu vermeiden.
2. Prozessharmonisierung – Einheitliche Abläufe schaffen
Sind die Daten konsistent, folgt die Harmonisierung der Prozesse. Ziel ist es, eine funktionale Guideline für das Credit Management zu definieren – also klare Verantwortlichkeiten, Eskalationsstufen, Entscheidungslogiken und verwendete Tools oder Systeme. Klarheit über Credit Management Prozesse und Verantwortungen zu haben, bildet die Basis, um diese Prozesse zu optimieren und konsolidieren.
3. Systemunterstützung – Die Automatisierungsgrundlage
Automatisierung braucht eine zukunftsfähige Plattform. Viele Unternehmen arbeiten noch mit fragmentierten und unintegrierten Lösungen (beispielsweise MS Excel) oder veralteten ERP-Systemen, die keine durchgängige Prozesslogik ermöglichen. Eine entscheidende Optimierung besteht daher darin, eine zentrale Credit Management Plattform zu etablieren. Hier gibt es unterschiedlichste Lösungsanbieter, wie etwa SAP Receivables Management, Professor Schumann oder HighRadius.
Systeme bieten nicht nur die technische Grundlage für Automatisierung, sie helfen auch dabei, den Überblick über Stamm- und Bewegungsdaten zu behalten und interne wie externe Schnittstellen zu etablieren.