Garantien und Akkreditive gehören im Zuge der Außenhandels- bzw. Exportfinanzierung (Trade Finance) für viele Unternehmen zum Tagesgeschäft. Doch wie zahlreiche andere Bereiche des Treasury befindet sich auch dieser im Wandel durch Digitalisierung – sei es die Einführung von Garantie- und Akkreditivverwaltungssystemen bis hin zur Prozessautomatisierung.
Ein bisher allerdings kaum beachteter Faktor stellt die Environmental, Social and Governance (kurz ESG) -Komponente dar. Banken sind im Zuge der Kreditvergabe mittlerweile bereits angehalten, gemäß den ESG-Kriterien zu agieren, beispielsweise durch die Vergabe von Sustainability-Linked Loans, bei denen die Verzinsung von Nachhaltigkeitskomponenten des Unternehmens abhängig ist. Im Bereich der Handelsfinanzierung ist das bisher noch nicht konsequent der Fall. Aufgrund der erwarteten zunehmenden Bedeutung von ESG kann und sollte der ein oder andere Gedanke in diese Richtung allerdings nicht ausgeschlossen werden, da Banken bereits heute bei der Vergabe von Garantien und Akkreditiven ESG-Kriterien miteinbeziehen. Dadurch ist es für Unternehmen mit offensichtlichen nicht-ESG-konformen Produkten, wie beispielsweise im Braunkohleabbau eingesetzte Maschinen, deutlich herausfordernder, eine Handelsfinanzierung (Garantie, Akkreditiv, etc.) zu erhalten.
Auch wenn ESG im Trade Finance Bereich noch nicht verpflichtend umgesetzt ist, möchten wir nachfolgend einige mögliche Ausgestaltungsformen und die damit verbundenen Chancen sowie auch Herausforderungen aufzeigen.
Der erste Blick richtet sich auf die möglichen Bestandteile von ESG-Kriterien im Trade Finance Umfeld, wobei eine Umsetzung sowohl einzelner Bereiche wie auch eine Kombination aus verschiedenen Bereichen denkbar erscheinen.