Strategische Notwendigkeit einer Transformation

Im heutigen volatilen Geschäftsumfeld ist die digitale Transformation eine Frage des Überlebens, nicht mehr länger nur ein Wettbewerbsvorteil. Es genügt längst nicht mehr, einfach immer mehr neue Technologien einzusetzen. 

Echte Unternehmenstransformation bedeutet, Geschäftsmodelle, Betriebsabläufe und End-to-End-Prozesse neu zu durchdenken und zu gestalten. Das Ziel ist klar: Technologie muss zum Motor für strategisches Wachstum werden, nicht nur zum unterstützenden Werkzeug. 

Stefan Wälti

Partner, Leiter Assurance Technology

KPMG Switzerland

François El Assad

Partner, Assurance Technology

KPMG Switzerland

Technologiegestütztes Wachstum für ein zukunftsfähiges Unternehmen vorantreiben

ERP-Transformationen als risikoreiche aber wirkungsstarke Initiativen

 

ERP-Transformationen ersetzen oder modernisieren die Kernsysteme. Dazu gehören Finanzwesen, Lieferketten, Personalwesen, Beschaffung und andere zentrale Geschäftsprozesse. Weil diese Systeme für den Betrieb entscheidend sind, zählen ERP-Implementierungsprojekte zu den komplexesten, kostenintensivsten und risikoreichsten Transformationsinitiativen.

Solche Projekte erfordern mehr als eine neue Technologie. Oft ist es nötig, die Arbeitsweise des Unternehmens grundlegend zu überdenken. Aus Audit-Perspektive führen ERP-Transformationen zu wiederkehrenden Feststellungen, die Verwaltungsräte und Prüfungsausschüsse verstehen müssen. Diese Feststellungen spiegeln die umfassenderen Herausforderungen der digitalen Transformation wider – von ERP-Risiken und Change-Management über Kostentransparenz bis hin zur Governance.

Warum Audits bei Transformationsprogrammen wichtig sind

 

Prüfungen von Transformationsprogrammen gehen weit über Daten- und Kontrollvalidierungen hinaus. Sie liefern wichtige Erkenntnisse darüber, was über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. 

Quer durch alle Branchen treten bestimmte Muster wiederholt auf. Diese Muster entscheiden oft darüber, ob ein Unternehmen seine strategischen Ziele erreicht oder verfehlt. Ein Bereich, in dem diese Erkenntnisse besonders deutlich sichtbar werden, sind ERP-Transformationen (Enterprise Resource Planning)

Vier zentrale Grundsätze für eine nachhaltige Wirkung

Unternehmen, die diese Grundsätze anwenden, sind resilienter, anpassungsfähiger und wettbewerbsfähiger. Für Verwaltungsräte und Prüfungsausschüsse ist die Verankerung dieser Voraussetzungen in ERP-Transformationsstrategien unabdingbar für langfristige Ergebnisse.

  • Nutzung von KI und Automatisierung

    Die direkte Integration intelligenter Automatisierungen in operative Prozesse steigert die Geschwindigkeit sowie die betriebliche Effizienz. Gleichzeitig werden Teams von repetitiven Aufgaben entlastet und können sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren.

  • Verbesserte Agilität durch
    Cloud-ERP

    Cloud-Plattformen – insbesondere SaaS-Modelle – bieten skalierbare Infrastrukturen, robuste Sicherheit und kontinuierliche Innovationen. Solche Lösungen reduzieren den Wartungsaufwand für On-Premise-Systeme und schaffen die Flexibilität, die in dynamischen Märkten erforderlich ist.

  • Stärkung der Akzeptanz von Veränderungen

    Die Aufnahmefähigkeit eines Unternehmens für Veränderungen hängt von der Gestaltung des Transformationsprozesses ab. Grosse Schritte lassen sich in überschaubare Phasen unterteilen, wobei ein angepasster Change-Management-Ansatz die Akzeptanz fördert.

  • Reduzierung der Komplexität

    Systemarchitekturen lassen sich vereinfachen, indem Redundanzen beseitigt und End-to-End-Prozesse in einem ERP standardisiert werden. Eine schlankere Architektur erhöht die Agilität und senkt langfristige Wartungskosten.

Was können Verwaltungsräte aus vergangenen Transformations-Audits lernen?

Ein häufiger Grund für Stolpersteine bei Transformationen ist die Annahme, dass die Transformation rein technischer Natur ist. Eine Transformation geht weit über Systemkonfigurationen hinaus und erfordert eine Abstimmung von organisatorischen, prozessualen und personellen Themenfeldern, ausgerichtet an geschäftlichen Anforderungen.

  • Nutzerakzeptanz:

    Ohne angemessene Schulung und Kommunikation fällt es Mitarbeitenden schwer, sich an neue Arbeitsweisen anzupassen. Dies führt zu niedrigen Akzeptanzraten und wachsendem Widerstand.

  • Klare Betriebsmodelle:

    Fehlende Verantwortlichkeiten, Workflows und Governance-Strukturen nach dem Go-live schaffen oft Verwirrung und Ineffizienzen.

  • Unvollendete Aufgaben:

    Unvollständiges Prozessdesign, offene Pendenzen aus der Datenmigration oder fehlende Dokumentation beim Start erhöhen Nacharbeiten, treiben Kosten in die Höhe und untergraben das Vertrauen in das neue System.

  • Zentrale Erkenntnis:

    Behandeln Sie den Go-live als geschäftlichen Meilenstein, nicht als IT-Meilenstein. Das Unternehmen muss darauf vorbereitet sein, ab dem ersten Tag effektiv zu arbeiten.


Wie können Verwaltungsräte Transformationshürden früh erkennen?

Um Transformationen effektiv zu steuern, müssen Verwaltungsräte und Prüfungsausschüsse zur richtigen Zeit die richtigen Fragen stellen. Das frühzeitige Erkennen von Risiken hilft, kostspielige Verzögerungen und Fehlschläge zu vermeiden. Hier einige typische Fallstricke, auf die Sie achten sollten:

Mangel an Dringlichkeit und Konsequenz

Viele Programme starten gut, verlieren aber an Schwung. Dies geschieht, wenn:

  • Der Business Case unklar ist oder vom Management nicht vollständig unterstützt wird
  • Konkurrierende Prioritäten sowohl den Fokus als auch Ressourcen verwässern
  • Programm- und Qualitätskennzahlen uneinheitlich nachverfolgt werde

Zentrale Erkenntnis:

Behandeln Sie jede Transformation wie einen Marathon mit mehreren Sprints. Nutzen Sie Audits und Qualitätssicherungs­prüfungen als Gelegenheit, Teams neu auszurichten und zu motivieren.


Übermässiger Optimismus und ignorierte Risiken

Audits zeigen, dass frühe Warnzeichen oft heruntergespielt oder ignoriert werden. Dazu gehören:

  • Herausforderungen bei der Datenmigration
  • Unterschätzte Kosten und mangelnde Kostentransparenz
  • Unberücksichtigte Abhängigkeiten von anderen Systemen und Prozessen

Zentrale Erkenntnis:

Fördern Sie unmiss­verständliche Ehrlichkeit in Steuerungs­ausschüssen. Überprüfen Sie Risiken nicht nur in Krisensituationen, sondern regelmässig und diszipliniert.


Mangel an Schulung und Bewusstsein

Wenn Mitarbeitende das «Warum» einer Transformation nicht verstehen, sinkt die Akzeptanz. Dies führt zu:

  • einem Rückgang der Kapitalrendite (ROI), weil neue Prozesse nicht wie vorgesehen genutzt werden
  • Workarounds und einer Schatten-IT, was Risiken für die Datenintegrität mit sich bringt
  • Sinkender Arbeitsmoral, während Unsicherheiten und Widerstand zunehmen

Zentrale Erkenntnis:

Verwaltungsräte sollten sicherstellen, dass ein klarer Change-Management- und Schulungsplan vorliegt. Transformation gelingt nur, wenn Mitarbeitende ihre Arbeitsweise ändern.


Cloud und KI: Strategische Überlegungen

Audits von Cloud- und KI-Initiativen zeigen, dass Unternehmen kulturelle und Governance-Herausforderungen bei der Einführung fortschrittlicher Technologien oft unterschätzen.

  • Cloud-Kostenoptimierung: eine Frage der Kultur, nicht nur der Technologie

    Kostenmanagement-Tools allein reduzieren Ausgaben nicht. Erfolg erfordert:

    • Transparenz der Kosten über Teams hinweg
    • Auf Effizienzziele ausgerichtete Anreize
    • Engagement und Aufsicht durch die Führungsebene


    Zentrale Erkenntnis:

    Stellen Sie sicher, dass die finanzielle Governance der Cloud in der Unternehmenskultur verankert ist. Sie kann nicht allein durch die IT oder die Finanzabteilung verwaltet werden.

  • KI erhöht die Cloud-nutzung und den Budgetdruck

    KI-Workloads können aus folgenden Gründen die prognostizierte Cloud-Nutzung überschreiten:

    • Nutzungsbasierte Preisgestaltung der Anbieter
    • Rasche Einführung unausgereifter Tools
    • Schatten-KI – Teams, die Agenten oder Plattformen ohne Aufsicht einsetzen


    Zentrale Erkenntnis:

    Erstellen Sie ein zentralisiertes KI-Governance- Rahmenwerk. Dies hilft bei der Steuerung finanzieller Risiken und gewährleistet eine einheitliche, unternehmensweite KI-Strategie.

  • «Cloud First» ist keine Strategie – Ergebnisse sind es

    Vielen Cloud-Programmen fehlt ein solider Business Case. Zu den typischen Fallstricken gehören:

    • Projekte ohne klare Problemstellung
    • Technologiemigrationen, die weder die Nutzererfahrung verbessern noch Kosten senken


    Zentrale Erkenntnis:

    Definieren Sie zuerst die gewünschten geschäftlichen Ergebnisse. Jede Cloud- oder KI-Initiative muss ein klares «Warum» und messbare Vorteile haben – andernfalls erhöht sie nur die Komplexität ohne einen Mehrwert zu schaffen.

Bereitschafts-Checkliste für Verwaltungsräte und Prüfungsausschüsse

Eine gut geführte Transformation beginnt damit, die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen. Diese Checkliste hilft Verwaltungsräten und Prüfungsausschüssen zu beurteilen, ob das Unternehmen wirklich auf eine grössere Transformationsinitiative vorbereitet ist:

Verantwortung und Bereitschaft

  • Führt das Business die Initiative? 

Transformation muss von der Geschäftsleitung getrieben werden, wobei IT eine unterstützende Rolle einnimmt.

  • Sind Nutzer und Kunden bereit?

Stellen Sie sicher, dass Endnutzer geschult wurden und Kunden auf die sie betreffenden Änderungen vorbereitet sind. Berücksichtigen Sie auch, wie sich Rollen und Verantwortlichkeiten nach der Implementierung.

Strategische Ausrichtung

  • Welches Problem lösen wir? 

Stellen Sie sicher, dass die Transformation eine klar definierte geschäftliche Herausforderung oder Chance im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell angeht.

  • Wie wird Erfolg definiert?

Einigen Sie sich auf messbare Ergebnisse und Meilensteine, die direkt mit strategischen Zielen und Entscheidungsprozessen verknüpft sind.

Governance und Risiko

  • Werden Risiken aktiv nachverfolgt und neu bewertet? 

Dazu gehören operative, finanzielle und strategische Transformationsrisiken.

  • Wie werden Cloud- und KI-Ausgaben verwaltet?

Richten Sie klare Prognose-, Budgetierungs- und Governance-Mechanismen für neue Technologien ein. Achten Sie auf die zunehmende Cloud-Nutzung durch KI und deren Auswirkungen auf die Datenqualität und -integrität.

External Audits

  • Wurden unabhängige Qualitätssicherungsprüfungen durchgeführt?

Externe Bewertungen können objektive Erkenntnisse liefern.

  • Sind regelmässige Audits vorgesehen?

Regelmässige Überprüfungen helfen, blinde Flecken zu identifizieren, Fortschritte zu validieren und kontinuierliche Verbesserung während des gesamten Transformationsprozesses zu unterstützen.
 

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