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      Autonome KI-Exploits verändern die Spielregeln der IT-Sicherheit grundlegend. Vorstand, Geschäftsführung und Cybersecurity-Verantwortliche (CISOs) stehen vor der Aufgabe, den Speed-Gap zwischen umfassender Automatisierung, robustem Risk Management und garantierter Reaktionsfähigkeit nachhaltig zu schließen.

      Das KI-Modell „Claude Mythos“ von Anthropic zeigt: Künstliche Intelligenz kann Schwachstellen autonom und mit Maschinengeschwindigkeit identifizieren und ausnutzen. Dadurch verkürzt sich das für Unternehmen gewohnte Reaktionsfenster erheblich. Statt kurzfristigem Aktionismus ist eine ganzheitliche, strategische Neuausrichtung erforderlich – von der Automatisierung interner Abläufe über durchgängige DevSecOps-Pipelines bis hin zu einer beschleunigten Incident Response.

      Die Fakten zur aktuellen Entwicklung

      Die aktuellen Entwicklungen, die durch das KI-Modell Mythos sichtbar geworden sind, markieren einen Wendepunkt in der Bedrohungslandschaft. In internen Tests generierte das Modell 181 funktionierende Exploits und kompromittierte selbst vollständig gepatchte Zielsysteme. Für die globale Cybersecurity ergibt sich daraus eine neue Herausforderung: Künstliche Intelligenz reduziert die Kosten für komplexe Angriffe deutlich – eine vollständige Exploit-Chain kann inzwischen weniger als 2.000 US-Dollar kosten –, während sie gleichzeitig deren Ausführung stark beschleunigt.

      Diese Verkürzung der sogenannten „Time-to-Exploit“ (TTE) ist für bestehende Sicherheitsarchitekturen besonders relevant. Während im Jahr 2018 im Schnitt noch 2,3 Jahre zwischen Offenlegung einer Schwachstelle und deren aktiver Ausnutzung lagen, zeigen aktuelle Projektionen  für das Jahr 2026 einen Wert von unter 20 Stunden. Jeder neue Sicherheitspatch kann durch KI-gestütztes Patch-Diffing nahezu in Echtzeit zur Vorlage für den nächsten Angriff werden.

      Der Speed-Gap: Traditionelle Patch-Zyklen reichen nicht mehr aus

      Für unternehmensweite Cyberprogramme entsteht dadurch ein kritischer Risikofaktor: der Speed-Gap, also die wachsende zeitliche Lücke zwischen der Angriffsgeschwindigkeit und der Reaktionsfähigkeit der eigenen Verteidigung (SecOps, DFIR). Erfolgen Angriffe in Maschinengeschwindigkeit, werden Schwachstellen – v. a. sogenannte N-Day-Vulnerabilities – ausgenutzt, oft bevor klassische, intervallbasierte IT-Prozesse eine Reaktion ermöglichen. Die bisherige Standard-Patch-Strategie als primäre Verteidigungslinie verliert damit an Wirkung.

      Ganzheitliche Resilienzstrategie: Den Speed-Gap auf allen Ebenen schließen

      Die Erfahrung zeigt: Bei exponentiell steigender Angriffsgeschwindigkeit sind punktuelle Ad-hoc-Maßnahmen nicht mehr ausreichend. Im Fokus steht jetzt die robuste, strategische Positionierung für die kommenden Monate. Um die neuen Herausforderungen zu bewältigen, sollten Organisationen ihre Verteidigung in vier zentralen Handlungsfeldern stärken:

      • Erweiterung des Risk Managements

        Autonome KI-Bedrohungen sind keine reine IT-Problematik. Diese neuen, asymmetrischen Angriffsvektoren müssen systematisch im Risikomanagement erfasst, kontinuierlich bewertet und fest in die Governance-Strukturen des Unternehmens integriert werden.

      • Security by Design durch DevSecOps

        Der Aufbau robuster DevSecOps-Pipelines ist essenziell, um Schwachstellen proaktiv zu minimieren. Sowohl Eigenentwicklungen als auch Drittanbieter-Komponenten sollten bereits im Entwicklungsprozess fortlaufend und tiefgreifend auf Schwachstellen geprüft werden, bevor sie in produktive Umgebungen gelangen.

      • Automatisierung interner Prozesse

        Die manuelle Bearbeitung von Sicherheitswarnungen ist bei autonomen Angriffen zu langsam. IT- und Security-Prozesse müssen automatisiert werden, um der hohen Angriffsfrequenz standzuhalten und den Security-Teams eine adäquate Reaktionsgeschwindigkeit zu ermöglichen.

      • Garantierte Reaktionsfähigkeit (Incident Response)

        Selbst bei maximaler Automatisierung und Prävention bleibt ein Restrisiko. Die organisatorische Verankerung von definierten Notfallstrukturen – beispielsweise durch einen Incident Response Retainer – hat sich als essenzieller Baustein moderner Resilienzstrategien bewährt.


      Der durch KI-Modelle wie Mythos ausgelöste Paradigmenwechsel verdeutlicht: Isolierte Abwehrmaßnahmen reichen in der aktuellen Bedrohungslandschaft nicht mehr aus. Die Schließung des Speed-Gap gelingt nur mit einer holistischen Resilienzstrategie – von der systematischen Bewertung neuer KI-Risiken über automatisierte, kontinuierliche Code-Prüfung bis zur verzögerungsfreien Reaktionsfähigkeit im Krisenfall dank etablierter Retainer.

      Für Vorstand und Entscheidungsträger:innen bedeutet das: Operative Kontinuität, Unternehmenswerte und das Vertrauen der Stakeholder lassen sich im Zeitalter autonomer Angriffe nachhaltig nur mit struktureller Weitsicht und maschineller Geschwindigkeit sichern.


      Andreas Tomek

      Partner, Advisory / Cybersecurity, Wien

      KPMG Austria

      Robert Lamprecht

      Partner, Advisory / Cybersecurity, Wien

      KPMG Austria

      Daniel Kroiss

      Partner, Advisory / Cybersecurity, Wien

      KPMG Austria

      Stefan Prinz

      Director, Advisory / Cybersecurity, Wien

      KPMG Austria

      Bernhard Wannasek

      Senior Manager, Advisory / Cybersecurity, Wien

      KPMG Austria

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