Warum Quantensicherheit jetzt relevant ist 

Kryptografie bildet die Grundlage für Sicherheit und Vertrauen in heutigen digitalen Dienstleistungen. Quantensicherheit wird daher über alle Branchen hinweg zu einem zentralen Bestandteil von modernen Cybersecurity‑Strategien.

Auch wenn skalierbare, fehlertolerante Quantencomputer derzeit noch nicht verfügbar sind, ist ihr zukünftiger Einfluss auf die Kryptografie absehbar – und die Auswirkungen werden erheblich sein. Fraglich ist daher weniger, ob Quantencomputer asymmetrische Verschlüsselung brechen werden können, sondern vielmehr wann dies der Fall sein wird.

Angreifer könnten bereits heute verschlüsselte Daten sammeln, um sie künftig mit leistungsfähigen Quantencomputern zu entschlüsseln. Zur Bewertung dieses Risikos kann das Mosca Theorem herangezogen werden, welches das folgende aussagt: 

Die Zeitspanne, in der Daten geheim bleiben müssen (X), plus die Zeit zur Migration auf quantensichere Systeme (Y), sollte kleiner sein als die Zeit, bis Quantencomputer heutige Verschlüsselungen brechen können, dem sogenannten Q‑Day (Q).

Quantum security


Falls für Ihre Organisation gilt, dass X + Y > Q, so besteht bereits heute ein Risiko für Ihre Daten – und es ist ratsam, zeitnah Massnahmen einzuleiten.

Organisationen, die sensible Daten verarbeiten oder auf digitales Vertrauen angewiesen sind, sollten daher frühzeitig handeln, um Resilienz und Verlässlichkeit ihrer zukünftigen Geschäftsprozesse zu sichern. KPMG Schweiz unterstützt Unternehmen mit einem strukturierten Quantum‑Readiness‑Framework auf dem Weg zur Quantum Resilience.

Yves Bohren

Partner, Cyber & Digital Risk

KPMG Switzerland

Thomas Bolliger

Client Partner, Information Management & Compliance

KPMG Switzerland

Grundlagen der modernen Kryptografie

Kryptografie bildet die Basis zur Gewährleistung von Vertraulichkeit und Integrität in der digitalen Kommunikation. Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien unterscheiden:

Asymmetrische Kryptografie (oder Public-Key-Kryptografie) ist ein kryptografisches Verfahren, welches zwei unterschiedliche, aber mathematisch verknüpfte Schlüssel verwendet:

  • Einen öffentlichen Schlüssel, der öffentlich geteilt werden kann.

  • Einen privaten Schlüssel, der geheim gehalten werden muss.

Bei der Verschlüsselung wird der öffentliche Schlüssel verwendet, um Daten zu verschlüsseln, während der private Schlüssel zur Entschlüsselung dient. Bei digitalen Signaturen hingegen wird der private Schlüssel zum Signieren eingesetzt und der öffentliche Schlüssel zur Überprüfung der Signatur. 

Asymmetrische Kryptografie wird typischerweise für den Schlüsselaustausch, digitale Signaturen, Authentifizierung sowie zertifikatsbasierte Vertrauensmodelle (Public Key Infrastructure) eingesetzt.

Symmetrische Kryptografie ist ein kryptografisches Verfahren, bei dem derselbe geheime Schlüssel sowohl zur Verschlüsselung als auch zur Entschlüsselung von Daten verwendet wird. Wichtig dabei ist, dass dieser Schlüssel angemessen geschützt und, falls nötig, sicher ausgetauscht wird. Symmetrische Kryptografie eignet sich aufgrund ihrer Effizienz besonders für die Verschlüsselung grosser Datenmengen.

Symmetrische Verfahren werden daher sowohl für den Schutz von gespeicherten als auch von übertragenen Daten verwendet, sofern zuvor ein sicherer Schlüssel über ein geschütztes Schlüsselaustauschverfahren etabliert wurde.

Hashfunktionen bilden eine Eingabe beliebiger Länge auf einen festen Ausgabewert ab, welcher Hash oder Hashwert genannt wird. Kryptografische Hashfunktionen sind nicht umkehrbar und kollisionsresistent und werden für Integritätssicherung, Passwortspeicherung sowie digitale Signaturen eingesetzt.

Wie Quantencomputer moderne Kryptografie gefährden

Bereits 1994 zeigte Peter Shor, dass die mathematischen Grundlagen vieler heutzutage eingesetzter Public‑Key‑Verfahren durch Quantencomputer effizient gelöst werden können.

Damit sind weit verbreitete Verfahren wie RSA und elliptische Kurven grundsätzlich durch genügend leistungsfähige Quantencomputer angreifbar.

Symmetrische Verfahren und Hashfunktionen jedoch sind robuster, und werden durch Quantenalgorithmen nur leicht geschwächt.

Um das heutige Sicherheitsniveau aufrechtzuerhalten, reicht es, Schlüssellängen und Hashgrössen entsprechend zu erhöhen. 

Zentrale Bedrohungsszenarien

Die Vertraulichkeit von Daten wird in erster Linie durch Verschlüsselung gewährleistet.

Bei gespeicherten Daten kommen in der Regel symmetrische Verschlüsselungsalgorithmen zum Einsatz. Bei der Übertragung von Daten hingegen werden Public-Key-Kryptosysteme genutzt, um einen symmetrischen Sitzungsschlüssel auszutauschen. Dieser Sitzungsschlüssel verschlüsselt anschliessend die übertragenen Daten.

Harvest now, decrypt later 


Das Szenario „Harvest now, decrypt later“ (HNDL) beschreibt das Risiko, dass Angreifer bereits heute verschlüsselte Daten sammeln, um diese zu einem späteren Zeitpunkt – mithilfe leistungsfähiger Quantencomputer – zu entschlüsseln.

Dieses Risiko ist insbesondere für Daten mit langfristigem Schutzbedarf relevant, etwa für medizinische Daten, staatliche Kommunikation oder geistiges Eigentum. Im Kern steht HNDL in direktem Zusammenhang mit dem Mosca‑Theorem:

Wenn die notwendige Vertraulichkeitsdauer von Daten (X) zuzüglich der Zeit für die Migration zu quantensicheren Verfahren (Y) grösser ist als die verbleibende Zeit bis zum Q‑Day (Q), sind diese Daten bereits heute gefährdet. Für Unternehmen bedeutet dies: Auch aktuell als sicher geltende Verschlüsselung kann langfristig unzureichend sein – insbesondere bei sensiblen oder strategisch wichtigen Informationen.

Authentifizierung und Nichtabstreitbarkeit werden durch kryptografische Protokolle gewährleistet, welche einen überprüfbaren Nachweis der Identität eines Users beziehungsweise einer Transaktion ermöglichen.

Authentifizierung erfolgt beispielsweise über digitale Zertifikate, Challenge-Response-Protokolle und Message Authentication Codes (MACs), die häufig auf Public-Key-Kryptografie basieren.

Nichtabstreitbarkeit wird vor allem durch digitale Signaturen erreicht: Sie verknüpfen mithilfe von Public-Key-Kryptografie eine Identität mit einer bestimmten Nachricht oder Transaktion, sodass diese unabhängig überprüft und später nicht bestritten werden kann.

Trust now, forge later 


Das Szenario „Trust now, forge later“ (TNFL) betrifft die Integrität und Verlässlichkeit heutiger kryptografischer Verfahren zur Authentifizierung und Gewährleistung der Nichtabstreitbarkeit.

So kann beispielsweise eine heute als gültig betrachtete Signatur künftig gefälscht werden, sobald zugrundeliegende kryptografische Verfahren durch Quantencomputer gebrochen werden.

Die potenziellen Auswirkungen sind weitreichend:

  • Verträge und Dokumente verlieren ihren Beweiswert

  • Software‑Updates können manipuliert werden

  • Identitäten und Zugriffsrechte können kompromittiert werden

  • Transaktionen, Zertifikate und Audit‑Logs werden angreifbar

Dadurch wird das grundlegende Vertrauen in digitale Systeme und Prozesse nachhaltig beeinträchtigt.

Beispiele von Bedrohungen

  • Netzwerkkommunikation und E-Mail

    Interne und externe Netzwerkkommunikation – etwa über TLS-, IPSec- oder SSH‑Protokolle – sowie verschlüsselte Messaging‑Plattformen und signierte E‑Mails (z. B. S/MIME oder PGP) basieren auf Public‑Key‑Kryptografie. Damit ist insbesondere die Übertragung von Daten durch Quantencomputer angreifbar. 

  • Public-Key Infrastructure und digitale Zertifikate

    Die Absicherung von Webservern, APIs, E‑Mail‑Systemen und internen Services erfolgt typischerweise über X.509‑Zertifikate, die auf asymmetrischen Schlüsselpaaren basieren. Quantenfähige Angreifer könnten solche Zertifikate kompromittieren und dadurch die Vertrauensbasis zentraler digitaler Infrastrukturen erheblich schwächen.

  • Identität und Authentifizierung

    Moderne Authentifizierungssysteme – einschliesslich Single Sign-on (SSO), Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), API‑Authentifizierung, Cloud-Zugriff sowie digitale Identitäten – basieren häufig auf klassischer Public‑Key‑Kryptografie. Ein erfolgreicher Quantenangriff hätte unmittelbare Auswirkungen auf Zugriffskontrollen und Datensicherheit. 

  • Software, Firmware & Code Signing

    Software‑Applikationen, Firmware‑Updates sowie CI/CD‑Prozesse werden typischerweise durch digitale Signaturen abgesichert, um Integrität und Authentizität zu gewährleisten. Werden diese Signaturverfahren durch Quantencomputer angreifbar, entsteht ein erhebliches Risiko für die gesamte Software‑Lieferkette. 

  • Dokumentsignatur und Blockchain

    Qualifizierte elektronische Signaturen, Smart Contracts und Blockchain‑Anwendungen basieren auf Public‑Key Verfahren. Ein leistungsfähiger Quantencomputer könnte die Integrität und Verlässlichkeit digitaler Nachweise und Transaktionen kompromittieren.


Was Post‑Quantum‑Kryptografie für Organisationen bedeutet

Post‑Quantum‑Kryptografie (PQC) ist ein zentraler Bestandteil moderner Cybersecurity‑Strategien und umfasst die Entwicklung und Implementierung kryptografischer Verfahren, die auch gegenüber zukünftigen Angriffen durch Quantencomputer resistent sind.

Seit 2016 evaluiert das «National Institute of Standards and Technology» (NIST) entsprechende quantensichere Algorithmen und hat im Jahr 2024 die ersten Standards veröffentlicht, darunter ML‑KEM (FIPS-203) für den Schlüsselaustausch sowie ML‑DSA (FIPS-204) und SLH‑DSA (FIPS-205) für digitale Signaturen.

Die Umstellung auf PQC ist jedoch keine rein technische Anpassung. Sie erfordert:

  • eine klare Strategie im Einklang mit Geschäfts- und Risikozielen

  • Transparenz über bestehende kryptografische Abhängigkeiten

  • Priorisierung kritischer Systeme und Daten 

  • eine realistische Planung der Migration entlang bestehender Systemlandschaften

Warum Crypto Agility entscheidend ist für eine nachhaltige Resilienz

Technologische Entwicklungen, Kryptoanalyse und Implementierungsattacken können jedes kryptografische Verfahren bedrohen. Crypto Agility – die Fähigkeit, kryptografische Verfahren flexibel, zeitnah und kontrolliert auszutauschen – wird daher zu einer strategischen Schlüsselkompetenz für Unternehmen.

Es reduziert langfristige Risiken und ermöglicht es Unternehmen, schneller auf neue Bedrohungen zu reagieren und ihre Sicherheit nachhaltig zu stärken.

Quantum Key Distribution: Einordnung und Grenzen

Quantum Key Distribution (QKD) wird häufig als ergänzende Massnahme zu PQC diskutiert, um quantenbezogene Sicherheitsrisiken zu reduzieren. Die Technologie nutzt quantenphysikalische Prinzipien, um Verschlüsselungsschlüssel sicher zu verteilen, da jede Art von Abhörversuchen erkannt wird.

Wichtig dabei ist, dass QKD ausschliesslich eine sichere Methode zur Schlüsselverteilung bietet; sie kann weder zur Verschlüsselung von Daten noch in Authentifizierungs­protokollen eingesetzt werden. Für ausgewählte Anwendungsfälle kann QKD dennoch zusätzliche Sicherheit bieten. So setzt beispielsweise der Kanton Genf QKD seit 2007 bei Wahlen ein, während weitere Organisationen, darunter Banken, die Technologie aktiv ausprobieren.

PQC vs. QKD 

 Post-Quantum-Kryptografie (PQC)Quantum Key Distribution (QKD)

Definition

Verschlüsselungsalgorithmen, die gegenüber Angriffen mit Quantencomputern resistent sind.

Eine sichere Methode zur Schlüsselverteilung mithilfe von Quantenphysik und Lichtteilchen (Photonen).

Infrastruktur

Softwarebasiert und auf moderner Hardware einsetzbar

Spezialisierte Hardware und Quantum-Kommunikationstechnologie

Sicherheit

Hohe Sicherheit, basierend auf schwierigen mathematischen Problemen

Informationstheoretische Sicherheit, gewährleistet durch physikalische Prinzipien 

 

Der Q‑Day kommt näher –
Unternehmen sollten vorbereitet sein

Der sogenannte Q-Day bezeichnet den Zeitpunkt, an dem Quantencomputer bestehende Public-Key-Verfahren brechen können.

Technologische Fortschritte im Bereich der Quantum-Hardware, insbesondere die Anzahl logischer Gatteroperationen, die ein System vor einem Ausfall ausführen kann und die Anzahl logischer Operationen pro Sekunde, die Qubit-Stabilität (verfügbare logische Qubits, Fehlerkorrektur und Konnektivität) sowie die algorithmische Effizienz beeinflussen den Zeitpunkt des Q-Day.

Möchten Sie mehr zu Quantum Computing erfahren? Weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite.

Aktuelle technologische Durchbrüche – unter anderem von Google Quantum AI in Zusammenarbeit mit der University of California, Berkeley, der Stanford University und Ethereum (Mai 2025 und März 2026), Iceberg Quantum (Februar 2026) sowie Oratomic in Zusammenarbeit mit der University of California, Berkeley und dem California Institute of Technology (März 2026) haben Hardwareanforderungen zum Brechen asymmetrischer Kryptografie deutlich reduziert.

Während vor etwas mehr als einem Jahr noch rund 20 Millionen physische Qubits erforderlich gewesen wären, liegt der Bedarf heute bei weniger als einer Million für das Entschlüsseln von RSA und unter 500’000 bei elliptischen Kurven.

Unter neueren Quantencomputer-Architekturen könnte dieser Wert sogar noch weiter sinken – auf weniger als 100 000 physische Qubits für RSA und in der Grössenordnung von 10’000 für elliptische Kurven.

Diese Entwicklungen – in Kombination mit den Roadmaps führender Technologieanbieter wie IBM, IQM und IonQ zur Realisierung skalierbarer Quantencomputer – haben dazu geführt, dass Unternehmen wie Google, Microsoft und Cloudflare ihre Zeitpläne für die Migration zu Post-Quantum-Kryptografie beschleunigen und eine Ablösung quantenanfälliger asymmetrischer Verfahren bis 2029 anstreben.

Regulatorische Erwartungen nehmen zu

Auch wenn in den meisten Ländern und Regionen derzeit noch keine explizite Pflicht zur Migration auf quantensichere Kryptografie besteht, wird die regulatorische Erwartung zunehmend klarer: Organisationen sollen Quantum-Risiken frühzeitig erkennen, bewerten und gezielt steuern.

Dazu gehört insbesondere, Quantum-Risiken in bestehende Governance-, Risiko- und Sicherheitsprozesse zu integrieren und rechtzeitig eine fundierte Grundlage für strategische, risikobasierte Migrationsentscheidungen zu schaffen.

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Australien

Post-Quantum-Readiness: Unser Ansatz

  • Quantum-Readiness Assessments

    Wir unterstützen Sie dabei, Ihren aktuellen Reifegrad, Ihre Risiken und Chancen zu bewerten – und konkrete No-Regret Massnahmen zu identifizieren, mit denen Sie Ihre Quantum-Reise bereits heute starten können.

    Unser multidisziplinäres Team verbindet fundierte Expertise in verschiedenen Bereichen, darunter Cybersecurity, Datenschutz, IT, Regulierung und Quantentechnologien, um Ihr Unternehmen bestmöglich zu unterstützen.

  • Innovation Sessions und massgeschneiderte Workshops

    Massgeschneiderte Innovation-Sessions und Workshops vermitteln Ihnen aktuelle Erkenntnisse und praxisnahe Expertise, um Bewusstsein aufzubauen und Ihr Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.

    Unsere KPMG Ignition Services und Fähigkeiten beschleunigen Ihre Transformationsreise zusätzlich.

  • Quantum Risk Management und Quantum-Resilience

    Wir führen Risikobewertungen durch, unterstützen bei kryptografischen Inventaren und entwickeln praxisnahe Roadmaps, um Crypto Agility sowie eine effiziente Migration zu Post-Quantum-Kryptografie zu ermöglichen und Ihre kritischen Systeme zu schützen.

    Zudem analysieren und entwickeln wir Strategien, die Quantum Key Distribution zur zusätzlichen Risikominderung berücksichtigen.

  • Use-Case-Entwicklung und Umsetzung

    Wir erstellen Proofs of Concept und erschliessen geschäftsrelevante Quantum Use Cases, indem wir unsere umfassende Erfahrung über verschiedene Branchen hinweg sowie unsere Expertise in Quantum Algorithm Design und Quantum Machine Learning nutzen.

    Mehr dazu erfahren Sie hier.

  • Zugang zum KPMG-Netzwerk

    Im Rahmen unserer Services profitieren Sie von unserem nationalen und internationalen Netzwerk aus Quantum- und Branchenexpertinnen und -experten sowie von etablierten Technologiepartnerschaften, beispielsweise mit IBM.

    KPMG begleitet Sie als vertrauenswürdiger Partner in einem dynamisch wachsenden Quantum-Ökosystem.


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Pascal Pfister
Pascal Pfister

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