20. August 2026
Schweizer Spitäler finanziell verbessert – Investitionsdruck bleibt hoch
- Die durchschnittliche EBITDA-Marge stieg 2025 auf 5,4 Prozent und lag damit deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
- Trotz der Erholung reicht die Ertragskraft vieler Institutionen weiterhin nicht aus, um künftige Investitionen aus eigenen Mitteln zu finanzieren.
- Mehr als 86 Prozent der befragten CFOs erwarten in den kommenden Jahren einen ausserordentlichen Finanzierungsbedarf.
- Cybersecurity, Shared Services und künstliche Intelligenz gewinnen als strategische Handlungsfelder weiter an Bedeutung.
Die finanzielle Lage der untersuchten Schweizer Spitäler, Rehabilitationskliniken und psychiatrischen Kliniken hat sich 2025 verbessert. Die durchschnittliche EBITDA-Marge stieg auf 5,4 Prozent und liegt somit deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (3,8 Prozent). Der für die Refinanzierung notwendiger Investitionen angegebene Zielwert von rund 10 Prozent wird weiterhin nicht erreicht. Dies zeigt die aktuelle Studie «Clarity on Healthcare 2026» von KPMG Schweiz.
Operative Ergebnisse deutlich verbessert
Die EBITDA-Margen stiegen 2025 stärker als von den CFOs im Vorjahr prognostiziert. 82 Prozent der untersuchten Gesundheitsinstitutionen verbesserten ihre EBITDA-Marge während mehr als 96 Prozent ein positives operatives Betriebsergebnis erzielten. Bei 69 Prozent der Spitäler fiel auch die EBIT-Marge positiv aus.
Im Durchschnitt war die EBIT-Marge erstmals seit mehreren Jahren wieder positiv. 63 Prozent der befragten CFOs erwarten, dass die EBITDA-Margen 2026 und 2027 weiter leicht steigen. Bis 2027 rechnen sie im Durchschnitt mit einer Verbesserung um 0,35 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent.
Umsatz wächst stärker als Kosten
Die Umsätze der untersuchten Leistungserbringer nahmen 2025 um 5,4 Prozent zu. Das Umsatzwachstum wurde insbesondere durch höhere stationäre Tarife und steigende Leistungsmengen über alle Ertragsbereiche hinweg getragen. Der Anteil der ambulanten Erträge stieg weiter und machte 2025 bei den untersuchten Akutspitälern durchschnittlich 33 Prozent der Gesamterträge aus.
Gleichzeitig entwickelten sich die Personal- und medizinischen Sachkosten im Verhältnis zum Umsatz rückläufig. Trotz steigender Personalkosten und eines wachsenden medizinischen Bedarfs gelingt es den Leistungserbringern damit erstmals, das Kostenwachstum zu bremsen.
Finanzierungsbedarf bleibt hoch
Trotz der verbesserten Ergebnisse reicht die Ertragskraft vieler Institutionen weiterhin nicht aus, um künftige Investitionen aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Mehr als 86 Prozent der befragten CFOs erwarten in den kommenden Jahren einen ausserordentlichen Finanzierungsbedarf. Über 41 Prozent rechnen innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem zusätzlichen Kapitalbedarf von mindestens CHF 50 Millionen.
Rund 70 Prozent gehen davon aus, fällige Verbindlichkeiten mit neuem Fremd- oder Eigenkapital zu refinanzieren. Der Kapitalmarkt bleibt dabei eine wichtige Finanzierungsquelle für Schweizer Spitäler Das ausstehende Anleihenvolumen beläuft sich derzeit auf CHF 5,1 Milliarden. Da Anleihen nicht für alle Institutionen gleichermassen zugänglich oder geeignet sind, gewinnen ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten je nach Ausgangslage an Bedeutung.
Effizienz und Digitalisierung im Fokus
Neben der finanziellen Entwicklung beleuchtet die Studie zentrale strategische Handlungsfelder der Gesundheitsinstitutionen. Dazu gehören Cybersecurity, Shared Services, künstliche Intelligenz sowie die einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen (EFAS). Cybersicherheit rückt stärker in den strategischen Fokus, und Cyber-Resilienz wird zunehmend zur Führungsaufgabe. Neben einer sicheren Verwaltung von Identitäten, Zugriffsrechten und Daten gewinnen insbesondere die Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen, das Management von Drittparteien und die sichere Integration neuer Technologien an Bedeutung.
Mit Blick auf die Effizienz setzen viele Institutionen auf eine stärkere Zentralisierung: 71 Prozent der befragten CFOs haben Funktionen bereits in unterschiedlichem Umfang zentralisiert oder Shared Services eingeführt. Auch künstliche Intelligenz nimmt an Bedeutung zu. 66 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte setzen KI bereits aktiv ein, während rund 63 Prozent der CIOs und CTOs erwarten, dass sie den administrativen Aufwand künftig reduziert. Der breite Einsatz steht jedoch noch vor Herausforderungen: In Schweizer Spitälern wird die Skalierung weiterhin durch regulatorische, technologische und organisatorische Faktoren gebremst.
Methode
Die Studie «Clarity on Healthcare 2026» basiert auf der Analyse von 50 Schweizer Gesundheitsinstitutionen. Die Stichprobe umfasst 32 Akutspitäler, neun psychiatrische Kliniken, fünf Rehabilitationskliniken und vier Spezialkliniken. Der Gesamtumsatz der untersuchten Institutionen belief sich 2025 auf CHF 26 Milliarden. Ergänzt wurde die Analyse durch Befragungen von 24 CFOs sowie acht CIOs und CTOs. Die Zahl der berücksichtigten Institutionen kann bei einzelnen Kennzahlen von der Gesamtstichprobe abweichen, da nicht alle Leistungserbringer vollständige Finanzdaten veröffentlichen. Veränderungen historischer Kennzahlen können sich aus nachträglichen Anpassungen der Geschäftsberichte, Veränderungen der Stichprobe oder organisatorischen Zusammenschlüssen ergeben.
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Über KPMG Schweiz
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