Globale Lieferketten stehen heute unter einem deutlich höheren Anpassungsdruck als noch vor wenigen Jahren. Geopolitische Spannungen, protektionistische Tendenzen, zunehmende Regulierung, Klimarisiken sowie pandemiebedingte Verwerfungen haben die Verwundbarkeit internationaler Lieferketten deutlich gemacht. Ereignisse wie der Brexit, internationale Handelskonflikte oder Engpässe in Transport- und Halbleitermärkten wirken dabei wie ein Stresstest für bestehende Supply‑Chain‑Strukturen. Was lange als operative Disziplin galt, ist damit zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor geworden – mit unmittelbarem Einfluss auf Kosten, Servicegrad und unternehmerische Handlungsfähigkeit.
Studien und Marktanalysen belegen, dass Lieferkettenunterbrechungen bei einem erheblichen Teil der Unternehmen zu Produktivitätsverlusten, steigenden Kosten und Umsatzeinbußen führen. Zudem fehlt vielen Organisationen nach wie vor eine durchgängige End‑to‑End‑Sicht auf ihre Lieferketten. Risiken in vorgelagerten Lieferantenstufen – etwa bei Tier-2- oder Tier-3-Lieferanten bleiben häufig unerkannt. Ursachen sind fragmentierte Daten, nicht integrierte Systeme und unklare Verantwortlichkeiten. Ohne Transparenz über Materialflüsse, Kapazitäten, Bestände und Abhängigkeiten entstehen strukturelle Schwachstellen, die sich in wiederkehrenden Störungen und eingeschränkter Steuerungsfähigkeit manifestieren.