Die globale Baubranche befindet sich in einem Spannungsfeld: Wachstumsoptimismus und Risikoaversion steigen gleichzeitig. So lautet eine der zentralen Erkenntnisse der aktuellen KPMG Global Construction Survey 2025/26.
Steigende Nachfrage nach nachhaltiger Infrastruktur, Datenzentren, Wasserversorgung und erneuerbarer Energie trifft auf fragile Lieferketten, steigende Materialkosten und wachsende regulatorische Anforderungen. In diesem komplexen Umfeld blicken 71 Prozent der Befragten zuversichtlich auf die Entwicklung ihrer Branche – so viele wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig geben drei von vier Executives an, risikoaverser zu handeln als noch vor zwölf Monaten. Dies ist kein Widerspruch, sondern das neue Normal. Genau hier entscheidet sich, wer die nächste Ära der Baubranche gestaltet.
Drei Hebel für eine nachhaltige Transformation in der Baubranche
Transformation ist längst keine Option mehr ist, sondern eine Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. 75 Prozent der Befragten nennen operative Effizienz und Profitabilität als strategische Toppriorität, gefolgt von Marktexpansion, technologischer Innovation sowie einem stärkeren Risiko- und Resilienzmanagement.
Um diese Ziele zu erreichen, setzen Unternehmen auf drei zentrale Hebel: starkes Personal, integrierte digitale Systeme und neue Liefermodelle. 76 Prozent sehen kompetente Arbeitskräfte als kritischen Erfolgsfaktor und investieren dementsprechend. Über ein Fünftel der gesamten Transformationsinvestitionen fließt in personalbezogene Maßnahmen, wie die Entwicklung digitaler Kompetenzen. Hinzu kommen Investitionen in Technologie und der Aufbau neuer Liefermodelle – etwa durch kollaborative Vertragsmodelle oder digitalisierte Lieferketten. Auffällig ist, dass strategische Prioritäten und operative Maßnahmen heute enger aufeinander abgestimmt sind als zuvor. Eine wichtige Grundlage, um Transformation tatsächlich in die Praxis umzusetzen.
Die Lücke zwischen Strategie und Implementierung
Unternehmen wissen also bereits, wo sie investieren müssen. Die Herausforderung liegt jedoch nicht im Wissen, sondern im Tun. So integrieren lediglich 42 Prozent der Projekte nachhaltige Praktiken, obwohl 71 Prozent strengere Nachhaltigkeitsvorschriften erwarten. Auch digitale Werkzeuge zur Risiko- und Lieferkettensteuerung werden bislang nur von einer Minderheit der Unternehmen konsequent eingesetzt.
Das Paradox des Fortschritts lässt sich nur auflösen, wenn Personalstrategie, digitale Transformation und neue Liefermodelle nicht isoliert, sondern als zusammenhängendes System gedacht und umgesetzt werden. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Unternehmen, die die nächste Ära der Baubranche aktiv gestalten, und jenen, die sie nur verwalten.