Die Automobilindustrie steht vor einer historischen Transformation. Geopolitische Spannungen, sich wandelnde regulatorische Rahmenbedingungen, anfällige Lieferketten und rasante technologische Entwicklungen schaffen einen unvorhersehbaren und fragmentierten Markt. Gleichzeitig verlagern sich die Vorlieben der Verbraucher:innen in Richtung Elektromobilität und Digitalisierung – tiefgreifende Veränderungen, die traditionelle Geschäftsmodelle herausfordern.
KPMG Automotive-Studie: Transformation als Überlebensfrage
Die jährliche globale Automotive-Studie von KPMG International „(Re)assert dominance: A leadership blueprint for future success“ erscheint dieses Jahr bereits zum 25. Mal. Sie beleuchtet, wie Führungskräfte der Automobilbranche auf Umbrüche reagieren und was leistungsstarke Unternehmen auszeichnet. Dafür wurden 775 Automobilführungskräfte aus den USA, Europa und ASPAC befragt und sieben globale Markführer interviewt. Die Ergebnisse zeigen ein paradoxes Bild: 68 Prozent der befragten Führungskräfte glauben, dass neue Marktteilnehmer bis 2030 traditionelle Automobilhersteller verdrängen werden. Gleichzeitig sind 69 Prozent überzeugt, dass etablierte Unternehmen durch eine strategische Neuausrichtung ihre Marktführerschaft zurückgewinnen können. Diese Zahlen machen deutlich, dass Transformation nicht mehr optional, sondern für die Hersteller überlebenswichtig ist.
„Fünf Ts“ – Die Schlüssel zur Marktdominanz der Zukunft
Aus der Analyse kristallisiert sich ein klares Muster heraus: Nur 15 Prozent der Unternehmen befinden sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Transformation. Ausgehend von ihrem Erfolg wurden fünf zentrale Faktoren definiert, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Marktdominanz entscheidend sind.
- Spearhead Transformation bedeutet, Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. 36 Prozent der Führungskräfte erwarten eine komplette Transformation ihrer Unternehmen in den nächsten drei Jahren. Erfolgreiche Unternehmen fokussieren sich dabei auf zukunftsorientierte Effizienz statt auf reine Volumenmaximierung und beschleunigen Prozesse durch den Einsatz von KI.
- Master Technology erfordert aktive digitale Eigenverantwortung. 86 Prozent der Automobilhersteller investieren bereits massiv in KI und aufkommende Technologien. Die Spitzenreiter definieren klare digitale Kontrollzonen, stärken die Governance für Technologiepartnerschaften und bauen dynamische Betriebsmodelle auf.
- Earn Trust bedeutet, Kund:innenbeziehungen als strategischen Imperativ zu verstehen. Top-Unternehmen der Automobilindustrie nennen Kund:innenzufriedenheit fünfmal häufiger als kritischen Faktor für den langfristigen Unternehmenserfolg als kleinere Unternehmen.
In einem Markt, in dem Markenloyalität fragil ist, wird ein Verständnis für die Bedürfnisse der Kund:innen immer entscheidender. Vertrauen entsteht vor allem dann, wenn es dem Unternehmen gelingt, Echtzeit-Erkenntnisse in personalisierte Erfahrungen, adaptive Services und Produktinnovationen umzusetzen.
- Navigate Tensions erkennt die Lieferkette als kritischen Erfolgsfaktor. In einer Ära geopolitischer Fragmentierung ist Geografie zu einem Teil der Strategie geworden. 68 Prozent der Unternehmen strukturieren aktiv ihre Lieferketten um – weg von zentralisierter Produktion und globaler Beschaffung hin zu regionalen Ansätzen. Erfolgreiche Unternehmen analysieren Entwicklungen in Echtzeit, behalten regulatorische Risiken im Blick und planen systematisch für zukünftige Überraschungen.
- Thrive Together betont strategische Partnerschaften. 77 Prozent der Unternehmen sehen strategische Allianzen und Partnerschaften als wichtig für das Geschäftswachstum an. Es ist nicht mehr bloß das Ziel, Lieferketten zu kontrollieren, sondern ganze Ökosysteme zu koordinieren. Die Top-Unternehmen bringen verschiedene Partner – von Technologieanbietern über Energieunternehmen bis hin zu Regulierungsbehörden – in einem gemeinsamen Netzwerk zusammen.
Durch die Umsetzung der fünf Ts können sich Unternehmen zu widerstandsfähigen, anpassungsfähigen Marktführern entwickeln, die in der Lage sind, die Zukunft der Mobilität zu gestalten. Der Erfolg der Automobilindustrie wird im nächsten Jahrzehnt nicht von einem einzigen Durchbruch abhängen, sondern von der Fähigkeit, Transformation über mehrere, voneinander abhängige Bereiche hinweg zu koordinieren.