ESG-Zielvereinbarungen für den Vorstand werden immer relevanter. Der Kapitalmarkt fordert und honoriert entsprechendes Engagement. Larry Fink, CEO von ­Blackrock, nimmt die Vorstände in seinem Portfolio in die Pflicht, hier einen Führungsanspruch zu zeigen: „Every company and every industry will be transformed by the transition to a net zero world. The question is, will you lead, or will you be led?”

Die Automatisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird unverzichtbar

Derzeit verfassen ca 25 der 38 ATX Prime Unternehmen einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Der Rest berichtet zu Nachhaltigkeitsthemen im regulären Geschäftsbericht. Viele Unternehmen orientieren sich dabei an den gängigen Standards wie dem GRI1 und werden sich zukünftig verpflichtend am EU Sustainability Reporting Standard ausrichten, der von der EFRAG im Rahmen der CSRD entwickelt wird.

Ein wichtiger Faktor für ein transparentes und auditfähiges ESG-Reporting ist die Automatisierung der Non-Financial Kennzahlen als unterjährige Steuerungs- und Controllingfunktion.

Für eine gesteuerte Zielerreichung wird ein einmal im Jahr, oft hochgradig manuell erstellter, rückblickender Nachhaltigkeitsbericht nicht mehr ausreichend sein, um aktiv Investitionen, Projekte und Einkaufsentscheidungen zu planen und umzusetzen. Hier muss die Nachhaltigkeitsberichterstattung in gleicher Qualität und im gleichen Automatisierungsgrad wie die Finanzberichterstattung zur Verfügung stehen – quasi auf „Knopfdruck“ aus einer entsprechenden IT-Systemlandschaft.

Die Relevanz von ESG Zielen in der ­Vorstandsvergütung

Aus Sicht des Aufsichtsrates bzw aus Sicht der Aktionärsvertreter:innen wird eine ESG Zielsetzung für den Vorstand immer relevanter. So haben weltweit bereits 38 Prozent der börsennotierten Unternehmen2 aus dem ISS Executive Analytics Datenpool3 die Vorstandsorgane in die Pflicht genommen, kurz- und langfristige nichtfinanzielle KPIs zu erfüllen.

Warum ist das so? Nicht nur im Sinne einer „Good Governance“ Rolle des Aufsichtsrates rückt das Thema in den Vordergrund – auch der Kapitalmarkt fordert einen immer stärkeren Fokus der Unternehmensvertretung ein.

So erklärt der Blackrock CEO Larry Fink in seinem aktuellen Brief an alle CEOs der Unternehmen, an denen Blackrock eine Beteiligung hält, auch seine ­Motivation hinter dem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit: „We focus on sustainability not because we’re environmentalists, but because we are capitalists and fiduciaries to our clients.”4

Untersuchungen zur Zielsetzung des Vorstandes nach ESG-Kriterien und zur Aktienperformance von ESG- und Nicht-ESG-Unternehmen zeigen eine interessante Wechselwirkung: Eine Kernaussage ist5, dass Unternehmen ESG-Kennzahlen eher in die Vorstandsvergütung miteinfließen lassen, wenn eine der „Big Three“6 am Unternehmen beteiligt ist.7 In Österreich sind es derzeit 10 der 20 ATX-­Unternehmen, die ESG-Kriterien in die Zielvereinbarungen des Vorstandes miteinbeziehen.8

Auf den Kapitalmärkten zeigt sich, dass sowohl der MSCI World SRI als auch der S&P 500 ESG sein jeweiliges konventionelles Indizes Counterpart seit ihrer Aufsetzung outperformt.9

Es gibt also eine Vielzahl an Gründen, das Thema ESG-Transformation aktiv anzugehen – von der automatisierten Kennzahlenerfassung bis hin zur Zielsetzung des Vorstandes.

1 Die GRI Universal Standards sind Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die jedoch nicht verpflichtend bzw regulatorisch vorgeschrieben sind.
2 Quelle: Executive Compensation Tied to ESG Performance: International Evidence
3 ca 4 400 Unternehmen
4 zu finden auf der Blackrock Website https://www.blackrock.com/ch/privatanleger/de/larry-fink-ceo-letter
5 Quelle: Executive Compensation Tied to ESG Performance: International Evidence
6 gemeint sind die Großinvestoren Blackrock, StateStreet und Vanguard
7 Quelle: Global ISS Executive Compensation Analytics database
8 Quelle: Arbeiterkammer-Bericht „Managergagen“ und eigene Recherchen
9 Quelle: Eigene Berechnungen