Seit Jahrzehnten beobachten wir eine Verlagerung vom transaktionsbasierten Verkauf hin zu nutzungs- oder leistungsbasierten Ansätzen. Rolls-Royce führte 1962 sein Power-by-the-Hour-Programm ein, bei dem die Preise für seine Viper-Flugzeugmotoren auf der Grundlage von Flugstunden berechnet wurden. Einfach ausgedrückt, wird nicht das Produkt beziehungsweise das Asset gekauft, sondern nur die Benutzung oder der Output des Assets gezahlt. Die Erfahrungen mit solchen Asset-as-a-Service-Modellen sind seitdem durchwachsen – der von vielen vorausgesagte dramatische Wandel und kommerzielle Erfolg sind bislang nicht eingetreten.
Unsere englischsprachige Studie „Asset-as-a-Service-Manifesto” beleuchtet, wie AaaS funktioniert und wie Unternehmen das Geschäftsmodell finanzieren können.
Inspiriert durch den jüngsten Erfolg von Softwareunternehmen, die Software-as-a-Service (SaaS) anbieten, haben AaaS-Modelle neues Interesse in der Industrie geweckt. Technologische Fortschritte wie die rasche Weiterentwicklung von Sensoren und das Aufkommen von Maschinen und Geräten, die mit dem Internet verbunden sind, haben die Möglichkeiten erweitert. Die Verwendung flexibler, fortschrittlicher Preismodelle, die auf Zeit, Nutzung oder Leistung basieren, gewinnt an Bedeutung. Doch warum sollten sich Unternehmen dafür interessieren?
Nach Jahren mit rekordverdächtigen Verkaufszahlen für Neuanlagen bereiten sich viele Industrieunternehmen auf einen Umsatzrückgang in den kommenden Jahren vor und suchen nach alternativen Geschäftsmodellen, um ihre Einnahmen und Margen zu stabilisieren.
Asset-as-a-Service ist ein prominentes Geschäftsmodell auf der Agenda vieler Industrieunternehmen. Es stellt in zweierlei Hinsicht einen radikalen Wandel dar: Zum einen hinsichtlich des Übergangs von einmaligen Geschäftstransaktionen hin zu wiederkehrenden Einnahmen und einer kontinuierlicheren und tieferen Kunden-Anbieter-Beziehung; zum anderen hinsichtlich eines Übergangs von Preismodellen, die auf einer Kosten- oder wettbewerbsbasierten Logik beruhen, hin zu Preismodellen, die auf Nutzenwerten der Kunden basieren.
Basierend auf einer Befragung von 106 internationalen Unternehmen, die von der Universität St. Gallen im Jahr 2021 durchgeführt wurde, wird deutlich, dass es einen klaren Trend hin zu AaaS gibt. Ein Großteil der befragten Unternehmen ist sich bewusst, dass künftig Dienstleistungen und Hardware zu einem Angebot zusammenschmelzen werden. 38 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie bereits AaaS-Leistungen anbieten und 51 Prozent planen, solche Leistungen in ihr Portfolio aufzunehmen.