Grundsätzlich können Unternehmen auf zwei Arten vom Thema Biodiversität betroffen sein:
- Wenn im Rahmen der eigenen Geschäftstätigkeit umweltschädliche Schadstoffe entstehen (Inside-out-Ansatz).
- Wenn das Auftreten invasiver Arten die eigene Geschäftstätigkeit erschwert (Outside-in-Ansatz).
Gut zu wissen: Tier- oder Pflanzenarten gelten als invasiv, wenn sie gebietsfremd sind und unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften, Biotope oder – im speziellen Fall – auf Unternehmen haben.
Entsprechend begegnen Unternehmen analog zur Klimathematik physischen und transitorischen Risiken. Abhängigkeiten von Ökosystemleistungen stellen physische Risiken dar (Outside-in). Von transitorischen Risiken ist die Rede, wenn sich Unternehmen zum Beispiel an striktere Umweltschutzmaßnahmen halten müssen.
Diese treffen insbesondere Branchen und Sektoren, die einen höheren negativen Einfluss auf Biodiversität haben (Inside-out). Branchen mit einer erhöhten Abhängigkeit von sowie erhöhter Wirkung auf die Biodiversität sind unter anderem die Land- und Forstwirtschaft, die Fischerei, der Bergbau sowie das verarbeitende Gewerbe.
Die Lage ist ernst: Das Weltwirtschaftsforum weist den Biodiversitätsverlust und den Zusammenbruch von Ökosystemen auf Zehnjahressicht als drittgrößten Risikofaktor für die Weltwirtschaft aus. Der Grund dafür liegt unter anderem in der branchenübergreifenden Abhängigkeit von Ökosystemleistungen: Für mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts kann eine moderate bis starke Abhängigkeit festgestellt werden.
Die Europäische Zentralbank (EZB) weist sogar für fast drei Viertel der Unternehmen im Euroraum hohe Abhängigkeiten an Ökosystemleistungen aus und verweist in dem Zusammenhang auf die kritischen Folgen des fortschreitenden Biodiversitätsverlustes.