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      Key Facts

      • Die Meere absorbieren rund ein Viertel der weltweiten CO₂-Emissionen – verlieren diese Fähigkeit aber zunehmend.
      • Regulierer und Investoren nehmen ozeanbezogene Risiken stärker ins Visier.
      • Unternehmen, die jetzt handeln, können sich so ökologische Glaubwürdigkeit und strategische Resilienz sichern.

      Was im Rhein treibt, landet am Ende oft im Meer. Rund 80 Prozent des Plastiks in den Ozeanen stammen vom Land – ein großer Teil davon gelangt über Flüsse dorthin. Allein der Rhein trägt Schätzungen zufolge täglich über 191 Millionen Mirkoplasik-Partikel Richtung Nordsee.

      Wie viel davon sich schon auf kurzer Strecke ansammelt, zeigt ein einzelner Nachmittag am Kölner Rheinufer: Bei einem von KPMG organisierten CleanUp im Sommer 2026 kamen dort 216 Kilogramm Müll zusammen – an nur einem Flussabschnitt. Eine kleine Momentaufnahme eines globalen Problems, das an der Küste längst nicht endet.

      Der Schutz der Ozeane beginnt also nicht erst auf hoher See. Er beginnt in Städten, Lieferketten, Produktionsprozessen und Abfallströmen und betrifft damit auch Unternehmen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Meer zu tun haben.

      Warum sind Ozeane für Klima, Wirtschaft und Unternehmen relevant?

      Die Ozeanie spielen eine zentrale Rolle für die Stabilität unseres Planeten: Sie bedecken mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche, absorbieren rund 25 Prozent der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen und produzieren mindestens 50 Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen. Gleichzeitig bilden sie die Lebensgrundlage für Millionen von Menschen – nicht nur durch Fischerei, sondern auch als globale Transportwege oder Tourismusquelle. Und doch sind sie in den ESG-Strategien vieler Unternehmen kaum sichtbar.

      Welche ökologischen Risiken erhöhen den ökonomischen Druck?

      Dabei sind die Weltmeere stark bedroht. Steigende Temperaturen, zunehmende Versauerung, Müll und Übernutzung gefährden marine Ökosysteme laut den UN in alarmierendem Tempo.

      Der wirtschaftliche Schaden ist dabei nicht weniger spürbar als der ökologische. Die globale Ozeanwirtschaft hat sich laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD in den letzten 25 Jahren real verdoppelt und erreicht mittlerweile einen Wert von 2,6 Billionen US-Dollar. Haupttreiber waren Tourismus sowie Offshore-Öl- und Gasförderung. Doch auch neue Sektoren wie Meeresbiotechnologie, Offshore-Windkraft und Elektrotechnik entwickeln sich zunehmend.

      • Die Meeresbiotechnologie wächst stark: Der Markt soll von 7 Milliarden US-Dollar (2024) auf über 11 Milliarden US-Dollar (2032) steigen. Sie findet Anwendung in Lebensmitteln, Medizin, Kosmetik und Nahrungsergänzung und fördert Innovation, etwa durch EU-Projekte wie NOMORFILM, das antibiotische Wirkstoffe aus Mikroalgen patentiert.
      • Aquakultur hat großes Potenzial: Der globale Verkaufswert aquatischer Tiere liegt bei 453 Milliarden US-Dollar. Mit wachsender Nachfrage nach proteinreichen Lebensmitteln, wie beispielsweise Garnelen, Tilapia, Austern, wächst der Markt, bleibt aber in vielen Regionen – etwa Teilen Afrikas – unterfinanziert.
      • Erneuerbare Offshore-Energien wie Wind-, Wellen- und Gezeitenkraft nehmen zu. Offshore-Wind allein könnte bis 2050 jährlich 4,5 Gigatonnen O₂ einsparen und wirtschaftlich bis zu 6,8 Billionen US-Dollar bringen. Dennoch besteht eine jährliche Investitionslücke von über eine Billion US-Dollar – der Handlungsbedarf ist hoch.

       

      Warum tragen Unternehmen Verantwortung für die Ozeanwirtschaft?

       

      Immer mehr Unternehmen erkennen: Ihre Geschäftsmodelle sind direkt oder indirekt vom Zustand der Ozeane abhängig. Die maritime Lieferkette, die Verfügbarkeit von Rohstoffen oder der Schutz küstennaher Standorte – all das hängt mit dem Meer zusammen.

      Zugleich wächst der Druck von außen: Investoren, Aufsichtsbehörden und Verbraucher fordern zunehmend Transparenz über die Auswirkungen unternehmerischen Handelns – auch unter Wasser. Das bedeutet: ESG-Berichterstattung wird künftig auch den Zustand der Ozeane abbilden müssen.

       

      Warum sind Daten der Schlüssel zum Schutz der Ozeane?

       

      Ein zentrales Hindernis für wirksames Handeln ist laut der UN noch immer der Mangel an verlässlichen Daten. Viele Meeresregionen sind wissenschaftlich kaum erfasst, Umweltveränderungen bleiben oft lange unbemerkt. Für Unternehmen, die ESG messbar machen wollen, ist das ein Problem. Fortschritte in der Sensorik, Satellitenbeobachtung und künstlichen Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten – etwa zum Verfolgen von Schiffsbewegungen, Erkennen von Schadstoffeinträgen oder der Analyse von Biodiversitätsverlusten.

      Um solche Fortschritte zu ermöglichen, braucht es Partnerschaften zwischen Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft. KPMG ist daher eine strategische Partnerschaft mit dem Hochsee-Segelteam Malizia eingegangen, um so das Erheben mariner Umweltdaten in schwer zugänglichen Regionen zu unterstützen. Während globaler Regatten erfasst das Team unter anderem CO₂-Konzentrationen, Wassertemperaturen und Salzgehalte – und leistet so einen wertvollen Beitrag zur Klimaforschung. Diese Daten schaffen auch für Unternehmen die Grundlage, ihre ESG-Ziele entlang der gesamten Wertschöpfungskette fundiert zu steuern.

       

      Wie können Unternehmen die Potenziale der Blue Economy nutzen?

       

      Für Unternehmen ergeben sich aus der Bedeutung der Ozeane klare Handlungsfelder. Entscheidend ist, ihre Rolle nicht nur im Rahmen der Risikobetrachtung zu erfassen, sondern den strategischen Mehrwert aktiv zu nutzen. Die sogenannte „Blue Economy“ bietet erhebliche Potenziale – etwa durch Investitionen in nachhaltige maritime Infrastrukturen, den Einsatz innovativer Technologien oder das gezielte Unterstützen wissenschaftlicher Projekte.

      Wer ozeanbezogene Maßnahmen in seine Klima- und Geschäftsstrategien integriert, kann damit einen doppelten Nutzen erzielen: zur CO₂-Kompensation beitragen und gleichzeitig messbare naturpositive Effekte bewirken. Bildung, Forschung und eine transparente Kommunikation schaffen zusätzlich die notwendige Sichtbarkeit und stärken die ESG-Glaubwürdigkeit.

      Unternehmen, die ozeanbezogene Aspekte frühzeitig und systematisch in ihre Nachhaltigkeitsstrategie einbauen, erhöhen ihre regulatorische Resilienz, sichern Investorenvertrauen und schaffen langfristig belastbare Werte.

      Häufig gestellte Fragen zur Blue Economy

      Blue Economy beschreibt die wirtschaftliche Nutzung der Ozeane, Küsten und maritimen Ressourcen. Nachhaltig ist sie dann, wenn wirtschaftliche Aktivitäten marine Ökosysteme schützen, Biodiversität erhalten und langfristige Resilienz schaffen.

      Blue Economy und ESG hängen zusammen, weil ozeanbezogene Risiken zunehmend Auswirkungen auf Umweltkennzahlen, Lieferketten, Investorenkommunikation und regulatorische Anforderungen haben. Für Unternehmen wird die nachhaltige Nutzung maritimer Ressourcen damit zu einem Bestandteil glaubwürdiger ESG-Strategien.

      Daten sind wichtig, weil viele Meeresregionen wissenschaftlich noch nicht ausreichend erfasst sind. Ohne belastbare Meeresdaten lassen sich ökologische Veränderungen, Schadstoffeinträge oder Biodiversitätsverluste nur schwer bewerten. Für Unternehmen sind solche Daten die Grundlage, um ESG-Ziele messbar zu machen und Fortschritte glaubwürdig zu kommunizieren.

      CO₂-Kompensation kann eine Klimastrategie ergänzen, ersetzt aber keine Reduktion von Umweltbelastungen im eigenen Geschäftsmodell. Für glaubwürdigen Ozeanschutz sollten Unternehmen zusätzlich prüfen, wie sie Verschmutzung vermeiden, Ressourcen effizienter nutzen, Lieferketten resilienter gestalten und naturpositive Effekte messbar machen können.

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