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      Key Facts

      • Für viele Profifußballclubs wird Nachhaltigkeitsberichterstattung durch die CSRD erstmals verpflichtend und damit zu einer strukturellen Managementaufgabe, nicht zu einem reinen Kommunikationsthema.
      • Entscheidend ist eine saubere doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die sowohl die tatsächlichen Auswirkungen des Clubs als auch finanzielle Risiken und Chancen realistisch abbildet.
      • Erfolgreiche CSRD‑Berichte entstehen nur, wenn Nachhaltigkeit in Governance, Datenprozesse und Strategie integriert wird und nicht isoliert neben dem sportlichen Betrieb läuft.

      Bei einem Fußballspiel gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft, sondern das Team, das seine Chancen besser nutzt. Bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist es ähnlich. Da nutzen auch die besten Nachhaltigkeitsinitiativen nichts, wenn nicht im richtigen Rahmen über sie berichtet wird. Auch hier gilt: Effektiv sein und Chancen nutzen.

      Fußball als Milliardengeschäft in einer anderen Liga

      In punkto Kommerzialisierung spielt der Profi-Fußball unbestritten in der Champions League. Insbesondere die Fußball-Bundesliga bewegt Massen und Milliarden: Allein in der abgelaufenen Saison strömten mehr als 12 Millionen Menschen in die Stadien und die ARD-Sportschau erreichte in diesem Zeitraum mehr als 35 Millionen TV-Zuschauer. Für die Saison 2022/2023 wies die DFL (Deutsche Fußball Liga) laut Statista einen Umsatz der 2. Bundesliga in Höhe von rund 786 Millionen Euro aus. Die 1. Liga erzielte im selben Zeitraum einen Umsatz von etwa 4,5 Milliarden Euro – neuer Rekord.

      Die großen Fußballclubs haben weltweit Millionen von Fans und generieren enorme Einnahmen durch Sponsoring, Merchandising und Fernsehrechte. Die Fußballindustrie schafft Arbeitsplätze und hat einen erheblichen Einfluss auf die lokale Wirtschaft. Darüber hinaus kann der Erfolg eines Fußballclubs auch das Image und den Ruf einer Stadt beeinflussen. All diese Faktoren machen den Fußball zu einem wichtigen Akteur in Wirtschaft und Gesellschaft.

      Die CSRD ist für Fußballclubs ein völlig neues Spielfeld

      Klar ist: Die Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga sind Wirtschaftsunternehmen. Und für diese gelten Regeln. Zum Beispiel bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 13 von 18 Erstligisten und drei der 18 Zweitligisten müssen Nachhaltigkeitsberichte nach den Vorschriften der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erstellen. Konkret betrifft es die Fußballclubs, die als Kapitalgesellschaften organisiert sind und gewisse Größenkriterien überschreiten. Viele Clubs begeben sich damit auf ein völlig neues Spielfeld.

      In der 1. und 2. Bundesliga sind viele Clubs und ihre Anhängerinnen und Anhänger in Sachen Nachhaltigkeit breit und gut aufgestellt. Zum Beispiel durch Stadien, deren Dach mit Solarpanelen ausgerüstet ist, oder durch Verkehrskonzepte, die die Anhänger:innen dazu bewegen sollen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Viele Clubs fördern soziale Initiativen ihrer Fan- und insbesondere Ultragruppen, die sich in der Stadt zum Beispiel um Jugendliche kümmern oder Initiativen gegen Rechtsradikalismus gegründet haben.

      Bei Verstoß gegen Vorschriften: Clubs riskieren Bußgelder und ihre Profilizenz

      Dieses soziale und nachhaltige Engagement ist in vielen Clubs bereits verankert – in einigen mehr, in anderen weniger. Jetzt geht es darum, darüber zu berichten, und zwar nach den CSRD-Vorschriften. Wer das nicht tut, riskiert nicht nur Bußgelder. Die Clubs riskieren auch ihre Lizenz. Denn die DFL hat bereits 2023 Nachhaltigkeitsaspekte in ihrem Lizenzierungsverfahren für alle Profi-Clubs verankert.

      Die Nachhaltigkeitsberichte nach den CSRD-Vorschriften müssen standardisiert und somit vergleichbar sein. Für die Clubs bedeutet dies Aufwand und Prozessumstellungen. Hinzu kommt, dass die CSRD bzw. die konforme Berichterstattung teilweise Themen offen legt, bei denen die Clubs Nachholbedarf haben und die Berichte auch Themen offenlegen können, bei denen die Clubs Nachholbedarf haben. Gerade die direkte Vergleichbarkeit bietet den Clubs viele Chancen, die sie nutzen sollten, um auch bei den Themen Nachhaltigkeit und CSRD vorne mitzuspielen zu können.

      Schlüssiger Nachhaltigkeitsbericht steigert die Glaubwürdigkeit und Attraktivität

      Clubs, die einen stringenten Nachhaltigkeitsbericht erstellen, haben die Möglichkeit, ihr soziales Engagement, ihre Umweltinitiativen und ihren innovativen Führungsstil stärker herauszustellen und damit für Sponsoren und Fans attraktiver zu werden. Gerade die jüngeren Fangenerationen stehen dem Thema Nachhaltigkeit offener gegenüber und fragen kritischer nach, wie sich ein Club sozial und nachhaltig engagiert. Erst kürzlich gab es Fanproteste gegen einen Club, der einen Sponsoringvertrag mit einem Rüstungskonzern abgeschlossen hat. Das zeigt, dass auch Themen, die außerhalb des Spielfelds passieren, für Clubs wichtiger werden. Und wer hier die eigenen Leistungen mit Daten und einem schlüssigen Nachhaltigkeitsbericht unterfüttern kann, steigert seine Glaubwürdigkeit, sein Standing bei den Fans und wird somit in der Außendarstellung attraktiver. Das macht Clubs wiederum für Sponsoren interessanter.

      Auf diese drei Punkte kommt es an

      Was also sollten Clubs jetzt tun, um sich auf CSRD-Vorschriften einzustellen und Chancen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung auszuloten? Vor allem auf drei Punkte kommt es an:

      1. Wesentlichkeitsanalyse: Ist die CSRD-Pflicht für einen Club gegeben, ist im nächsten Schritt eine Wesentlichkeitsanalyse gemäß den Vorgaben der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) durchzuführen. Dadurch erhalten die Clubs ein klares Bild, welche Berichtspflichten zu erfüllen sind.
      1. Einbettung in die Unternehmensstrategie: Die Clubs sollten für sich festlegen, wie sie nach außen wahrgenommen werden und für welche Themen sie stehen wollen. Es ist wichtig, zum einen die Unternehmensstrategie im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse einfließen zu lassen, zum anderen aber auch die Erkenntnisse aus der Wesentlichkeitsanalyse in der Unternehmensstrategie zu reflektieren. Nach innen wie nach außen entstehen so neue relevante Schwerpunkte und Maßnahmen wie zum Beispiel, dass mehr Frauen in die Führungsriege des Clubs aufgenommen und Nachhaltigkeits-Aktivitäten in der Kommunikation in den Vordergrund gestellt werden.
      1. Umsetzung: Die thematische Breite der CSRD erfordert, dass nahezu alle Unternehmensbereiche mit einbezogen werden. Aber auch Anpassungen in der IT-Landschaft, im Berichtsprozess und beim Risikomanagement sind in aller Regel erforderlich. Konkret geht es zum Beispiel darum, dass Prozesse entwickelt werden, um die notwendigen Daten für die Berichtserstellung zu sammeln.

      Fest steht, dass die CSRD-Pflicht für Clubs einen nicht unerheblichen Aufwand mit sich bringen. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig damit zu beschäftigen und (externe) Expert:innen zu konsultieren. Die Vorschriften der CSRD sind umfangreich und komplex. Aber richtig umgesetzt, bietet die Nachhaltigkeitspflicht, auch aufgrund der öffentlichen Exponiertheit des Fußballs, große Chancen für alle Clubs.

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      Sebastian Pöhler

      Partner, ESG Due Diligence, Deal Advisory

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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      Unser Whitepaper zeigt den Stand und aktuelle Entwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung in der DACH-Region und behandelt die Digitalisierung sowie Relevanz von ESG-KPIs.