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      Key Facts

      • Energie wird für Unternehmen aller Branchen und Größen zur strategischen Managementgröße – nicht nur zum Kostenfaktor. 
      • Eine zukunftsfähige Energieversorgung muss Kostensicherheit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gleichermaßen adressieren.
      • Vier Hebel machen Energie steuerbar. Effizienz, Beschaffung, Abgaben- und Umlagenmanagement und Förderung sollten nicht als Einzelmaßnahmen betrachtet werden.

      Hohe Energiepreise gefährden immer stärker die Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere in globalen Absatzmärkten. Strom, Gas und CO₂-Kosten wirken direkt auf Margen, Standortentscheidungen und Investitionsfähigkeit betroffener Unternehmen. 

      Doch diese Perspektive greift in der Praxis häufig zu kurz. Der Energiepreis ist und bleibt eine wichtige Einflussgröße – aber er ist nicht die alleinige Zielgröße unternehmerischen Handelns. Vielmehr ist der Preis am Ende das Ergebnis einer ganzheitlichen Analyse der eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten im Rahmend es Managements von Energie. Entscheidend ist daher, wie Unternehmen mit Energie insgesamt umgehen. Einzubeziehen sind Aspekte wie Verbrauch, Beschaffungsoptionen, Risikomanagement, regulatorischen Preisbestandteilen wie Steuern, Abgaben und Umlagen, Entlastungen, Beihilfen und der eigenen Fähigkeit, den Energieeinsatz im Unternehmen (marktorientiert) zu steuern. Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Wie hoch ist der Energiepreis? Sie lautet: Wie gut kann ein Unternehmen Energie strategisch managen?

      Energie ist zur Managementgröße geworden

      Lange wurde Energie vor allem operativ behandelt. Der Einkauf kümmerte sich um Verträge. Die Technik arbeitete an Effizienz. Die Finanzfunktion prüfte Kosten und Nachhaltigkeitsverantwortliche sorgten sich um Klimaziele. Doch diese Aufteilung passt nicht mehr zur Realität, denn Energie ist heute ein Thema für Geschäftsführung, Vorstand, CFO und COO. Energiepreise beeinflussen nicht nur einzelne Kostenstellen. Sie entscheiden mit über Produktpreise, Liquidität, Risikotragfähigkeit, Transformationspfade und die Zukunft von Standorten.

      Gleichzeitig ist die alte Erwartung weitgehend stabiler Energiemärkte brüchig geworden. Preise reagieren auf geopolitische Krisen, Speicherstände, Wetterlagen, CO₂-Preise und Regulierung. Selbst wenn Energie tatsächlich verfügbar ist, bleibt sie wirtschaftlich schwer planbar. Deshalb reicht es nicht, auf niedrigere Preise oder politische Entlastungen zu warten. Wettbewerbsfähig sind und bleiben diejenigen Unternehmen, die Energie aktiv steuern.

      Doch was heißt das konkret? Strategische Energiesteuerung beginnt dort, wo Unternehmen ihren tatsächlichen Energieeinsatz und damit auch den Preis nicht nur messen, sondern in seine Bestandteile aufteilen und nach Möglichkeiten suchen, diese positiv zu beeinflussen. Denn erst dann wird sichtbar, welche Kosten extern vorgegeben sind – und welche sich beeinflussen lassen.

      Vier Hebel bestimmen den effektiven Energiepreis

      Wer Energie strategisch steuern will, sollte deshalb vier Stellhebel gemeinsam betrachten.

      • Effizienz

        Unternehmen sollten wissen, wo Energie verbraucht, verschwendet oder falsch eingesetzt wird - künftig wird der flexible Energieeinsatz erheblich wichtiger. Effizienz ist dabei nicht nur als Sparprogramm zu verstehen. Sie ist die Grundlage für bessere Investitionsentscheidungen.

      • Beschaffung und Risikomanagement

        Spotmarkt, Terminmarkt, Tranchenmodelle, Power Purchase Agreements (PPAs) oder Eigenversorgung haben unterschiedliche Chancen und Risiken. Die passende Strategie hängt von Planbarkeit, Liquidität und Risikotragfähigkeit ab.

      • Abgaben und Umlagen

        Netzentgelte, Stromsteuer, Konzessionsabgaben, netzseitige Umlagen und CO₂-Kosten prägen den tatsächlichen Energiepreis erheblich. Wer diese Faktoren nicht systematisch prüft, kann schwer optimieren.

      • Förder- und Beihilfemechanismen

        Viele Entlastungen hängen an Fristen, Voraussetzungen, Nachweisen und Datenqualität. Wer Förderfähigkeit erst kurz vor Antragstellung prüft, verschenkt Handlungsspielraum.

      Diese vier Maßnahmen wirken zusammen. Eine Effizienzmaßnahme kann die Förderfähigkeit beeinflussen oder gar erst bedingen. Eine neue Beschaffungsstrategie verändert Risikoprofile und ermöglicht Einsparungen. Dekarbonisierung durch erneuerbare Eigenerzeugung kann CO₂-Kosten senken und Preisrisiken reduzieren. Genau deshalb gehört Energie nicht in einzelne Silos, sondern in die Unternehmenssteuerung.

      Kosten, Risiko und Klimastrategie fallen zusammen

      Dekarbonisierung wird oft als zusätzliche Belastung empfunden. Doch diese Sicht ist zu eng.

      Elektrifizierung, Energieeffizienz, erneuerbare Eigenversorgung oder langfristige Grünstromlieferverträge (PPAs) senken Emissionen. Sie können zugleich Preisrisiken begrenzen, fossile Abhängigkeiten reduzieren und Planungssicherheit erhöhen. Damit wachsen Kostenstrategie und Klimastrategie zusammen. Klimaschutz zahlt sich dann aus, wenn er energieökonomisch gedacht und kostenoptimiert umgesetzt wird. Nicht jede Maßnahme ist automatisch und auf den ersten Blick wirtschaftlich. Aber jede relevante Energieinvestition sollte heute zugleich auf Kosten, Risiko, Regulierung und CO₂-Wirkung geprüft werden.

      Für Unternehmen verändert sich damit auch die Rolle der Energiefunktion. Es geht nicht darum, jedes Detail intern abzubilden. Viel mehr ist es relevant, mit klaren Verantwortlichkeiten, belastbaren Daten, geeigneten Risikorahmen und einer integrierten Sicht auf Energie, Finanzen und Transformation steuerungsfähig zu bleiben.

      Fazit: Der Energiepreis ist wichtig – aber nicht allein entscheidend

      Energie bleibt ein gewichtiger Produktions- und zudem Kostenfaktor durch den zudem deutlich wird, wie gut Unternehmen mit Volatilität, Regulierung, Klimazielen und Investitionsdruck umgehen. Wer Energie nur auf den Marktpreis reduziert, bleibt abhängig von äußeren Entwicklungen. Wer sie strategisch steuert, kann sich bei Kosten, Risiken und Transformation Handlungsspielraum verschaffen.

      Für Industrie und energieintensiven Mittelstand verschiebt sich damit die zentrale Frage. Sie lautet nicht mehr nur: Wann sinken die Energiepreise? Sie lautet: Wie machen wir Energie dauerhaft steuerbar? Denn Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Unternehmen Energie als Managementaufgabe begreifen und als solche auch aktiv gestalten.

       

      * Die Rechtsdienstleistungen werden durch die KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erbracht.

      Klardenker-Logo

      Tobias Adelfang

      Director, Audit, Regulatory Advisory, Sustainability Reporting & Governance

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

      Marc Goldberg
      Marc Goldberg *

      Partner

      KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH


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