Zunächst einmal gilt es zu verstehen: Das Decoupling ist keine vorübergehende Taktik, sondern eine grundlegende Strategie Chinas und der USA, bei der sich die beiden Wirtschaftsblöcke immer weiter entflechten.
Einher geht das mit Einfuhr- und Ausfuhrverboten, etwa für Chips, Netzwerkausrüstung und Grundstoffe wie seltene Erden oder bestimmte Chemikalien. Hinzu kommen Nutzungsverbote für geschäftsrelevante Software und Limitierungen im Datentransfer.
Langfristig besonders bedeutsam ist das Festlegen unterschiedlicher Standards, Regeln und Gesetze, die in den jeweiligen Wirtschaftsblöcken gelten. Unternehmen, die sich nicht daran halten, müssen mit Strafen bis hin zum Betätigungsverbot rechnen.
China verfolgt seit langer Zeit eine Doppelstrategie: In Bereichen, in denen ausländisches Know-how und Technologien benötigt werden, betreibt es „selektives Coupling“ – das heißt, es sucht Kooperationen und öffnet den lokalen Markt. In strategischen Zukunftsfeldern hingegen – etwa im digitalen Handel, bei Online-Plattformen, Netzwerktechnik oder Schnellzügen – versperrt die Volksrepublik ausländischen Unternehmen den lokalen Markt und baut stattdessen chinesische Staatsunternehmen zu globalen Marktführern auf.
Die Vereinigten Staaten reagieren hierauf ebenfalls mit Decoupling, indem sie chinesischen Unternehmen den Zugang zum eigenen Markt und den von befreundeten Volkswirtschaften verwehren oder erschweren. Das wiederum führt ganz aktuell zu weiteren Gegenreaktionen Chinas: Gemäß ihrem 14. Fünf-Jahres-Plan, der im März 2021 final verabschiedet wird, wendet die Volksrepublik eine Dual-Circulation-Strategie an. Der Begriff steht für eine zusätzliche Besinnung auf den Konsum im Landesinnern und einen stärkeren Warenaustausch mit regionalen Handelsbündnissen, vor allem in Asien.
Diese Verhaltensweise deutet auf ein weiteres Auseinanderdriften der beiden großen Wirtschaftsblöcke hin.