Viele deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten beträchtliche Summen in der Ukraine und in Russland investiert. Sie unterhalten regionale Tochtergesellschaften, produzieren und vertreiben ihre Produkte vor Ort. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat diese florierenden Geschäftsbeziehungen mit teils hohen Gewinnen jäh beendet.
Die Kriegshandlungen in der Ukraine haben jede Art der wirtschaftlichen Wertschöpfung vor Ort zunichte gemacht. Aber auch das Russland-Geschäft ist schwer belastet. Hier stehen die Unternehmen vor einem schweren Dilemma. In Folge der zahlreichen Sanktionen ist jede wirtschaftliche Tätigkeit rechtlich schwierig und risikoreich. Wird am Geschäft in Russland festgehalten, drohen zudem massive Reputationsschäden. Viele Unternehmen hinterfragen ihr Geschäft vor Ort aber auch aus moralischer Perspektive.
Die Beweggründe der Unternehmen mögen unterschiedlich sein, wie auch ihre in Russland erzielten Gewinne – als Konsequenz bleibt jedoch meist nur der Rückzug aus dem Russland-Geschäft. Dies aber führt nicht nur zu operativen Verlusten in enormer Höhe, sondern kann als Folge der neuen Gesetzeslage in Russland auch in einer faktischen Enteignung enden. Die Belastung in den Bilanzen der deutschen Industrie beträgt durch diese Sondereffekte bereits heute viele Milliarden Euro.