Die aktuellen Entwicklungen zeigen es deutlich: Die Bande, die die geopolitische Welt einst verbunden haben, werden schwächer. In den vergangenen drei Jahrzehnten war die Wirtschaft in Europa, Asien und den USA von einer immer stärkeren globalen Vernetzung der Wirtschaftsaktivitäten geprägt. Auf nationaler und regionaler Ebene ist die Abkehr vom globalen und geopolitischen Konsens klar zu erkennen. Es entstehen gleich mehrere Bruchstellen auf handelspolitischer Ebene, aber auch wenn es um Nachhaltigkeitsfragen oder regulatorische Richtlinien geht. Vor allem zwischen den Wirtschaftsmächten China und den USA sind diese Entkopplungstendenzen zu beobachten. Sie schwächen die Grundlagen der Globalisierung. Wenn wir nicht vorsichtig sind, riskieren wir viel von dem zu verlieren, was die internationale Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht und aufgebaut hat.
Doch es gibt Hoffnung: Denn die Infrastruktur ist einer der wenigen Bereiche, bei dem global Einigkeit darüber besteht, dass neue und bessere Technologien, Straßen, Schienen und Stromleitungen und so weiter wichtig sind. Eine gute Ausstattung kann zudem das Vertrauen der Menschen in ihre Regierungen stärken. Denn Verbesserungen in der Infrastruktur sind sofort stark spür- und sichtbar für die Menschen.
Aktuell scheint es wegen der Decoupling-Tendenzen aber schwieriger denn je, Infrastrukturen nachhaltig zu verbessern. Traditionelle Lieferrouten und Lieferketten zum Beispiel können wegen des Kriegs in der Ukraine nicht oder nur teilweise genutzt werden. Handelskonflikte lassen die Kosten explodieren, hinzu kommen fragmentierte und zahlreiche Gesetzesgrundlagen in den Ländern.
Ein großes Risiko besteht darin, dass die komplexen Herausforderungen das Tempo der Entscheidungsfindung in Unternehmen verlangsamen. Genau jetzt ist jedoch Handeln angesagt. Die Bevölkerungen brauchen mehr Infrastruktur und klare Führung. Neue geopolitische und sicherheitsrelevante Herausforderungen sollten beim Planen von neuen Infrastrukturprojekten mitbedacht und im Auge behalten werden. In einer Welt, die instabiler und unübersichtlicher wird, sind Bewusstsein und Flexibilität der Schlüssel zu ganzheitlich gedachten Infrastrukturprojekten.