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      Die historisch hohen Preisniveaus und die ausgeprägte Volatilität in wichtigen Rohstoffen, wie Kupfer und andere Industriemetalle, Rohöl und Mineralölprodukte, Edelmetalle, Agrarrohstoffe, aber auch Strom und Gas, wirken sich unmittelbar auf Beschaffungskosten, Margen und Liquiditätsbedarf deutscher Industrieunternehmen aus. Für das Corporate Treasury ist es daher gerade aktuell besonders wichtig, das Rohstoffexposure belastbar zu ermitteln, kurzfristige Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierung zu quantifizieren und gemeinsam mit dem Rohstoffeinkauf zu untersuchen, wie physische Beschaffungsmaßnahmen und der gezielte Einsatz derivativer Finanzinstrumente vor dem Hintergrund der wesentlichen unternehmerischen Steuerungsgrößen zu einer ausgewogenen Sicherungsstrategie verbunden werden können.

      Die Auswirkungen unterscheiden sich unternehmensspezifisch je nach Branche, Rohstoff, Beschaffungsstruktur und Geschäftsmodell. Hohe Kupferpreise verteuern beispielsweise metallintensive Vorprodukte, während Preisbewegungen bei Rohöl und Destillaten insbesondere Produktionskosten sowie Transport und Logistik beeinflussen. Auch die Preise für Edelmetalle, Strom und Gas können aufgrund geopolitischer Entwicklungen, Angebotsengpässen und infrastruktureller Restriktionen erheblich schwanken. Dadurch können Planannahmen schneller an Belastbarkeit verlieren. Zugleich können der operative Liquiditätsbedarf und Finanzierungsbedarf steigen sowie Kreditlinien, Handelslinien oder Gegenparteilimits stärker beansprucht werden.

      Möglicher Handlungsbedarf für das Corporate Treasury

      Für das Corporate Treasury bietet es sich zunächst an, die Auswirkungen auf Liquidität, Finanzierung und Cashflows neu zu bewerten. Derivative Finanzinstrumente können dabei einen gezielten Beitrag leisten, indem sie künftige Preisrisiken ganz oder teilweise begrenzen. Je nach Risikoprofil kommen insbesondere außerbörsliche Termingeschäfte und Swaps, börsengehandelte Futures sowie Optionen in Betracht. Termingeschäfte, Futures und Swaps ermöglichen eine weitgehende Fixierung von Preisen, während Optionen gegen Zahlung einer Prämie Schutz vor ungünstigen Preisbewegungen bieten und zugleich eine Beteiligung an günstigen Entwicklungen ermöglichen können. Die Auswahl der Instrumente sollte im Detail auf Art, Höhe und zeitlichem Verlauf des Exposures abgestimmt werden. Dabei sind auch mögliche Zahlungen aus Variation Margin, Anforderungen an Sicherheiten, Gegenparteirisiken und der verfügbare Finanzierungsrahmen zu berücksichtigen.

      Derivative Finanzinstrumente reduzieren Rohstoffpreisrisiken nur dann wirksam, wenn Grundgeschäft und Sicherungsinstrument wirtschaftlich hinreichend zusammenpassen. Neben dem Preisrisiko sind deshalb Mengenrisiken, Basisrisiken, Währungsrisiken, Liquiditätsrisiken und Gegenparteirisiken zu berücksichtigen. Basisrisiken entstehen beispielsweise, wenn Qualität, Lieferort, Referenzpreis oder Fälligkeit des physischen Grundgeschäfts vom gewählten Derivat abweichen, was z.B. bei petrochemischen Produkten oder Agrarrohstoffen besonders häufig der Fall ist. Auch eine Übersicherung sollte vermieden werden, wenn Bedarfsprognosen unsicher sind. Die durch die starken Kursbewegungen der Rohstoffe aktuell starken Marktwertänderungen von Derivaten im Zeitverlauf und die bilanzielle Abbildung qualifizierender Sicherungsbeziehungen sollten so ausgestaltet sein, dass sie Ergebnis, Eigenkapital und die wesentlichen Kennzahlen in geeigneter Weise beeinflussen. 

      Transparenz schaffen und das ökonomische Rohstoffexposure belastbar bestimmen

      Der Ausgangspunkt sollte stets eine unternehmensweit konsistente Ermittlung der physischen Rohstoffpositionen und der bereits abgeschlossenen derivativen Sicherungsgeschäfte sein. Gerade in international tätigen Unternehmen mit unabhängig agierenden Tochterunternehmen ist das ein starker Komplexitätstreiber. Zu berücksichtigen sind insbesondere erwartete Beschaffungsmengen, vertraglich fixierte Preise, Bestände, natürliche Absicherungen, verwendete Preisindizes, Währungseffekte und zeitliche Fälligkeiten. Daraus wird das offene ökonomische Exposure abgeleitet, für das anschließend geeignete Instrumente und Sicherungsquoten bestimmt werden können. Die Anforderungen des Hedge Accountings oder die Anwendung der sogenannten Own Use Exemption sind dabei je nach Ausgestaltung der Derivate-Bilanzierung zu berücksichtigen. 

      Das Corporate Treasury sollte darüber hinaus validieren, ob das bestehende Reporting Bruttoexposures und Nettoexposures, Sicherungsquoten, Fälligkeitsprofile, Marktwerte sowie Auswirkungen auf Liquidität und Limite angemessen und belastbar darstellt. Ergänzend können Sensitivitäten, Szenarien und Kennzahlen zur ökonomischen Sicherungswirkung einbezogen werden. Auf dieser Grundlage lassen sich Maßnahmen priorisieren und erforderliche Entscheidungen mit Rohstoffeinkauf, Risikomanagement, Controlling und Accounting abstimmen.

      Die erforderlichen Informationen sind meist vorhanden, jedoch über Gesellschaften, Standorte und Systeme verteilt. Ihre Zusammenführung kann bei heterogenen Datenquellen, unterschiedlichen Planungshorizonten sowie abweichenden Definitionen von Mengen, Materialien und Preisen komplex und zeitaufwendig sein. Für die laufende Steuerung sollten kurzfristige Bedarfe aus Produktion und Beschaffung, Bestände, längerfristige Planungen für Absatz und Einkauf sowie relevante konzerninterne Transaktionen in einer einheitlichen Datenbasis abgebildet werden. Aktualität, Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit und ein angemessener Detaillierungsgrad sind entscheidend, um die Risikopositionen belastbar zu quantifizieren.

      Für das Corporate Treasury ermöglicht diese Datenbasis die laufende Überwachung von Rohstoffexposures, Sicherungsquoten und Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente sowie ihrer Auswirkungen auf Liquidität und Limite. Sie schafft Transparenz über potenzielle Belastungen aus Variation Margin und Sicherheiten und unterstützt die Abstimmung von Sicherungsgeschäften mit Liquiditätsplanung, Finanzierungsrahmen und Counterparty-Limits. Daten zu Bedarf und Beschaffung stammen typischerweise aus Einkauf und operativer Planung. Risikomanagement, Controlling und Accounting ergänzen Informationen zu Risiken, Planung, Bewertung und Bilanzierung. Die fachliche und technische Integration dieser Informationen bleibt häufig anspruchsvoll.

      Auf dieser Grundlage lassen sich Sensitivitätsanalysen, Stresstests und rollierende Forecasts regelmäßig aktualisieren. Sie zeigen, wie sich Änderungen bei Preisen, Mengen, Währungen oder Liquidität auf offene Positionen, Cashflows und den Sicherungsbedarf auswirken. Dies erleichtert die Bewertung alternativer Maßnahmen in Beschaffung und Sicherung, etwa bei starken Preisbewegungen, geänderten Bedarfen oder eingeschränkter Marktliquidität. Zugleich kann der manuelle Aufwand für Datenaufbereitung und Abstimmung reduziert werden.

      Integrierte Lösungen für Daten und Analysen sind in einigen Branchen wie z.B. im Energiehandel größtenteils etabliert und gewinnen auch in rohstoffintensiven Industrieunternehmen in der aktuellen Marktlage an Bedeutung. Sie verbessern die Aktualität und Nachvollziehbarkeit der Steuerungsinformationen und unterstützen das Corporate Treasury bei Liquiditätsplanung, Risikoreporting und Überwachung von Sicherungsgeschäften. Beschaffungsentscheidungen liegen fachlich beim Rohstoffeinkauf, können jedoch auf einer konsistenten Informationsbasis mit Treasury abgestimmt werden.

      Handlungsfähigkeit im Rohstoffrisikomanagement sichern

      Die aktuelle Marktlage zeigt auf, dass eine belastbare Transparenz über physische Rohstoffpositionen, bestehende Sicherungsgeschäfte und deren Auswirkungen auf Liquidität, Finanzierung und Limite eine wesentliche Grundlage für die Unternehmenssteuerung in der rohstoffintensiven Industrie ist. Das Corporate Treasury sollte daher gemeinsam mit Rohstoffeinkauf, Risikomanagement, Controlling und Accounting prüfen, ob Datenbasis, Reporting und Sicherungsstrategie den veränderten Preis- und Volatilitätsbedingungen noch angemessen Rechnung tragen. Der gezielte Einsatz von Termingeschäften, Futures, Swaps oder Optionen kann dazu beitragen, Preisrisiken zu begrenzen und die Planbarkeit von Beschaffungskosten, Margen und Cashflows zu verbessern, sofern Instrumente, Sicherungsquoten und Laufzeiten auf das ökonomische Exposure abgestimmt sind. Angesichts der hohen Marktunsicherheit empfiehlt es sich, bestehende Positionen und Sicherungsmaßnahmen zeitnah zu überprüfen, identifizierten Anpassungsbedarf zu priorisieren und die erforderlichen Maßnahmen zielorientiert umzusetzen.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 168, September 2026

      Autoren:

      • Ralph Schilling, Partner, CFA, Partner, Head of Finance and Treasury Management, Treasury Accounting & Commodity Trading, KPMG AG
      • Bardia Nadjmabadi, Senior Manager, Finance and Treasury Management, Treasury Advisory and Commodity Trading, KPMG AG

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