Der Ausgangspunkt sollte stets eine unternehmensweit konsistente Ermittlung der physischen Rohstoffpositionen und der bereits abgeschlossenen derivativen Sicherungsgeschäfte sein. Gerade in international tätigen Unternehmen mit unabhängig agierenden Tochterunternehmen ist das ein starker Komplexitätstreiber. Zu berücksichtigen sind insbesondere erwartete Beschaffungsmengen, vertraglich fixierte Preise, Bestände, natürliche Absicherungen, verwendete Preisindizes, Währungseffekte und zeitliche Fälligkeiten. Daraus wird das offene ökonomische Exposure abgeleitet, für das anschließend geeignete Instrumente und Sicherungsquoten bestimmt werden können. Die Anforderungen des Hedge Accountings oder die Anwendung der sogenannten Own Use Exemption sind dabei je nach Ausgestaltung der Derivate-Bilanzierung zu berücksichtigen.
Das Corporate Treasury sollte darüber hinaus validieren, ob das bestehende Reporting Bruttoexposures und Nettoexposures, Sicherungsquoten, Fälligkeitsprofile, Marktwerte sowie Auswirkungen auf Liquidität und Limite angemessen und belastbar darstellt. Ergänzend können Sensitivitäten, Szenarien und Kennzahlen zur ökonomischen Sicherungswirkung einbezogen werden. Auf dieser Grundlage lassen sich Maßnahmen priorisieren und erforderliche Entscheidungen mit Rohstoffeinkauf, Risikomanagement, Controlling und Accounting abstimmen.
Die erforderlichen Informationen sind meist vorhanden, jedoch über Gesellschaften, Standorte und Systeme verteilt. Ihre Zusammenführung kann bei heterogenen Datenquellen, unterschiedlichen Planungshorizonten sowie abweichenden Definitionen von Mengen, Materialien und Preisen komplex und zeitaufwendig sein. Für die laufende Steuerung sollten kurzfristige Bedarfe aus Produktion und Beschaffung, Bestände, längerfristige Planungen für Absatz und Einkauf sowie relevante konzerninterne Transaktionen in einer einheitlichen Datenbasis abgebildet werden. Aktualität, Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit und ein angemessener Detaillierungsgrad sind entscheidend, um die Risikopositionen belastbar zu quantifizieren.
Für das Corporate Treasury ermöglicht diese Datenbasis die laufende Überwachung von Rohstoffexposures, Sicherungsquoten und Marktwerten der derivativen Finanzinstrumente sowie ihrer Auswirkungen auf Liquidität und Limite. Sie schafft Transparenz über potenzielle Belastungen aus Variation Margin und Sicherheiten und unterstützt die Abstimmung von Sicherungsgeschäften mit Liquiditätsplanung, Finanzierungsrahmen und Counterparty-Limits. Daten zu Bedarf und Beschaffung stammen typischerweise aus Einkauf und operativer Planung. Risikomanagement, Controlling und Accounting ergänzen Informationen zu Risiken, Planung, Bewertung und Bilanzierung. Die fachliche und technische Integration dieser Informationen bleibt häufig anspruchsvoll.
Auf dieser Grundlage lassen sich Sensitivitätsanalysen, Stresstests und rollierende Forecasts regelmäßig aktualisieren. Sie zeigen, wie sich Änderungen bei Preisen, Mengen, Währungen oder Liquidität auf offene Positionen, Cashflows und den Sicherungsbedarf auswirken. Dies erleichtert die Bewertung alternativer Maßnahmen in Beschaffung und Sicherung, etwa bei starken Preisbewegungen, geänderten Bedarfen oder eingeschränkter Marktliquidität. Zugleich kann der manuelle Aufwand für Datenaufbereitung und Abstimmung reduziert werden.
Integrierte Lösungen für Daten und Analysen sind in einigen Branchen wie z.B. im Energiehandel größtenteils etabliert und gewinnen auch in rohstoffintensiven Industrieunternehmen in der aktuellen Marktlage an Bedeutung. Sie verbessern die Aktualität und Nachvollziehbarkeit der Steuerungsinformationen und unterstützen das Corporate Treasury bei Liquiditätsplanung, Risikoreporting und Überwachung von Sicherungsgeschäften. Beschaffungsentscheidungen liegen fachlich beim Rohstoffeinkauf, können jedoch auf einer konsistenten Informationsbasis mit Treasury abgestimmt werden.