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      1. Warum KPIs im Treasury neu gedacht werden müssen

      Das Corporate Treasury steht heute vor deutlich komplexeren Anforderungen als noch vor wenigen Jahren. Es soll nicht nur Liquidität sichern und Finanzierungsprozesse steuern, sondern zunehmend auch Risiken frühzeitig sichtbar machen, Governance-Anforderungen unterstützen und belastbare Entscheidungsgrundlagen für das Management liefern. Volatilität an den Finanzmärkten, geopolitische Unsicherheiten, steigende regulatorische Erwartungen und technologischer Wandel erhöhen dabei den Anspruch an Transparenz, Reaktionsfähigkeit und Steuerungsqualität. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im KPMG Treasury Survey wider, der eine zunehmend strategische Rolle des Treasury sowie steigende Erwartungen an datengetriebene Steuerung und Entscheidungsunterstützung aufzeigt.

      Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein kritischer Blick auf aktuell übliche Treasury-Kennzahlen. Die Herausforderung liegt in der Praxis weniger im Mangel an KPIs als in historisch gewachsenen Kennzahlensets mit begrenzter Steuerungswirkung. Auch die Ergebnisse des Survey zeigen, dass Kennzahlen vielerorts zwar erhoben werden, jedoch nicht konsequent an entscheidungsrelevante Steuerungsgrößen, Governance-Anforderungen oder Risikofragen ausgerichtet sind.

      Ein steuerungsfähiges Treasury stützt sich daher nicht auf möglichst viele Kennzahlen, sondern auf ein klar strukturiertes und entscheidungsorientiertes KPI-Set. Für Treasury-Verantwortliche stellt sich dabei die zentrale Frage, welche KPIs tatsächlich zur Steuerung beitragen und wie diese so eingesetzt werden können, dass aus Transparenz konkrete Handlungsimpulse entstehen.

      Der folgende Beitrag zeigt, wie sich ein solches KPI-Set entlang zentraler Steuerungsfelder strukturieren lässt und welche Kennzahlen im Treasury 2026 besonders relevant sind.

      2. Wie Treasury-KPIs einzuordnen sind

      Die gestiegenen Anforderungen an das Corporate Treasury verdeutlichen, dass Kennzahlen im aktuellen und zukünftigen Umfeld deutlich mehr leisten müssen als reine Transparenz zu erzeugen. Sie sollten nicht isoliert berichtet werden, sondern als Bestandteil eines übergeordneten Steuerungssystems verstanden werden, das Entscheidungen unterstützt, Risiken frühzeitig sichtbar macht und Governance-Anforderungen abbildet.

      Ziel ist daher nicht die Erweiterung bestehender KPI-Sets, sondern deren konzeptionelle Einordnung: Welche Kennzahlen leisten tatsächlich einen Beitrag zur Steuerung, und welche bleiben auf reine Berichterstattung beschränkt? Im Mittelpunkt steht damit die Frage, wie sich KPIs systematisch nach ihrer Steuerungswirkung bewerten lassen.

      In der Praxis erfolgt diese Bewertung typischerweise entlang weniger zentraler Fragestellungen: 

      • Unterstützt der KPI konkrete Managemententscheidungen? 
      • Bildet dieser relevante Risiko- und Governance-Dimensionen ab? 
      • Und basiert er auf verlässlichen, konsistenten und zeitnah verfügbaren Daten? 

      KPIs, die diese Kriterien erfüllen, leisten einen direkten Beitrag zur Steuerung; andere Kennzahlen bleiben häufig rein deskriptiv.

      Ein belastbares KPI-Set zeichnet sich entsprechend dadurch aus, dass Kennzahlen klaren Entscheidungszwecken zugeordnet sind, auf einer stabilen Datenbasis beruhen und konsistent über Einheiten, Zeiträume und Szenarien hinweg interpretiert werden können. Diese konzeptionelle Einordnung bildet die Grundlage für die Auswahl und Weiterentwicklung von KPIs im Treasury.

      3. KPIs im Fokus: Ein kuratiertes Steuerungsset

      Die nachfolgende Auswahl von KPIs adressiert zentrale Steuerungsfragen im Corporate Treasury und orientiert sich an den Ergebnissen des KPMG Treasury Survey, der aktuelle Schwerpunkte und Steuerungsbedarfe in der Praxis aufzeigt. Im Fokus steht ein entlang zentraler Steuerungsfelder strukturiertes KPI-Set, das Kennzahlen in einen konsistenten Gesamtzusammenhang einordnet und gezielt auf Entscheidungsorientierung ausrichtet.

      Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Kennzahl als ihre Einbettung in ein konsistentes KPI-Set mit klarer fachlicher Logik, nachvollziehbaren Definitionen und klaren Vergleichs- und Zielgrößen.

      3.1 Liquidity Planning & Forecasting
      Liquidity Planning & Forecasting ist eines der zentralen Steuerungsfelder im Corporate Treasury. Die Qualität der Liquiditätsplanung entscheidet wesentlich darüber, ob kurzfristige Zahlungsfähigkeit, mittel- bis langfristige Finanzierungsspielräume und risikoorientierte Managemententscheidungen belastbar abgesichert werden können. Gerade in einem Umfeld erhöhter Marktvolatilität und unsicherer Refinanzierungsbedingungen reicht es nicht aus, Cashflow-Prognosen lediglich regelmäßig zu erstellen. Wichtig ist, ob ihre Aussagekraft systematisch gemessen, hinterfragt und für konkrete Entscheidungen genutzt wird. 

      Ein wesentlicher KPI ist die Cash Flow Forecast Accuracy. Sie misst die Abweichung zwischen prognostizierten und tatsächlich realisierten Cashflows. Die Kennzahl sollte nicht nur aggregiert betrachtet, sondern nach Planungshorizonten, Gesellschaften, Währungen und wesentlichen Cashflow-Kategorien differenziert werden. Erst dadurch wird sichtbar, ob Abweichungen aus strukturellen Planungsdefiziten, Datenqualitätsproblemen oder außergewöhnlichen Ereignissen resultieren. Für Treasury-Verantwortliche ist diese Kennzahl besonders relevant, weil sie die Verlässlichkeit von Finanzierungs-, Anlage- und Risikomanagemententscheidungen direkt beeinflusst. 

      Ergänzend dazu zeigt der Liquidity Headroom, welche verfügbare Liquidität dem Unternehmen nach Berücksichtigung erwarteter Spitzenabflüsse tatsächlich zur Verfügung steht. Er umfasst typischerweise vorhandene Zahlungsmittel sowie zugesagte, ungenutzte Kreditlinien, abzüglich kurzfristig erwarteter Liquiditätsbedarfe. Damit ist der Liquidity Headroom nicht nur eine Bestandsgröße, sondern ein Frühwarnindikator für finanzielle Resilienz. Sein Steuerungswert steigt, wenn er nicht isoliert berichtet, sondern mit Stressszenarien, Refinanzierungsentscheidungen und Management-Schwellenwerten verknüpft wird.

      Die Kennzahl Minimum Liquidity Days ergänzt diese Perspektive um eine zeitliche Dimension. Sie zeigt, wie lange ein Unternehmen unter definierten Annahmen zahlungsfähig bleibt, ohne eine zusätzliche Finanzierung in Anspruch zu nehmen. Damit unterstützt sie insbesondere die Beurteilung kurzfristiger Krisenfestigkeit und kann als Entscheidungsgrundlage für Maßnahmen wie die Ziehung von Kreditlinien, die Anpassung von Zahlungszielen oder die Priorisierung von Cash-Mobilisierung dienen. Voraussetzung ist jedoch eine klare Definition der zugrunde liegenden Annahmen, etwa zu operativen Einzahlungen, fixen Auszahlungen, verfügbaren Kreditlinien und möglichen Einschränkungen beim Zugriff auf Liquidität. 

      3.2 Cash Management & Payments
      Ein leistungsfähiges Cash Management stellt die reibungslose Abwicklung des Zahlungsverkehrs sicher und schafft gleichzeitig die Voraussetzung für eine effiziente konzernweite Liquiditätsnutzung. KPIs in diesem Bereich fokussieren daher sowohl Effizienz- als auch Risikodimensionen.

      Ein wesentlicher KPI zur Bewertung der konzernweiten Liquiditätsmobilisierung ist die Cash Pooling Participation Rate. Sie misst, welcher Anteil der verfügbaren Konzernliquidität tatsächlich in Cash Pooling Strukturen eingebunden ist und gibt damit Aufschluss über die Effektivität der internen Liquiditätsnutzung. Niedrige Quoten weisen häufig auf regulatorische Einschränkungen, operative Anbindungsdefizite oder lokale Besonderheiten einzelner Gesellschaften hin. Ihr Steuerungswert entsteht insbesondere im Zusammenspiel mit Finanzierungs  und Working Capital Fragestellungen, da nicht eingebundene Liquidität häufig zu vermeidbarem externem Finanzierungsbedarf führt. 

      Die Straight-Through-Processing Rate zeigt den Anteil der Zahlungen, die vollständig automatisiert und ohne manuelle Eingriffe verarbeitet werden. Sie dient als Maß für Prozessstandardisierung, Automatisierungsgrad und operatives Risiko im Zahlungsverkehr. Hohe STP-Quoten sprechen in der Regel für stabile Schnittstellen und saubere Datenstrukturen, sollten jedoch nicht isoliert interpretiert werden. Manuelle Sonderprozesse oder risikoreiche Ausnahmen außerhalb des Standardflusses können durch eine hohe STP-Rate verdeckt werden, weshalb eine Kombination mit Fehler- und Ausnahmeindikatoren entscheidend ist. 

      Die Payment Error bzw. Rejection Rate misst den Anteil fehlerhafter oder von Banken zurückgewiesener Zahlungen. Sie liefert wichtige Hinweise auf Stammdatenqualität, Formatanforderungen, Systemstabilität und die Effektivität der Bankanbindung. Im Kontext von ISO 20022 und der Verification of Payee (VoP) gewinnt die Kennzahl zusätzlich an Bedeutung. Neue, strukturierte Datenmodelle und erweitere Prüfungen sorgen dafür, dass Abweichungen früher erkannt werden. Dadurch können insbesondere zu Beginn oder bei unzureichender Datenqualität vorübergehend mehr Zahlungsablehnungen sichtbar werden. Erhöhte Quoten deuten daher häufig auf Schwächen in der Datenpflege, in Mapping- und Validierungslogiken oder in Freigabe- und Kontrollprozessen hin. Als Frühwarnindikator trägt die Kennzahl wesentlich zur Reduzierung operativer, Fraud- und Reputationsrisiken bei. 

      3.3 Financing
      Im Bereich Financing stehen die Kosten, Flexibilität und Stabilität der externen Finanzierung im Fokus. KPIs dienen hier dazu, Finanzierungseffizienz transparent zu machen und Risiken frühzeitig sichtbar werden zu lassen.

      Die Weighted Average Cost of Funding (WACF) aggregiert die Finanzierungskosten über alle Instrumente, Laufzeiten und Währungen hinweg und ist eine zentrale Kennzahl zur Beurteilung der Finanzierungseffizienz. Ihr Mehrwert liegt weniger in der isolierten Betrachtung als in der Analyse von Treibern, etwa der Instrumentenstruktur, Kreditratings, Marktbedingungen oder Sicherheiten. Veränderungen der WACF liefern wichtige Impulse für Anpassungen der Finanzierungsstrategie. 

      Ergänzend dazu gibt die Committed Facility Utilization Aufschluss über die Nutzung externer Finanzierungsspielräume. Sie setzt gezogene Kreditlinien ins Verhältnis zu den zugesagten Linien und zeigt, wie stark ein Unternehmen aktuell auf externe Liquiditätsquellen angewiesen ist. Eine hohe Auslastung kann auf eingeschränkte interne Liquiditätsspielräume oder erhöhte Marktunsicherheit hindeuten und ist daher eng mit Refinanzierungs- und Liquiditätsrisiken verknüpft. 

      Der Covenant Headroom misst den Abstand zu vertraglich definierten Finanzkennzahlen in Kreditverträgen. Er fungiert als zentrales Frühwarnsignal für potenzielle Finanzierungseinschränkungen und Verstöße. In der Praxis gewinnt die Kennzahl an Steuerungswirkung, wenn sie eng mit Forecasts, Szenarioanalysen und Management-Triggern verbunden ist. 

      3.4 Bank Account Management
      Bank Account Management ist ein oft unterschätztes, aber Governance-relevantes Steuerungsfeld im Treasury. Die zugehörigen KPIs adressieren Komplexität, Kosten und operationelle Risiken.

      Die Kennzahl Bank Accounts per Legal Entity misst die Anzahl aktiver Bankkonten je Rechtseinheit und dient als Indikator für organisatorische Komplexität, KYC-Aufwand und potenzielle Fraud-Risiken. Eine hohe Kontodichte erschwert Transparenz, erhöht Kontrollaufwand und bindet Ressourcen. Die Kennzahl unterstützt daher Entscheidungen zur Kontenbereinigung und Standardisierung. 

      Zur Steuerung bankbezogener Kosten wird häufig die Kennzahl Annual Bank Fees vs. Budget herangezogen. Sie vergleicht die tatsächlich angefallenen Bankgebühren mit den geplanten Kosten und dient als wichtige Grundlage für Kostenkontrolle und Bankenverhandlungen. Abweichungen liefern Hinweise auf Volumenänderungen, ineffiziente Kontenstrukturen oder nicht marktgerechte Preisvereinbarungen. 

      Die Automation Rate misst den Anteil der Kontoauszugs- und Abstimmprozesse, der regelbasiert und ohne manuelle Klärung verarbeitet wird. Ihr Steuerungswert liegt darin, dass sie die tatsächliche Automatisierungsleistung im Kernprozess „Accounting und Treasury Reconciliation“ sichtbar macht und gezielt auf die wichtigsten Störtreiber lenkt, zum Beispiel fehlende Referenzen, uneinheitliche Buchungstexte oder unvollständige Stammdaten. Im Kontext von ISO 20022 verbessern strukturierte CAMT-Formate die Datenbasis für Matching und Ausnahmebehandlung, weil mehr strukturierte Felder für Referenzen und Zusatzinformationen verfügbar sind. Damit wird nicht „automatisch“ mehr automatisiert, aber die Voraussetzung geschaffen, Regeln robuster zu gestalten und Ausnahmen systematisch zu reduzieren. 

      3.5 Financial Risk Management
      Financial Risk Management umfasst im Corporate Treasury die systematische Identifikation, Quantifizierung und Steuerung finanzieller Risiken. Vor dem Hintergrund zunehmender Marktvolatilität, geopolitischer Unsicherheiten und dynamischer Zinsentwicklungen gewinnen risikoorientierte KPIs weiter an Bedeutung. In einer zunehmend VUCA-geprägten Welt (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) ist es dabei entscheidend, nicht nur bestehende Risikopositionen transparent zu machen, sondern deren potenzielle Auswirkungen auf Ergebnis, Liquidität und finanzielle Stabilität frühzeitig zu antizipieren und aktiv zu steuern.

      Der Cash Flow at Risk (CFaR) quantifiziert den potenziellen negativen Einfluss von Marktbewegungen auf zukünftige Cashflows innerhalb eines definierten Planungshorizonts und Konfidenzniveaus. Er bietet damit eine probabilistische Risikosicht und unterstützt dadurch insbesondere die Ableitung und Steuerung von Hedging-Strategien. Wie im Artikel „At-Risk-Risikomaße im Treasury“ der KPMG Corporate Treasury News (Ausgabe 141) beschrieben, ermöglichen At-Risk-Kennzahlen dabei eine integrierte Portfoliobetrachtung unter Berücksichtigung von Volatilitäten sowie Diversifikations- und Korrelationseffekten zwischen Risikofaktoren und liefern damit eine deutlich höhere Aussagekraft für die Steuerung.

      Die Interest Rate Sensitivity misst die Auswirkungen von Zinsänderungen auf das Zinsergebnis, typischerweise basierend auf standardisierten Zinsshocks (z. B. ±100 Basispunkte). Sie zeigt den Einfluss auf den jährlichen Zinsaufwand und schafft damit eine klare und verständliche Transparenz über die Zinsabhängigkeit des Unternehmens. 

      Die Counterparty Limit Utilization misst das aktuelle Exposure gegenüber Banken und anderen Finanzkontrahenten im Verhältnis zu den festgelegten Kreditlimiten. Die Kennzahl schafft Transparenz über die Auslastung einzelner Gegenparteien und stellt sicher, dass die definierten Risikogrenzen eingehalten werden. Sie dient damit als zentraler Steuerungsindikator im Gegenparteirisikomanagement und ermöglicht eine frühzeitige Identifikation von Konzentrationsrisiken.

      4. Wie aus KPIs echte Steuerung im Treasury entsteht

      KPIs entfalten ihre Steuerungswirkung nur dann, wenn sie verstanden, akzeptiert und konsequent genutzt werden. Treasury-Verantwortliche sollten daher auf klare KPI-Ownership, ein einheitliches Verständnis von Definitionen und die Fähigkeit achten, Abweichungen richtig zu interpretieren und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. In der Praxis zeigt sich dabei häufig, dass die Herausforderung weniger in der Verfügbarkeit von KPIs liegt, sondern in unklaren Verantwortlichkeiten, uneinheitlichen Definitionen und einer inkonsistenten Nutzung im Reporting und in der Entscheidungsfindung.

      Entscheidend ist, KPIs konsequent in Entscheidungs- und Steuerungsprozesse zu integrieren. Ein belastbares KPI-Set verbindet Kennzahlen mit klaren Verantwortlichkeiten, verlässlichen und zeitnah verfügbaren Datenquellen sowie definierten Reaktionsmechanismen. Abweichungen sollten systematisch adressiert und gezielt in Managemententscheidungen überführt werden, um die gewünschte Steuerungswirkung zu entfalten.

      Dabei kommt Systemen und Datenprozessen eine zentrale Rolle zu. Treasury-Systeme können Daten konsolidieren, Validierungen unterstützen und KPIs standardisiert sowie automatisiert bereitstellen. Zunehmend integrieren moderne TMS auch Reporting- und Analytics-Funktionalitäten mit vordefinierten Datenmodellen und ermöglichen so eine schnellere KPI-Generierung. Entscheidend bleibt jedoch die konsequente Gestaltung der vorgelagerten Datenerhebungs-, Mapping- und Validierungsprozesse sowie deren Einbindung in die Steuerungslogik, da andernfalls selbst integrierte Analytics-Lösungen und Dashboards lediglich Transparenz schaffen, ohne tatsächlich steuerungswirksam zu sein. 

      In diesem Zusammenhang hängt die Steuerungswirkung im Treasury maßgeblich von den zugrunde liegenden „Enabling Factors“ ab. Dazu zählen insbesondere eine hohe Datenqualität sowie integrierte und leistungsfähige Systemlandschaften. Nur wenn Daten konsistent und zeitnah verfügbar sind, können KPIs verlässlich interpretiert und für Entscheidungen genutzt werden. Auch der Einsatz von Advanced Analytics und Künstlicher Intelligenz gewinnt an Bedeutung, da er Prognosen verbessert und Entscheidungsprozesse unterstützt. Erst durch die konsequente Einbindung dieser Faktoren in die Steuerungslogik entsteht eine belastbare Grundlage für eine datengetriebene Treasury-Steuerung.

      In der Praxis sollten Treasury-Verantwortliche daher sicherstellen, dass für jeden Indikator klar definiert ist, welche Entscheidung dieser unterstützt, welcher Schwellenwert eine Aktion auslöst und wer für die Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen verantwortlich ist. Ein wirksames KPI-System zeichnet sich somit nicht durch möglichst viele Kennzahlen aus, sondern durch Relevanz und klare Anschlussfähigkeit an Entscheidungen. Treasury-Verantwortliche sollten ihre KPI-Landschaft zudem regelmäßig hinterfragen: 

      • Unterstützen die bestehenden KPIs konkrete Steuerungs- und Managemententscheidungen?
      • Bilden sie zentrale Risiko- und Governance-Fragestellungen ab?
      • Führen Abweichungen zu klaren Handlungsimpulsen?

      Erst wenn KPIs konsequent in Entscheidungen überführt werden, wird aus Reporting echte Steuerung.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 166, Juni 2026

      Autoren:

      • Nils Bothe, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Karin Schmidt, Senior Managerin, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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