Im kommenden Jahr steht den Banken im Euroraum turnusgemäß ein Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) bevor – doch dieser ist anders als alle vorherigen. Denn die Institute müssen methodisch neue Wege beschreiten. Erstmals fordert die EZB die von ihr beaufsichtigten Institute im Rahmen eines sogenannten inversen Stresstests („Reverse Stresstest“) auf, ein eigenes Szenario zu geopolitischen Risiken zu entwickeln.
Banken müssen also nicht, wie üblich, auf ein von der Aufsicht vorgegebenes Szenario reagieren, sondern sollen selbst ein passendes geopolitisches Szenario entwickeln – orientiert an der von der EZB vorgegebenen Minderung der Kapitalquote.
Ziel ist es, die eigene Verwundbarkeit gegenüber politischen Schocks zu erkennen – und zu analysieren, wie sich geopolitische Veränderungen auf Kapital, Liquidität und Geschäftsmodell auswirken.
Der Test ist Teil des zweijährlichen EZB-Stresstest-Zyklus, der zuletzt Klimarisiken (2022) und Cyberrisiken (2024) thematisierte. Für den Zeitraum 2025-2027 hat die EZB geopolitische Risiken ausdrücklich als aufsichtliche Priorität definiert – nicht zuletzt angesichts wachsender globaler Krisen.