DORA stellt Anforderungen an die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) von Finanzunternehmen sowie deren IKT-Dienstleister, zum Beispiel Cloud-Provider. Angesichts der Vielzahl an Anforderungen wählen wir drei Beispiele aus, um die aus unserer Sicht unterschätzte Relevanz der CMDB im DORA-Kontext hervorzuheben:
1. IKT-Altsysteme: Besondere Anforderungen im Zusammenhang mit der Steuerung von IT-Risiken werden an sogenannte IKT-Altsysteme gestellt. Gemäß DORA ist das ein System, das das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, aus technologischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht für Upgrades oder Fehlerbehebungen in Frage kommt oder nicht mehr von seinem Anbieter oder einem IKT-Drittdienstleister unterstützt wird. Es wird aber weiter genutzt und gebraucht. Mit einer vollständigen CMDB, in der sogenannte End-of-Life-Daten an Anwendungen und Systemen gepflegt sind, können IKT-Altsysteme identifiziert und gemanagt werden.
Bei ausgelagerter IT bieten sich die Dienstleister und Provider des Finanzunternehmens als Quelle für die End-of-Life-Daten an. Es empfiehlt sich, das Attribut „IKT-Altsystem“ im Datenmodell der CMDB zu etablieren und die entsprechenden Systeme entsprechend zu kennzeichnen. Das schafft Transparenz und erleichtert den Zugriff auf diese Informationen für verschiedene Fachbereiche.
2. Kritische oder wichtige Funktionen: Ein zentraler Aspekt von DORA ist das Identifizieren der sogenannten „kritischen oder wichtigen Funktionen“ – also Prozesse – in einem Finanzunternehmen. Zur vollständigen Abbildung des Informationsverbunds in der CMDB gehört auch die Abbildung der Geschäftsprozesse.
Analog zu den IKT-Altsystemen empfiehlt es sich auch hier, die kritischen oder wichtigen Prozesse durch Erweiterung des CMDB-Datenmodells zu kennzeichnen und nachhaltig aktuell zu halten. Darüber hinaus ist diese Kennzeichnung essenziell für das IKT-Vorfallmanagement.
3. Klassifizierung IKT-bezogener Vorfälle: Im sogenannten IKT-Vorfallmanagement fordert DORA die Klassifizierung von Vorfällen (Incidents) und sieht strenge zeitliche Vorgaben für das Melden schwerwiegender IKT-Vorfälle an die Aufsicht vor. Darüber hinaus ist eine schnelle und effektive Reaktion auf Sicherheitsvorfälle unerlässlich, um die Auswirkungen auf das Unternehmen so gering wie möglich zu halten.
Um diese Vorgaben zu erfüllen, sind zwei Maßnahmen essenziell. Zum einen bedarf es der Kennzeichnung kritischer oder wichtiger Geschäftsprozesse in der CMDB, zum anderen muss das IKT-Vorfallmanagement auf die entsprechenden CMDB-Daten zugreifen können, um unmittelbar einen Bezug zu einem Geschäftsprozess über den Informationsverbund herstellen zu können. Nur so können die tatsächlichen Auswirkungen eines Incidents auf alle (Geschäfts-)Prozesse innerhalb kürzester Zeit bewertet werden.