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      Key Facts

      • Echtzeithandel, gleichzeitig umzusetzende Regulierungsprojekte und neue Aufgabenprofile treiben Verantwortliche im Kapitalmarktgeschäft um.
      • Die Zukunft des Kapitalmarkts verlangt technologisch und organisatorisch neue Strukturen.
      • Verantwortliche müssen konsequent an Veränderungen in der Ablauforganisation arbeiten, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

      Wie sieht die Zukunft des Kapitalmarkts aus? Entscheiderinnen und Entscheider in Banken, bei Asset Managern und in Wertpapierunternehmen stehen aktuell vor großen regulatorischen, technologischen und organisatorischen Veränderungen. Auch Produkte müssen sich wandeln.

      Wie sieht die Zukunft des Kapitalmarkts aus?

      Auf der Suche nach der Antwort auf diese Frage sind vor allem drei Entwicklungen genau zu analysieren:

      • Kapitalmärkte bewegen sich heute in Richtung Echtzeithandel und 24/7-Verfügbarkeit.

      • Regulierung wird zunehmend international harmonisiert bei gleichzeitig weiterwachsender Komplexität.

      • Aufgabenprofile verschieben sich deutlich weg von operativer Verarbeitung hin zu Steuerung und Interpretation.

      Diese Trends sind nicht neu. Ihre Entwicklung nimmt aber, vor allem durch künstliche Intelligenz (KI), zunehmend an Tempo auf, sie entwickeln sich parallel zueinander und erfordern immer mehr Konsequenz bei der Bearbeitung.

      Wie verändert das hohe Tempo den Handel am Kapitalmarkt?

      Der Handel an den Kapitalmärkten bewegt sich klar in Richtung Echtzeit: Sicherheiten sollen am selben Tag verfügbar sein, Liquidität flexibel steuerbar und Prozesse durchgängig ohne zeitliche Unterbrechung funktionieren. Technologisch ist vieles davon bereits möglich.

      Gleichzeitig stoßen diese Anforderungen in der Praxis auf veraltete Strukturen. In vielen Instituten sind zentrale Prozessketten immer noch auf das Verarbeiten von Batches ausgelegt – einen nach dem anderen. Lange waren Nachtläufe, definierte Cut-off-Zeiten und manuelle Kontrollpunkte effiziente Lösungen in diesem Zusammenhang.

      Jetzt aber werden sie zum Engpass, wenn schon die vorgelagerten Prozesse nahezu in Echtzeit ablaufen. Ein Beispiel: Während Handelsdaten nahezu unmittelbar verfügbar sind, verzögert sich die Weiterverarbeitung in nachgelagerten Systemen.

      Um Fristen einzuhalten, werden weitere manuelle Arbeitsabläufe etabliert, die unter noch größerem Druck stehen. Sie sind kurzfristig wirksam, erhöhen langfristig aber immer weiter die Komplexität für alle. Die Lücke zwischen dem, was technologisch möglich ist, und der strukturellen Wirklichkeit in den Abläufen wird größer. Und sie lässt sich nicht durch kleinteilige Verbesserungen schließen, die demselben Prinzip folgen.

      Wie stark sich die Marktinfrastruktur bereits verändert, zeigt die zunehmende Digitalisierung über dezentrale Netzwerke. Tokenisierte Strukturen bilden Finanzinstrumente vollständig digital ab, und programmierbare Logiken wie Smart Contracts führen Vertragsbedingungen automatisch aus.

      Dass diese Transformation bereits in vollem Gange ist, belegen konkrete Emissionen am Markt. Mehrere internationale Emittenten haben erfolgreich digitale Anleihen begeben, zum Beispiel eine Einheit der Hong Kong Monetary Authority, deren Emission vom Juni 2026 die bislang größte digitale Anleihe weltweit darstellt.

      Ein weiteres Beispiel liefert Siemens, dessen digitale Anleihe über eine Blockchain emittiert wurde und verdeutlicht, dass Emittenten nicht mehr zwingend auf traditionelle Intermediäre angewiesen sind. Die Erfahrungen mit T+1 in den USA weisen in dieselbe Richtung, denn sinkende Kapitalbindung sowie hohe Affirmations- und stabile Settlement-Quoten zeigen, welche Effekte bei einer weiteren Beschleunigung bis hin zu T+0 realisierbar sind.

      Regulierung: Vom einzelnen Projekt zum fortlaufenden Veränderungsprozess

      Ein Blick auf den Umgang mit Regulierung zeigt, wie stark sich die Realität bereits verändert hat. Was früher als klar abgegrenztes Umsetzungsprojekt organisiert werden konnte, ist heute in vielen Häusern zu einem kontinuierlichen Anpassungsprozess geworden.

      Während beispielsweise vor mehreren Jahren die Einführung des T+2-Settlements noch weitgehend isoliert umgesetzt wurde, überlagern sich heute Initiativen wie T+1, EMIR Refit und MiFIR-Anpassungen häufig mit unterschiedlichen Timelines, Datenanforderungen und Interpretationsspielräumen.

      In der Praxis führt das zu Situationen, die vielen Organisationen vertraut sind: Ein Reporting-Team arbeitet gleichzeitig an mehreren regulatorischen Änderungen, nutzt dabei jedoch unterschiedliche Datenstände und Logiken. Eine Anpassung in der Transaktionsklassifikation löst plötzlich Rückfragen in einem anderen Meldekontext aus.

      Abstimmungen zwischen Fachbereich, IT und Compliance häufen sich nicht, weil einzelne Anforderungen besonders komplex wären, sondern weil sie parallel greifen. Die eigentliche Herausforderung liegt damit nicht mehr in der Umsetzung einzelner Vorgaben, sondern in der Fähigkeit, dauerhafte Veränderung organisatorisch und technologisch zu verankern.

      Parallel zu diesen einzelnen Regelwerken verändert sich zugleich das übergeordnete Marktumfeld. Mit dem Plan einer Spar- und Investitionsunion (SIU) treibt die Europäische Kommission die Kapitalmarktunion in eine neue Phase und will die bislang fragmentierten nationalen Märkte zu einem integrierten europäischen Finanzsystem weiterentwickeln.

      Für Banken geht damit eine zunehmende Harmonisierung der Aufsichts-, Daten- und Marktstandards einher, die unmittelbar auf Themen wie T+1, EMIR 3.0 und den MiFIR Review wirkt. Mit dem Wegfall nationaler Marktgrenzen wächst zugleich der Wettbewerb unter den europäischen Banken spürbar, da Kunden, Emittenten und Investoren künftig leichter über Ländergrenzen hinweg zwischen Anbietern wählen können.

      Die Möglichkeiten, das Geschäft europaweit zu skalieren, konsistente Datenhaushalte und integrierte Prozessketten werden damit zur Grundvoraussetzung, um im künftigen Marktumfeld handlungsfähig zu bleiben.

      Technologie verändert Rollen und erfordert eine neue Ablauforganisation

      Der Einfluss neuer Technologien, insbesondere von KI, wird häufig auf Effizienzgewinne reduziert. In der Realität greift diese Perspektive zu kurz.

      Bereits heute übernehmen Systeme Aufgaben, die früher manuell ausgeführt wurden: Sie identifizieren Auffälligkeiten in Transaktionsdaten, schlagen Klassifikationen vor oder prüfen Datenqualität kontinuierlich im Hintergrund.

      Ein klassischer Abstimmungsfall, der früher mehrere Bearbeitungsschritte erforderte, wird in vielen Fällen heute automatisch erkannt und vorstrukturiert. Damit verändert sich nicht nur die Geschwindigkeit von Prozessen, sondern die Art der Arbeit selbst.

      In vielen Organisationen ist diese Verschiebung bereits sichtbar – allerdings oft implizit. Rollen entwickeln sich in der Praxis schneller weiter, als sie formal beschrieben oder qualifiziert werden. Genau hier entsteht eine Lücke, die mittelfristig zum Engpass werden kann. Institute müssen gegensteuern und aktiv neue Abläufe gestalten: Mitarbeitende greifen weniger operativ ein, sondern bewerten Ergebnisse, hinterfragen Modellentscheidungen und ordnen regulatorische Implikationen ein.

      Warum der Wandel vielerorts ins Stocken gerät

      Sie benötigen durchgängig digitale Prozessketten, modulare IT-Architekturen, konsistente Daten und eng miteinander verzahnte Organisationseinheiten. Zum Teil sind einzelne Aspekte davon heute bereits realisiert – allerdings selten in der gesamten Organisation.

      Das Muster ist oft ähnlich: Transformation findet statt, aber nicht mit der notwendigen Geschwindigkeit oder Konsequenz. Die Ursachen sind selten isoliert, sondern liegen im Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

      • historisch gewachsene Systemlandschaften, die die Integration neuer Technologien erschweren
      • unterschiedliche Datenlogiken für regulatorisch vergleichbare Sachverhalte
      • begrenzte Skalierbarkeit, die sich insbesondere in Stressphasen zeigt
      • Organisationen, in denen neue Rollen zwar entstehen, aber noch nicht klar verankert sind

      Diese Punkte wirken im Alltag oft beherrschbar. In Kombination führen sie jedoch dazu, dass Institute ihr bestehendes Modell kontinuierlich anpassen, anstatt es grundlegend weiterzuentwickeln.

      Zwischen Fortschritt und strukturellem Nachholbedarf

      Der Kapitalmarkt der Zukunft ist keine Utopie – er entsteht bereits schrittweise und mit steigender Geschwindigkeit, zusätzlich getrieben durch neue Wettbewerber. Dass viele Institute dennoch hinter diesem Zielbild zurückbleiben, hat weniger mit fehlender Aktivität zu tun als mit strukturellen Grenzen:

      • Transformation wird häufig in Einzelinitiativen statt ganzheitlich gesteuert
      • Regulierung wird noch immer oft reaktiv statt integriert gedacht
      • und der Wandel von Rollen und Fähigkeiten erfolgt implizit statt strategisch gesteuert

      Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsdruck. Der richtige Zeitpunkt, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, liegt nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt. Für viele Organisationen bedeutet das, innezuhalten und das eigene Setup kritisch zu hinterfragen: Wo entstehen heute bereits Reibungsverluste? Welche Prozesse sind nicht skalierbar? Wo verhindern gewachsene Strukturen die notwendige Geschwindigkeit?

      Gleichzeitig geht es darum, über kurzfristige Optimierungen hinauszudenken. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, ein langfristiges Zielbild zu entwickeln und die Transformation dorthin aktiv zu steuern, anstatt sich schrittweise an steigende Anforderungen anzupassen.

      Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob sich das Kapitalmarktgeschäft verändert, sondern ob das eigene Operating Model mit dieser Veränderung Schritt halten kann.

       

      Dieser Text entstand unter der Mitwirkung von Luca Engelhardt.

      FS Hub Logo

      Christoph Betz

      Partner, Financial Services

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

      Thomas Schiebe

      Senior Manager, Financial Services

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


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