Die Folgen einer fehlenden Harmonisierung wirken sich auch auf die Gesamtperformance des Unternehmens aus. Ineffiziente Organisationsstrukturen und Prozesse führen zu hohen Abstimmungsaufwänden und inhomogene Systeme zu schlechter Datenqualität und Wartungsaufwänden. Insgesamt führt das zu höheren Kosten und einer schlechteren Leistungserbringung an die Kund:innen. Im schlechtesten Fall resultiert die Unzufriedenheit der Kund:innen in Abwanderung und Illoyalität, was wiederum Umsatzverluste und erhöhte Akquisekosten zur Folge hat.
Die Organisationsebene
Bei großen VoC-Projekten fehlen oft einheitliche Governance-Strukturen und Richtlinien, die zu einer unzureichenden Projektsteuerung führen. Eine effektive Governance-Struktur sollte klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse definieren, die auf die strategischen Unternehmensziele ausgerichtet sind. Eine klare Regelung von Timelines, Prozessen und Verantwortlichkeiten ist für die optimale Zusammenarbeit von verschiedenen Abteilungen sowie Ländergesellschaften und externen Dienstleistern unerlässlich.
In vielen Unternehmen agieren Teams und Regionen unabhängig voneinander, was zu unterschiedlichen Verantwortlichkeiten für die VoC-Prozesse und Systeme führt. Ländergesellschaften oder Abteilungen handeln mitunter eigenständig bei der Einholung, Analyse und Interpretation von Feedback sowie bei der Ausarbeitung von Maßnahmen. Die so entstehenden Silos erschweren die Transparenz über Aktivitäten anderer Abteilungen und führen zu einem Unverständnis über Entscheidungen, die auf Daten anderer Abteilungen beruhen. Die Etablierung von einheitlichen Strukturen sowie einer regelmäßigen Kommunikation zwischen relevanten Stakeholdern schafft die notwendige Transparenz für eine effiziente Zusammenarbeit.
Ein weiteres Hindernis ist die unzureichende Begleitung der Stakeholder durch entsprechende Change-Maßnahmen um die Relevanz und die Ziele eines VoC-Projekts zu vermitteln. Hierbei sind beispielsweise gezielte Mitarbeiterschulungen zu Prozessen und Systemen entscheidend, um die Akzeptanz und Effektivität des VoC-Projekts zu verbessern. Das Commitment des Top-Managements zur Steuerung und Durchsetzung von VoC-Projekten ist dabei unerlässlich. Zusätzlich können Pilotprojekte helfen, Best Practices zu generieren, Akzeptanz zu schaffen und anschließend Skaleneffekte zu erzielen.
Die Prozessebene
Die Integration von standardisierten Feedback-Loops ist essenziell für die erfolgreiche Implementierung von VoC-Prozessen. Diese sollten das Sammeln von Feedback, die Analyse, die Implementierung von Änderungen und die Kommunikation dieser Änderungen an die Kunden umfassen. Im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung, sollten VoC-Prozesse mit weiteren Unternehmensprozessen verbunden sein, um auf Kundenfeedback basierende Maßnahmen schnell umsetzen zu können. Zusätzliches Tracking von KPIs unterstützt die Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen. So kann eine schnelle Lösung von Kundenproblemen sowie die kontinuierliche Verbesserung des gesamten Kundenerlebnisses sichergestellt werden.
Eine weitere Herausforderung ist die Verwendung unterschiedlicher Befragungsmethoden und Touchpoints zur Erfassung von Kundenfeedback zum Beispiel über Umfragen, Social Media, Support-Anfragen und Rezensionen. Auch die fehlende Standardisierung bei der Analyse von Kundenfeedback, insbesondere die Verwendung unterschiedlicher KPIs und deren Definitionen, kann die Vergleichbarkeit und Konsistenz der Ergebnisse beeinträchtigen. Unternehmensweite Standards helfen, die Datenqualität zu verbessern und vergleichbare Ergebnisse über die Kundenerwartungen und das -verhalten zu generieren und diese nutzbar zu machen.
Die Systemebene
In vielen Unternehmen liegen Daten in verschiedenen Systemen wie CRM, Supporttickets und Social Listening Tools fragmentiert vor. Diese Datenfragmentierung kann die Verfügbarkeit und Qualität der Daten beeinträchtigen, wenn die Systeme nicht miteinander verbunden sind und unterschiedliche Datenformate verwenden.
Die Einführung einer zentralen VoC-Plattform kann helfen, die Daten zusammenzuführen, eine ganzheitliche „Voice-of-the-Customer“ zu generieren und diese nutzbar zu machen. Dazu sollte die VoC-Plattform nahtlos mit bestehenden Geschäftssystemen wie CRM und Data Warehouses integriert werden, um eine einheitliche Sicht auf Kundendaten zu ermöglichen. Durch eine zentrale Datenauswertung und -visualisierung können faktenbasierte operative Maßnahmen und strategische Entscheidungen ermöglicht werden. Zusätzlich können automatisiert Prozesse initiiert werden, um die Effizienz interner Prozesse und die Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber dem Kunden zu steigern.
Sind die nötigen Voraussetzungen vorhanden, kann der Einsatz von KI und maschinellem Lernen die Performance von VoC-Plattformen weiter steigern. Etwa durch automatisierte Datenanalysen, bessere Datenqualität und eine effizientere Verarbeitung von Feedback.