Digitale Souveränität ist eine der zentralen Voraussetzung für den verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Geopolitische Spannungen, strengere Regulierung und wachsende Abhängigkeiten von globalen Technologieanbietern erhöhen den Druck auf Banken, Versicherer und Asset Manager. Wer KI einsetzen will, sollte nachweisen können, dass Daten, Modelle und Systeme unter eigener Kontrolle stehen – technisch wie organisatorisch.
Warum betrifft digitale Souveränität den KI-Einsatz?
KI-Systeme im Finanzsektor verarbeiten sensible Daten und unterstützen Entscheidungen mit spürbaren Auswirkungen, etwa in Kreditprozessen oder im Risikomanagement. Digitale Souveränität bedeutet hier mehr als Datenschutz. Es geht um nachvollziehbare Modelle, kontrollierte Datenflüsse und die Fähigkeit, Systeme auch unter veränderten politischen oder rechtlichen Bedingungen sicher zu betreiben. Nur wer diese Kontrolle behält, kann KI dauerhaft einsetzen und gegenüber Aufsicht und Kunden begründen.
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Was umfasst digitale Souveränität in der Praxis?
Das Whitepaper, das wir gemeinsam mit T-Systems erstellt haben, beschreibt digitale Souveränität als Zusammenspiel mehrerer Ebenen. Dazu zählen die Kontrolle über Daten und Schlüssel, der Einsatz offener und portabler Technologien sowie nachvollziehbare KI-Modelle. Ebenso wichtig ist der Betrieb innerhalb des europäischen Rechtsrahmens, einschließlich transparenter Zugriffe und Protokolle. Erst wenn diese Aspekte zusammenkommen, entsteht eine belastbare Grundlage für vertrauenswürdige KI.
Wie sieht der Weg zur souveränen KI konkret aus?
Im Whitepaper skizzieren wir eine Roadmap, wie Ihr Unternehmen in drei Phasen eine größere digitale Souveränität erreichen kann. Zunächst geht es darum, Transparenz zu schaffen und Daten und KI-Anwendungen kritisch zu analysieren und zu prüfen, ob bereits Abhängigkeiten von Anbietern und Rechtsräumen bestehen. Diese Bestandsaufnahme bildet die Grundlage, um Risiken gezielt zu priorisieren und erste Governance-Strukturen aufzusetzen.
In der zweiten Phase werden die technischen und organisatorischen Voraussetzungen gefestigt. Dazu zählen der Aufbau oder die Nutzung europäischer KI- und Cloud-Plattformen, klare Regelungen zur Schlüsselhoheit sowie überprüfbare Prozesse für Dokumentation und Auditierbarkeit. Ziel ist es, regulatorische Anforderungen nicht isoliert zu erfüllen, sondern dauerhaft in den Betrieb zu integrieren.
In der dritten Phase sollte digitale Souveränität schließlich im laufenden Geschäft verankert werden. Governance-Modelle, Prüfmechanismen und Exit-Szenarien werden regelmäßig getestet und weiterentwickelt. Damit entsteht eine belastbare Struktur, die auch unter veränderten regulatorischen oder geopolitischen Bedingungen handlungsfähig bleibt.
Welche Rolle spielen regulatorische Anforderungen?
Regelwerke wie Datenschutz-Grundverordnung, der Digital Operational Resilience Act oder der EU AI Act verschärfen die Anforderungen an Transparenz, Nachweisbarkeit und Resilienz. Für Finanzunternehmen heißt das: Sie müssen nachweisen können, wo Daten liegen, wer Zugriff hat und wie KI-Systeme gesteuert werden. Digitale Souveränität erleichtert diesen Nachweis, weil sie klare Zuständigkeiten und überprüfbare Prozesse miteinander verbindet – und damit regulatorische Risiken senkt.
Welchen konkreten Nutzen haben Finanzunternehmen davon?
Digitale Souveränität stärkt Vertrauen – bei Aufsichtsbehörden, Kunden und Partnern. Gleichzeitig schafft sie Freiraum für Innovation: Wer KI nachvollziehbar, prüfbar und kontrolliert betreibt, kann neue Anwendungsfälle schneller testen und sicher skalieren. Damit wird digitale Souveränität vom reinen Absicherungsinstrument zu einem strategischen Hebel für nachhaltige KI-Nutzung im Finanzsektor.
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Ihre Ansprechperson
Peter Hertlein
Partner, Financial Services, IT Compliance & Cyber-Resilienz
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft