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      Key Facts

      • KI scheitert selten an der Technik – sondern an der Lücke zwischen Wissen und Anwendung. Genau hier wirkt Enablement. 
      • Einmalige Trainings schaffen Wissen, aber erst kontinuierliches Enablement verändert Routinen, stärkt Urteilsvermögen und verankert KI nachhaltig im Arbeitsalltag. 
      • Sichtbare Führung, klare Leitplanken und rollenspezifische Formate entscheiden darüber, ob KI im Alltag ankommt – oder ob die Nutzung nach kurzer Zeit versandet.

      Die Lizenzen für KI-Tools sind verteilt, die verpflichtenden Trainings sind absolviert, im Dashboard leuchten alle Häkchen grün. Auf dem Papier ist die Organisation somit startklar für die Anwendung von KI. Und im Arbeitsalltag? Ändert sich erstaunlich wenig. Die neuen Tools werden geöffnet, ein paarmal ausprobiert, dann wieder geschlossen. Nach wenigen Wochen kehren die meisten Mitarbeitenden zu ihren alten Routinen zurück. Dieses oft beobachtete Muster zeigt sich auch in den Zahlen: Laut der aktuellen KPMG-Studie Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026 halten 84 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeitenden für gut vorbereitet – doch nur 29 Prozent sagen „sehr gut". Genau diese Lücke zwischen „gut genug" und „wirklich sicher im Alltag" schließt Enablement, also durch Strukturen, die Mitarbeitende in der KI-Nutzung befähigen, Routinen verschieben und alte Arbeitsweisen bewusst ablösen.

      Wem das bekannt vorkommt, weiß: Das Problem liegt nicht in der Technologie, sondern zwischen Wissen und Anwendung. Zwischen „Ich habe gelernt, wie das Tool funktioniert" und „Ich nutze es ganz selbstverständlich, um meine Arbeit besser zu machen". Und genau diese Lücke lässt sich nicht mit einem einmaligen Training schließen.

      Nahezu alle Unternehmen haben KI-Qualifizierungsmaßnahmen etabliert – entscheidend ist jetzt ihre Breitenwirkung und Skalierbarkeit.

      Annet Dahremöller

      Der eigentliche Reifeschritt: Von Wissen zu Anwendungssicherheit

      Ein Training ist ein Zeitpunkt. Enablement ist ein Prozess. Ein Training vermittelt Wissen; Enablement verändert Verhalten. Das eine endet mit einem Zertifikat, das andere mit einer neuen Selbstverständlichkeit im Tagesgeschäft. Niemand wird durch einen einzigen Besuch im Fitnessstudio fit – und niemand wird durch eine 90-minütige Schulung zur souveränen KI-Anwenderin.

      Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren massiv in Schulungen investiert.
      Die meisten Mitarbeitenden verfügen heute über ein grundlegendes Verständnis von generativer KI und haben erste Erfahrungen gesammelt.

      Doch genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung

      Denn:

      • Wissen über KI bedeutet nicht automatisch, sie sicher einzusetzen
      • Verstehen ersetzt keine Anwendung in realen Prozessen
      • Ein Training verändert keine Routinen

      Es geht längst nicht mehr nur darum, die Grundlagen von Machine Learning oder Datenanalyse zu verstehen. Wirksame KI-Kompetenz bedeutet, KI als strategisches Werkzeug einzusetzen, ihre ethischen und regulatorischen Grenzen zu kennen und das Potenzial und die Risiken einzelner Anwendungsfälle realistisch einzuschätzen. Dieses Zusammenspiel aus Können, Urteilsvermögen und Haltung entsteht nicht in einem Trainingstermin, sondern über Wiederholung, Feedback und Anwendung im echten Kontext. Damit KI-Wissen langfristig wirkt, muss es fest im Arbeitsalltag verankert werden. Punktuelle Trainings sind dafür schlicht nicht genug.

      Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein typisches Beispiel: Ein Kreditinstitut führte generative KI zur Unterstützung der Sachbearbeitung ein. Das Tool funktionierte technisch einwandfrei – und blieb trotzdem ungenutzt. Der Grund war nicht mangelndes Können, sondern fehlende Einbindung in bestehende Prozesse und Unsicherheit im Umgang mit den Ergebnissen. Erst klare Anwendungsleitfäden, rollenspezifische Schulungen und die Integration in den konkreten Arbeitsalltag senkten die Bearbeitungszeit spürbar. Anders gesagt: Die Wirkung entstand nicht durch das Tool, sondern durch das Enablement drumherum.

      Deshalb sollte der Aufbau von KI-Kompetenz nie als isoliertes IT-Projekt verstanden werden. Er ist Teil eines integrierten Programms und fortlaufender Transformation, das Governance, technische Fähigkeiten, kulturellen Wandel sowie Risiko- und Compliance-Themen zusammendenkt und welches klar an der übergeordneten KI-Strategie des Unternehmens ausgerichtet ist. 

      Der Reifeschritt 2026 ist daher klar:
      Nicht mehr „mehr Wissen“, sondern „mehr Nutzung im Alltag“.

      Führungskräfte sind der Hebel, den keine Schulung ersetzt

      Eine nachhaltige KI-Transformation gelingt nur mit aktiver Beteiligung der Führungskräfte, die KI zwar einfordern, aber selbst nicht anfassen, senden eine unmissverständliche Botschaft: „Wichtig, aber nicht für mich."

      Wirksame Führungskräfte nutzen KI im eigenen Arbeitsalltag sichtbar, können Chancen, Grenzen und Risiken einordnen und übersetzen die KI-Strategie in eine konkrete Antwort auf die Frage, die jede:r Mitarbeitende:r im Kopf hat: „Was bedeutet das für meine Rolle, meine Entscheidungen und meine Weiterentwicklung?"

      Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle – allerdings nicht primär als „Treiber von Schulungen“.

      Ihre Aufgabe verändert sich:

      • Orientierung geben: Was bedeutet KI konkret für die jeweilige Rolle?
      • Vorleben: Wie wird KI im eigenen Arbeitsalltag genutzt?
      • Rahmen schaffen: Wo ist Einsatz erwünscht – und wo nicht?
      • Prioritäten setzen: Welche Use Cases sind wirklich relevant?

      KI‑Enablement: Ein zweistufiges Modell für alle Rollen

      Gutes Enablement holt Mitarbeitende dort ab, wo sie stehen. Die Spannbreite reicht vom Vertrieb über die IT bis zur Compliance. Einige steigen gerade erst ins Berufsleben ein, andere bringen bereits viel Erfahrung mit. Manche nutzen KI bereits täglich, andere haben noch nie ein entsprechendes KI-Tool geöffnet.

      Ein einheitliches Programm wird dieser Realität nicht gerecht und würde die einen unterfordern und die anderen abhängen. Wer will, dass KI im Alltag ankommt, muss Unterschiede bewusst berücksichtigen und Entscheidungen treffen, wem was zugemutet wird.

      Bewährt hat sich ein zweistufiger Ansatz:

      Stufe 1: KI-Grundwissen für alle Mitarbeitenden: ein grundlegendes Verständnis davon, was KI kann und was nicht, ein Bewusstsein für ethische und regulatorische Fragestellungen sowie der gezielte Abbau von Berührungsängsten. Ziel ist eine Kultur, in der KI als selbstverständlicher Teil des Werkzeugkastens gilt – weder als Bedrohung noch als Magie.

      Stufe 2: Rollenspezifische, vertiefende Formate: Setzen genau dort an, wo der jeweilige Bedarf liegt:

      • C-Level und Führung: strategische Einordnung von KI in Wachstum, Steuerung und Risiko
      • IT & Data Science: technische Vertiefung – von Architektur über Datenqualität bis Modelltraining
      • Fachabteilungen: anwendungsnahe Schulungen entlang konkreter Prozesse und Use Cases (Business Functions wie Vertrieb, Asset Management, Kreditgeschäft, Marktfolge, Produktmanagement, Operations und Corporate Functions wie Einkauf, Risikomanagement, Compliance, Controlling, HR, Finance, Legal, Kommunikation, Assistenz)

      So lernt jede Rolle genau das, was sie für ihre tägliche Arbeit wirklich braucht. Das spart Zeit, erhöht die Relevanz und sorgt dafür, dass das Gelernte tatsächlich angewendet wird.

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      KI-Wissen bündeln: Kompetenzzentren und Communities

      Damit Wissen nicht in Silos versickert, lohnt sich der Aufbau zentraler Anlaufstellen. Solche Competence Hubs oder AI Centers of Excellence (CoE) bündeln KI-Wissen, dokumentieren Best Practices und machen sie organisationsweit zugänglich. Besonders wirkungsvoll ist dabei der „Train-the-Trainer“-Ansatz: Interne Expertinnen und Experten werden identifiziert, ausgebildet und tragen ihr Wissen als Ansprechpartner im Alltag weiter – nah an den Menschen, die es brauchen.

      Mindestens ebenso wichtig ist das, was außerhalb formaler Programme passiert: In Communities teilen Mitarbeitende Erfahrungen, tauschen Prompts aus und lernen voneinander. Hier entsteht der kulturelle Wandel, der aus einem Programm eine Bewegung macht. Communities halten zugleich KI im Alltag präsent, statt es nach dem Rollout versanden zu lassen. Über Vorbilder und feste Ansprechpartner tragen sie funktionierende Ansätze wiederum in andere Bereiche. Und weil hier offen geteilt wird, was funktioniert und was nicht, liefern sie wertvolles Feedback, das direkt in die Weiterentwicklung des Enablement-Programms zurückfließen kann. Wichtig dabei:
      Diese Formate ersetzen kein strukturiertes Programm, sie ermöglichen dessen Skalierung.

      Fünf Erfolgsfaktoren für wirksames KI-Enablement im Finanzsektor

      Aus zahlreichen Enablement-Initiativen haben wir fünf Hebel ableiten können, die den Unterschied zwischen „abgehakt" und „wirksam" machen:

      1. Transparenz ist das A und O. Eine zentrale Landingpage bündelt Tools, Leitfäden und Lernangebote an einem Ort. Wer lange suchen muss, hört irgendwann auf zu suchen.

      2. Bedarfsgerechte Formate statt Gießkanne. Lernangebote so zuschneiden, dass sie zur Rolle und zum konkreten Arbeitsalltag passen – individuell statt pauschal.

      3. Hands-on statt Theorie. Der Einstieg gelingt niedrigschwellig über konkrete Use Cases. Menschen lernen KI am schnellsten, indem sie sie an einem echten Problem ausprobieren – nicht, indem sie über sie lesen.

      4. Klare Leitplanken. Wer weiß, was erlaubt ist und was nicht, experimentiert sicher und angstfrei. Gute Governance ist kein Bremsklotz, sondern die Erlaubnis zum Ausprobieren.

      5. Community Power. Lernen, teilen, gemeinsam wachsen: Der Austausch zwischen Mitarbeitenden multipliziert Wissen schneller und nachhaltiger als jede einmalige Schulung. 


      Fünf Erfolgsfaktoren aus der Praxis

      Fazit: Kultur gestalten und kontinuierliches Lernen verankern

      Die Befähigung im Umgang mit KI geht weit über die Einführung neuer Tools hinaus: sie erfordert eine ganzheitliche, unternehmensweite Transformation. Der Weg führt nicht über mehr Trainings, sondern über die konsequente Verankerung von KI im Arbeitsalltag – getragen von Führungskräften, die vorangehen, von Strukturen, die Wissen teilen, und von einer Kultur, in der gemeinsames Lernen selbstverständlich ist.

      Organisationen, die diesen Wandel erfolgreich gestalten, zeichnen sich durch klare Muster aus: Sie integrieren KI konsequent in den Arbeitsalltag, fördern den aktiven Wissensaustausch und schaffen Strukturen, in denen Erfahrungen systematisch geteilt und weiterentwickelt werden.

      Dieser Artikel ist unter Mitwirkung von Rebecca Stärk und Melina Kühn entstanden.

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      Annet Dahremöller

      Senior Managerin, Financial Services

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft




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