Die Ursache liegt dabei nicht in der Technologie, sondern in der Fähigkeit zur organisatorischen Orchestrierung: Der „Global AI Pulse“ zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen KI nicht als isolierte Anwendungsfälle betreiben, sondern zu Operating Models übergehen, die Governance und Prozesse konsequent auf eine Skalierung ausrichten. Genau hier entscheidet sich in den kommenden Jahren, welche Organisationen KI industrialisieren – und welche in Pilotphasen verharren.
In Gesprächen mit Fachbereichen, IT und Risk machen wir ähnliche Erfahrungen. Drei Muster tauchen immer wieder auf:
- Niemand ist durchgängig für KI-Anwendungen verantwortlich. Daten, Modell, Integration, Betrieb, Risiko und Budget liegen bei unterschiedlichen Teams. Das bremst Entscheidungen und macht Fehler teuer.
- KI wird wie ein Projekt behandelt. Nach dem ersten Go‑live endet das Budget, das Team löst sich auf, aber das Modell braucht Pflege, Überwachung und Weiterentwicklung.
- Kosten bleiben unsichtbar. Wenn niemand sagen kann, was ein KI‑Service pro Nutzung kostet und wer die Kosten auslöst, wird Optimierung zum Ratespiel.
Die zentrale Frage lautet daher: „Wie muss unser Operating Model aufgebaut sein, damit KI nachhaltig, kontrolliert und wirtschaftlich läuft?“
- Verantwortung für KI-Services von Anfang bis Ende festlegen
Einer der größten Schwachpunkte vieler Organisationen ist fragmentierte Verantwortung. Das wird an folgendem Beispiel deutlich: Eine Bank hatte ein Modell zur Betrugserkennung im Zahlungsverkehr. Die Fachseite definierte Regeln, ein Data‑Team lieferte Daten, ein anderes Team betrieb die Plattform. Nach einigen Wochen stieg die Zahl der Fehlalarme, weil sich Muster im Zahlungsverhalten änderten. Jeder sah das Problem, aber niemand fühlte sich zuständig: nicht für die Modellgüte, nicht für die Freigabe der Anpassung, nicht für die laufenden Kosten.
Der Wendepunkt kam erst, als ein festes Service‑Team Betrugserkennung etabliert wurde, mit klarer Verantwortung für Datenqualität, Modellpflege, Integration, Überwachung, Risiko‑Abstimmung und Budget. Das Ergebnis waren schnellere Anpassungen, klarere Entscheidungen und nachvollziehbarer Betrieb.
- Von Projektlogik zu Produktlogik wechseln
Viele Unternehmen finanzieren Technologie noch immer projektbasiert. Doch KI ist nie fertig: Modelle altern oder müssen kontinuierlich trainiert werden, Daten ändern sich, neue Betrugsmuster oder Kundenanfragen entstehen.
Deshalb setzen moderne Operating Models zunehmend auf Produkt- bzw. Service-Orientierung mit kontinuierlicher Finanzierung. Denken Sie zum Beispiel an einen unternehmensweiten Chatbot, der als Projekt startet. Wenn das Projektteam den Chatbot nach dem Go-Live „abgibt“, entsteht eine Lücke: niemand priorisiert Verbesserungen, niemand misst Nutzen oder übernimmt Verantwortung für Weiterentwicklung oder regulatorische Vorgaben.
In einem produktorientierten Modell bleibt das Produktteam jedoch dauerhaft verantwortlich und erhält ein kontinuierliches Budget zur Weiterentwicklung, wodurch Qualität, Nutzungsquote und Kundenzufriedenheit messbar gesteigert werden können. Erfahren Sie hier mehr über produktnahe Teams.
- Kosten und Nutzen pro Service sichtbar machen
KI-Nutzung, Cloud-Plattformen oder ganze SaaS-Ökosysteme verändern Kostenstrukturen, die in vielen Unternehmen intransparent sind. Hilfreich ist hier ein serviceorientierter Blick auf Kosten, wie ihn etwa das Technology Business Management Framework verfolgt. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Zunächst werden Infrastrukturkosten (z. B. GPU, Datenverarbeitung, APIs) den zugrunde liegenden Services zugeordnet. Anschließend erfolgt die Verteilung auf Geschäftsprozesse anhand klar definierter Kostentreiber wie z.B. die Anzahl von Transaktionen.
Im Beispiel der Betrugserkennung heißt das: Kosten für Rechenleistung, Datenverarbeitung, Programmierschnittstellen werden zunächst dem Service „Betrugserkennung“ zugeordnet. Danach lässt sich sichtbar machen, welche Prozesse diese Leistungen in welchem Umfang nutzen, etwa gemessen an der Zahl der geprüften Transaktionen. So entsteht eine belastbare Grundlage für Entscheidungen: Welche KI-Anwendung rechnet sich, wo steigen die Kosten überproportional und an welcher Stelle lohnt sich Optimierung zuerst?