Frage: Finanzinstitute sind stärker reguliert als andere Unternehmen – sind die Anforderungen an KI-Modelle ebenfalls besonders?
Torsten Jurisch: Finanzinstitute benötigen explizite Prüfpfade, um nachzuweisen, dass ihre Modelle wie vorgesehen funktionieren. Wenn sich ein Finanzinstitut nicht darauf verlassen kann, dass eine KI-Lösung Ergebnisse liefert, die von den Aufsichtsbehörden überprüft werden können, ist die Lösung für sie nicht von Nutzen.
Überprüfbarkeit ist somit ein wichtiger Bestandteil des Vertrauens und geht Hand in Hand mit Erklärbarkeit. Ein gutes Modell sollte sich nicht nur selbst in einfacher Sprache erklären. Jede Entscheidung, die es trifft, sollte auch protokolliert und reproduzierbar sein.
Auf der Grundlage etablierter Grundsätze können Modelle die folgenden drei Model-Governance-Verfahren anwenden:
1. Experimentverfolgung und Reproduzierbarkeit: Automatische Verfolgung, Referenzierung und Indizierung durchgeführter Schritte bei der Erstellung eines Modells – eine Dokumentation dessen, was wann getan wurde, ermöglicht die Reproduzierbarkeit des Modells (und der Ergebnisse) für Dritte.
2. Versionierung: Modellversionskontrolle ist essenziell. Die Aufbewahrung alter Modelle zur Reaktivierung (oder zur Durchführung künftiger Leistungstests) gewährleistet die Versionierung.
3. Benutzerakzeptanz: Durch die genaue Beobachtung der wichtigsten Metriken und relevanten Informationen können die Nutzenden fundierte Entscheidungen darüber treffen, wann sie ein Modell aktivieren, deaktivieren oder neu trainieren sollten.
Sie führen zu offenen und transparenten Modellen, die einen proaktiven Ansatz für Aufsicht und Rechenschaftspflicht fördern. Im Falle einer behördlichen Prüfung ist somit eine klare Dokumentation darüber verfügbar, wie ein Modell ausgebildet wurde und warum es bestimmte Entscheidungen getroffen hat.