Recht einfach lassen sich die unbedenklichen Standard-Cloud-Dienste identifizieren, die meist aus dem großen Pool professioneller Open Source Services stammen. Dank des öffentlichen Zugangs zu diesen Technologien und ihres inzwischen fortgeschrittenen Reifegrads sind diese Services bei Cloud Providern weit verbreitet. Die Technologie ist bei vielen Anbietern als vollständig verwalteter Dienst (fully-managed) verfügbar und lässt sich sogar im eigenen Rechenzentrum nutzen. Durch die konsistente Schnittstelle der Technologie und ihrer Artgenossen wird eine architekturelle Portierbarkeit erreicht – und somit auch eine Unabhängigkeit vom Cloud-Anbieter. Weitere bekannte Beispiele sind PostgreSQL (relationale Datenbank) oder Kafka (Distributed Streaming Plattform). Bei der Wahl eines Cloud Providers zählen diese Services für viele Kunden inzwischen zum Pflichtrepertoire, da sie wichtige Basisfunktionalitäten bieten und den Kunden so Flexibilität in der Anbieterwahl ermöglichen.
Diese Open Source Services lassen sich auf mehrere Arten nutzen: direkt vom CSP oder von einem Sub-Provider auf der Infrastruktur des Zielproviders als vollständig verwalteter Service, in Eigenregie des Unternehmens beim CSP oder auf eigener Infrastruktur des Unternehmens. Um größere Vorteile aus der Cloud-Nutzung zu ziehen, ist es für Unternehmen ratsam, die Services vollständig verwaltet zu buchen. Das spart eigene Ressourcen für Betrieb und Verwaltung und neue Technologien lassen sich schneller adaptieren und für eigene Innovationen nutzen.
Zur Kategorie der unbedenklichen Dienste zählen auch solche, die bereits im eigenen virtualisierten Rechenzentrum containerisiert und getestet wurden. Auch sie sind ohne Probleme in Public Clouds auf eine passende Infrastruktur, wie zum Beispiel Kubernetes, verschiebbar. Der große Vorteil ist die dynamische Skalierbarkeit, wodurch sich Lastspitzen besser abdecken und Kosten optimieren lassen. Als Exit-Alternativen stehen beliebige andere CSPs zur Verfügung. Eine Abhängigkeit ergibt sich lediglich bei der Wahl der Infrastructure-as-a-Service-Lösung (IaaS). Doch auch hier stellen viele Anbieter inzwischen ähnliche Funktionalitäten zur Verfügung; zudem lässt das IaaS-Modell den Nutzern grundsätzlich große Freiheit.
Wenn der Exit so einfach umzusetzen ist, warum nicht gleich durchgängig auf Open Source und eigene Container setzen? Der Gedanke scheint verlockend und bietet Vorteile. Leider geht dieser Ansatz oft an der Realität vorbei. In vielen Fällen wäre es unklug, wertvolle Wettbewerbsvorteile liegen zu lassen, die nur Services bieten, die (noch) nicht zum Standard gehören und die Provider gerne als Sahnestückchen anbieten.
Deswegen ist eine Cloud-Strategie, die ausschließlich auf Open Source Services basiert, nur in wenigen Ausnahmefällen sinnvoll. Ganz unbedenklich ist sie zudem nicht, denn es besteht die Gefahr, die Abhängigkeit von einem Anbieter durch die Abhängigkeit von einer bestimmten Open-Source-Technologie zu tauschen. Für das Fortbestehen von Open-Source-Projekten gibt es keine Garantie, da sie stark von der Aktivität der Community abhängen. Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt und im Rahmen des Architekturmanagements betrachtet werden.