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      Warum APIs im Treasury an Bedeutung gewinnen

      Das Corporate Treasury steht zunehmend vor der Aufgabe, Zahlungsverkehr, Liquiditätssteuerung, Risikomanagement und Reporting weiter zu automatisieren und zugleich schneller auf Markt- und Liquiditätsveränderungen zu reagieren. Echtzeitinformationen über Kontostände, Zahlungsstatus und Liquiditätspositionen und Risikopositionen entwickeln sich dabei von einem Komfortmerkmal zu einer operativen Voraussetzung für eine belastbare Treasury-Steuerung. 

      Klassische Kommunikationswege wie EBICS, SWIFT und Host-to-Host Verbindungen sind seit Jahren etabliert und bleiben für viele Corporate Treasury Prozesse unverzichtbar. Sie stoßen jedoch dort an Grenzen, wo hohe Flexibilität, kurze Reaktionszeiten und nahezu Echtzeit-fähige Kommunikation gefordert sind.

      Vor diesem Hintergrund gewinnen Application Programming Interfaces, kurz APIs, spürbar weiter an Bedeutung. Dabei handelt es sich nicht um eine vollständig neue Technologie. APIs werden seit vielen Jahren in der Systemintegration eingesetzt. Neu ist jedoch der Reifegrad im Corporate-Banking- und Treasury-Umfeld: Banken investieren zunehmend in eigene API-Plattformen und Developer-Portale als standardisierte, dokumentierte und produktiv nutzbare Services, während Treasury- und ERP-Systeme APIs immer häufiger als Standardkomponente ihrer Integrationsarchitektur bereitstellen. Für Treasury-Verantwortliche stellt sich damit die Frage, welche Rolle APIs heute und in Zukunft in ihrem Unternehmen spielen und wie sie bestehende Bankanbindungen sinnvoll ergänzen oder in Teilen ablösen können.

      Der folgende Beitrag ordnet die technologischen und regulatorischen Grundlagen ein, beleuchtet typische Anwendungsfälle, Sicherheitsaspekte sowie den konkreten Nutzen und zeigt anhand eines SAP-basierten Beispiels, wie eine API-gestützte Bankenanbindung in der Praxis aussehen kann.

      APIs sollten daher nicht nur als neuer technischer Kanal zur Bankenanbindung verstanden werden. Ihr eigentlicher Nutzen liegt darin, Treasury-Prozesse stärker in Echtzeit, stärker datengetrieben und stärker integriert zu gestalten.

      Was ist eine API?

      Eine Application Programming Interface (API) ist eine standardisierte Schnittstelle, über die zwei Systeme automatisiert und strukturiert Informationen austauschen. Anders als beim klassischen dateibasierten Austausch, bei dem Zahlungs- oder Kontoinformationen in Dateien gebündelt und auf Servern abgelegt und übertragen werden, ermöglicht eine API einen direkten, transaktionsbezogenen und häufig nahezu in Echtzeit ablaufenden Datenaustausch zwischen Treasury-System und Bank. Zusätzlich sind auch APIs zwischen Treasury-System und Marktdatenanbietern oder Zahlungsdienstleistern wichtiger.

      Im Treasury-Kontext lassen sich über APIs insbesondere folgende Vorgänge abbilden:

      • Abruf von Kontoständen und Intraday-Informationen
      • Abruf von Kontoauszügen
      • Abfrage des Zahlungsstatus einzelner Transaktionen
      • Übermittlung von Zahlungen und Zahlungsdateien (inkl. Echtzeitüberweisungen)
      • Validierung von Zahlungsempfängern oder Kontodaten
      • Integration von Zahlungsdienstleistern und Plattformen
      • Abruf von Devisenkursen und weiteren Marktdaten
      • Bereitstellung von Bankreports und Gebührenübersichten

      Treasury Connectivity im Wandel

      APIs treten nicht in ein leeres Feld, sondern ergänzen eine etablierte Landschaft an technischen Schnittstellen im Treasury. Zu den etablierten Verfahren zählt insbesondere EBICS, das im europäischen Raum weit verbreitet ist und vor allem für den Austausch von Zahlungsdateien sowie Kontoauszügen eingesetzt wird. Der Datenaustausch erfolgt dabei dateibasiert und typischerweise in definierten Verarbeitungszyklen.

      Im internationalen Umfeld spielt häufig das SWIFT-Netzwerk eine zentrale Rolle. Es ermöglicht die standardisierte Kommunikation mit einer Vielzahl von Banken weltweit und bietet eine hohe Reichweite sowie etablierte Sicherheits- und Governance-Standards.

      Viele Unternehmen nutzen darüber hinaus Host-to-Host Verbindungen um Zahlungsdateien, Reports oder Kontoauszüge sicher auszutauschen. Auch hierbei steht der dateibasierte Transfer von Informationen im Vordergrund. Host-to-Host via SFTP ist vergleichsweise einfach zu implementieren und wird häufig für individuelle Bankanbindungen oder Reporting-Szenarien verwendet.

      APIs verfolgen dagegen einen anderen Ansatz. Statt Dateien auszutauschen, kommunizieren Treasury-System und Bank direkt über standardisierte Service-Schnittstellen. Dadurch können Informationen transaktionsbezogen und nahezu in Echtzeit bereitgestellt werden. Dies ermöglicht beispielsweise Echtzeit-Abfragen von Kontoständen, Statusinformationen zu Zahlungen oder die direkte Integration bankseitiger Services in Treasury- und ERP-Systeme.

      APIs sollten daher weniger als vollständiger Ersatz bestehender Lösungen verstanden werden. Vielmehr erweitern sie die Treasury-Connectivity um neue Anwendungsfälle, bei denen Geschwindigkeit, Flexibilität und unmittelbare Verfügbarkeit von Informationen im Vordergrund stehen.

      Was bieten Banken heute an?

      Viele Banken behandeln APIs mittlerweile als eigenständigen Kanal und stellen umfassende Ressourcen zur Verfügung, die eine Anbindung deutlich erleichtern. Typischerweise umfasst das Angebot:

      • Eigene API-Portale mit Übersicht über verfügbare Services
      • Detaillierte technische Dokumentationen und Spezifikationen
      • Sandbox- und Testumgebungen zur Erprobung ohne Produktivrisiko
      • Testzugänge und Beispieldaten für die Entwicklung

      Damit können Unternehmen Anbindungen früh testen, den Funktionsumfang bewerten und den Integrationsaufwand realistisch einschätzen, bevor eine produktive Nutzung erfolgt.

      Was hat sich in den letzten Jahren getan?

      APIs sind keine neue Technologie mehr. Verändert hat sich in den vergangenen Jahren vor allem der Reifegrad der verfügbaren Lösungen. Viele Banken stellen heute API-Portale, technische Dokumentationen, Sandbox-Umgebungen und Testzugänge bereit.

      Dadurch können Unternehmen früher prüfen, welche Services verfügbar sind, wie stabil diese genutzt werden können und welcher Integrationsaufwand entsteht.

      Zusätzlich haben regulatorische Entwicklungen wie PSD2 die Bereitstellung sicherer Schnittstellen im Bankensektor beschleunigt. Auch wenn diese Regulierung nicht speziell auf das klassische Corporate Treasury ausgerichtet ist, hat sie dazu beigetragen, API-Technologie stärker zu standardisieren. Neben regulatorischen APIs entstehen zunehmend Corporate- oder Premium-APIs, die stärker auf Unternehmensanforderungen, Datenqualität und operative Stabilität ausgerichtet sind.

      Für das Treasury ergibt sich daraus vor allem ein praktischer Nutzen: Informationen können aktueller bereitgestellt, manuelle Abfragen reduziert und Prozesse wie Liquiditätsdisposition, Zahlungsstatusverfolgung und Reconciliation effizienter unterstützt werden.

      Welche zusätzlichen Anwendungsgebiete ergeben sich?

      Neben der Bankenanbindung können APIs auch in weiteren Treasury-Prozessen eingesetzt werden. Dazu zählen insbesondere der Abruf von Devisenkursen, Zinsinformationen und weiteren Marktdaten, die Integration von Handelsplattformen für FX- und Geldmarktgeschäfte sowie die Anbindung von Zahlungsdienstleistern oder Payment-Plattformen.

      Weitere Anwendungsfälle ergeben sich bei der Validierung von Zahlungsempfängern und Kontodaten, bei der automatisierten Bereitstellung von Daten für Cash Forecasting und Liquiditätsplanung sowie bei der Integration von In-House-Banking-, Netting- oder Payment-Factory-Prozessen. In zentralisierten Treasury-Organisationen können APIs interne Konten, Intercompany-Positionen, Netting-Prozesse, Payment Factories und ERP-Buchungen enger miteinander verbinden. Dadurch wird eine stärkere Automatisierung konzerninterner Zahlungs- und Verrechnungsprozesse möglich.

      Perspektivisch können API-basierte Daten außerdem für Treasury Dashboards, Analytics und AI-gestützte Auswertungen genutzt werden.

      APIs sind damit nicht nur ein zusätzlicher Kanal zur Bank, sondern können als Integrationsbaustein für ein stärker vernetztes Treasury verstanden werden.

      Wirtschaftlichkeit API-basierter Bankanbindungen

      Bei der Bewertung moderner Bankanbindungen rücken neben funktionalen Aspekten zunehmend auch wirtschaftliche Fragestellungen in den Fokus. Viele Banken stellen den Zugriff auf ihre API-Schnittstellen ohne zusätzliche Nutzungsgebühren bereit, während bei traditionellen Connectivity-Lösungen häufig Kosten für Netzwerke, Servicedienste oder Middleware-Komponenten anfallen. Eine reine Gegenüberstellung der direkten Nutzungskosten greift jedoch zu kurz. Auch API-basierte Anbindungen erfordern Investitionen in Konzeption, Implementierung, Betrieb und Wartung der erforderlichen Integrationsarchitektur und haben transaktionsabhängige Gebühren.

      Der wirtschaftliche Nutzen von APIs ergibt sich daher vor allem aus den damit verbundenen Effizienz- und Automatisierungspotenzialen. Durch den direkten und standardisierten Datenaustausch können manuelle Prozessschritte reduziert, Durchlaufzeiten verkürzt und Informationen schneller bereitgestellt werden. Insbesondere im Zahlungsprozess und bei der kurzfristigen Disposition ermöglicht dies eine höhere Transparenz und eine effizientere Prozessgestaltung. Unternehmen sollten die Wirtschaftlichkeit von API-Lösungen daher ganzheitlich bewerten und neben den Implementierungskosten insbesondere die langfristigen Effekte auf Automatisierung, Skalierbarkeit und operative Effizienz berücksichtigen.

      Regulatorische Entwicklungen als Treiber

      Ein wesentlicher Treiber der API-Entwicklung im elektronischen Zahlungsverkehr ist die europäische Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Services Directive, PSD2 und PSD3; mehr Informationen dazu auf KPMG-Law). In dieser Richtlinie werden Regeln für Banken, Zahlungsdienstleister und Unternehmen bzw. Endkunden geregelt. Der Zugriff auf Kontoinformationen, das Auslösen von Zahlungen durch Drittanbieter wird reguliert. Banken werden verpflichtet, sichere Schnittstellen dafür bereitzustellen, was die Entwicklung API-basierter Anbindungen wesentlich beschleunigt hat.

      Auch wenn die Regulierung primär auf Privat- und Geschäftskundenkonten sowie auf Drittanbieterdienste abzielt und nicht unmittelbar auf das klassische Corporate Treasury, hat sie doch einen entscheidenden Impuls gesetzt: Sie hat API-Technologie im Bankensektor etabliert, standardisiert und die Grundlage für ein breiteres Angebot an Treasury-APIs geschaffen, das heute über den ursprünglichen regulatorischen Rahmen hinausgeht.

      Sicherheitsaspekte und Governance

      Mit der direkten und nahezu in Echtzeit ablaufenden Kommunikation gehen erhöhte Anforderungen an Sicherheit und Governance einher. APIs im Zahlungsverkehr verarbeiten hochsensible Informationen und müssen entsprechend abgesichert werden. Im Bereich der Authentifizierung und Verschlüsselung stützt sich eine sichere Anbindung auf eine belastbare Authentifizierung sowie auf eine durchgehende Verschlüsselung. 

      Zu den typischen Risiken zählen Man-in-the-Middle-Angriffe bei unzureichend abgesicherter Kommunikation, der Missbrauch von API-Schlüsseln und Token sowie Fehlkonfigurationen oder ein unzureichendes Berechtigungsmanagement. Aus Treasury-relevanter Governance-Perspektive sind daher die Sicherstellung ausreichender Verschlüsselung, ein klar geregeltes Berechtigungs- und Rollenkonzept, eine Protokollierung der Zugriffe sowie die Einhaltung interner Kontroll- und Compliance-Anforderungen entscheidend.

      In welchen Systemen finden API Lösungen Anwendung?

      Im SAP-Umfeld ist ein Trend in Richtung eines API-zentrierten Integrationsansatzes erkennbar. Die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) gewinnt als zentrale Integrationsschicht an Bedeutung und ermöglicht es, Banken via API anzubinden und Prozesse über standardisierte APIs abzubilden. Die Standard-Bankenschnittstelle SAP Multi-Bank Connectivity (MBC) kann hier perspektivisch durch BTP-basierte Integrationsszenarien ergänzt werden.

      Wichtig ist die Einordnung, dass dieser Wandel nicht SAP-spezifisch ist. Auch spezialisierte Treasury-Management-Systeme und weitere ERP Systeme verfolgen zunehmend API-basierte Ansätze. Dazu zählen unter anderem:

      • Treasury-Management-Systeme wie TIS, Kyriba, ION WSS, FIS und weitere
      • ERP-Systeme und Payment Hubs mit eigenen Integrations- und API-Schichten

      Der Trend zu APIs betrifft somit viele Treasury Systeme und sollte als übergreifende Entwicklung der Bankenanbindung verstanden werden, nicht als Eigenschaft eines einzelnen Anbieters.

      Fazit: APIs als Baustein moderner Treasury Connectivity

      APIs entwickeln sich zunehmend von einer ergänzenden Technologie zu einem zentralen Baustein moderner Treasury-Architekturen. Dabei ersetzen sie etablierte Anbindungsformen wie EBICS, SWIFT oder Host-to-Host nicht grundsätzlich, sondern erweitern die bestehende Connectivity-Landschaft um neue Möglichkeiten der Integration und Kommunikation. Insbesondere dort, wo Informationen schnell verfügbar sein müssen und eine direkte Interaktion zwischen Treasury-System und Bank erforderlich ist, ermöglichen APIs eine höhere Flexibilität und eine nahezu in Echtzeit ablaufende Verarbeitung.

      Für Unternehmen ergeben sich daraus konkrete Mehrwerte entlang mehrerer Dimensionen. API-basierte Anbindungen können manuelle Prozessschritte reduzieren, den operativen Aufwand senken und Durchlaufzeiten im Zahlungsverkehr verkürzen. Gleichzeitig erhöhen sie die Transparenz, indem Kontostände, Zahlungsstatus und weitere bankseitige Informationen schneller und aktueller bereitgestellt werden. Darüber hinaus erleichtern APIs die Anbindung neuer Banken und Services und schaffen eine technologische Grundlage für zukünftige Entwicklungen wie Echtzeit-Treasury, Embedded Finance und weitere digitale Banking-Services. 

      Treasury-Verantwortliche sollten daher frühzeitig bewerten, für welche Prozesse API-basierte Anbindungen einen fachlichen oder wirtschaftlichen Mehrwert schaffen, welche regulatorischen und sicherheitsbezogenen Anforderungen zu berücksichtigen sind und wie sich APIs in die bestehende System- und Governance-Landschaft integrieren lassen. Entscheidend ist dabei nicht der Technologiewechsel als Selbstzweck, sondern die gezielte Nutzung von APIs dort, wo sie messbare Verbesserungen hinsichtlich Effizienz, Transparenz und Steuerungsfähigkeit ermöglichen.

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      Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 167, Juli/August 2026

      Autoren:

      • Börries Többens, Partner, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG
      • Nadine Hauptmann, Managerin, Finance and Treasury Management, Corporate Treasury Advisory, KPMG AG

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