Zurück zur Inhaltsseite

      Key Facts

      • Die EU-Verpackungsverordnung ist ein sehr weitreichendes Steuerungsinstrument für die Digitalisierung des Warenverkehrs in der EU
      • Vollständige Produktdaten werden zum entscheidenden Faktor für Marktfähigkeit
      • Unternehmen bietet die Sicherstellung von Compliance auch die Chance, Marktpositionierung, Kosten und Prozesse zu optimieren und stärkere Transparenz ihrer Wertschöpfung zu erlangen

      Viele Unternehmen bereiten sich auf die neue EU-Verpackungsverordnung (Packaging & Packaging Waste Regulation – PPWR) wie auf eine klassische Umweltregulierung vor. Genau darin kann ein Risiko liegen. Denn die PPWR erfordert gegebenenfalls einen tiefgreifenden Umbau ihrer IT-, Daten-, und Vertragslandschaft. Wer das unterschätzt, riskiert nicht weniger als den Zugang zum Markt.

      Thomas Uhlig: "Mittelständische Unternehmen stehen unter hohem Veränderungsdruck. PPWR ist ein Transformationsanstoß. Wer konsequent und mit strategischem Weitblick handelt, hat bessere Voraussetzungen – wer zögert, riskiert Marktzugang und verpasst Wettbewerbsvorteile."

      Warum die PPWR auch eine IT-Herausforderung ist

      Ab dem 12. August 2026 gilt die Verpackungsverordnung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Verpackungen dürfen dann nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn die Anforderungen erfüllt sind.

      Die PPWR enthält ein gestuftes System aus Pflichten, Übergangsfristen und weiteren Konkretisierungen. Unternehmen müssen ihre Compliance aktiv und strategisch steuern und jederzeit nachweisen können als auch Gebühren entsprechend der Anforderungen an Abgabenstrukturen der Mitgliedstaaten leisten können.

      Die PPWR ist kein isoliertes Regulierungsthema. Sie ist Teil größerer regulatorischer Entwicklungen im Rahmen des europäischen Green Deal, die Unternehmen gezielt in Richtung Kreislaufwirtschaft und nachhaltigere Geschäftsmodelle bewegen. So sollten etwa die konkreten Wechselwirkungen mit der EmpCo-Richtlinie in Bezug auf Nachhaltigkeitsaussagen in Bezug auf Verpackungen ebenfalls berücksichtigt werden. Als auch weitreichende Entwicklung um die digitale Produkttransparenz und neuartiger digtaler Gateway-Formate an den Endverbraucher wie dem DPP.

      Einen Überblick über die regulatorischen Entwicklungen bietet unsere Kampagnen-Seite zum EU Green Deal.

      Ab 2026: Nachweis wird zum entscheidenden Faktor

      Mit dem Start der Verordnung verändert sich der Charakter von Verpackungs-Compliance grundlegend. Anforderungen wie Stoffvorgaben oder die Beteiligung an Rücknahmesystemen sind nicht neu. Neu ist, dass die Anforderungen komplexer werden.

      Erzeuger müssen jederzeit zeigen können, dass ihre Verpackungen den Vorgaben entsprechen. Es reicht nicht allein, Prozesse zu definieren oder Verantwortlichkeiten festzulegen. Entscheidend ist, ob die notwendigen Informationen vollständig, rechtzeitig und konsistent vorliegen. In der Praxis bedeutet das: Daten müssen verlässlich, strukturiert und jederzeit verfügbar sein, um die Lieferkette nicht zu unterbrechen.

      Warum die größte Herausforderung erst danach beginnt

      Viele Unternehmen richten ihren Blick zunächst auf den 12. August 2026. Die eigentliche Komplexität entsteht jedoch in den Jahren danach. Anforderungen werden konkreter, zusätzliche Vorgaben kommen hinzu und die regulatorische Dichte steigt.

      Diese Entwicklung führt dazu, dass einzelne, isolierte Lösungen nicht mehr ausreichen. Wer heute noch mit lokalen Dateien oder voneinander getrennten Systemen arbeitet, stößt spätestens 2028 Grenzen. Prozesse werden unzureichend, Abstimmungen aufwendig und Nachweise lückenhaft.

      Wenn Compliance zur Datenfrage wird

      Spätestens mit den Zielvorgaben ab 2030 zeigt sich, worauf es wirklich ankommt. Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile oder Wiederverwendungsquoten müssen nicht nur eingehalten, sondern belastbar belegt werden. Der Engpass liegt wie häufig auch hier in den Daten.

      In vielen Unternehmen sind Verpackungsinformationen über mehrere Systeme verteilt. Sie sind nicht konsistent gepflegt oder lassen sich nicht eindeutig verknüpfen. Genau das wird unter der PPWR zum Problem. Denn nur wer gebündelt steuert, kann Compliance erreichen und nachweisen.

      Die IT wird zur Voraussetzung für den Marktzugang

      IT-Systeme werden zum essenziellen Baustein der Compliance. Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche Verpackung in welchem Markt zu welchem Zeitpunkt den Anforderungen entspricht. Diese Transparenz lässt sich nur herstellen, wenn Daten aus Einkauf, Produktentwicklung, Produktion und Vertrieb zusammengeführt werden. Ohne diese End-to-End-Sicht bleibt Compliance lückenhaft. Zudem ergeben sich aus einer gut strukturierten Datenbasis auch die Grundlagen für die Nutzung strategischer Vorteile und Kostenoptimierungen, etwa im Hinblick auf die Identifizierung und Nutzung von Kostensenkungspotentialen im Rahmen der Ökomodulation von Entsorgungsentgelten.  

      Was Unternehmen jetzt tun sollten

      Viele Unternehmen unterschätzen den zeitlichen Druck. Die PPWR ist kein Thema, das sich aufschieben lässt. Wer rechtzeitig, konsequent und mit Weitblick agiert, baut sich klare Vorteile auf. Wer abwartet, riskiert nicht nur Compliance-Risiken, sondern auch Wettbewerbsnachteile. Unternehmen sollten daher jetzt damit beginnen, ihre Ausgangslage realistisch zu bewerten. Entscheidend ist zunächst ein klarer Blick auf die vorhandenen Rollen und damit verbundenen Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten. Wenn diese Basis geklärt ist, richtet sich der Blick auf die erforderlichen Verpackungsdaten. Wo liegen sie, wie konsistent sind sie und wie gut lassen sie sich verknüpfen? Wie ist der Informations- und Datenfluss von Lieferanten vertraglich sichergestellt? 

      Darauf aufbauend rückt die IT in den Fokus: Bestehende Compliance Management- und Stammdatensystem sollten daraufhin geprüft werden, ob sie PPWR-Anforderungen abbilden können oder ob Anpassungen notwendig sind. Gleichzeitig braucht es klare Prozessverantwortlichkeiten für Daten und Compliance, damit Anforderungen nicht zwischen Abteilungen verloren gehen und die Potenziale von Agentic AI im selben Zuge voll ausgeschöpft werden können.

      Sinnvoll ist es, frühzeitig mit konkreten Anwendungsfällen zu starten. Pilotbereiche helfen, Herausforderungen sichtbar zu machen und Lösungen schrittweise aufzubauen.

      Häufig gestellte Fragen zu "PPWR und IT-Compliance"

       

      Die größte Veränderung liegt in der steigenden Komplexität. Unternehmen müssen Compliance in Bezug auf neue und granularere Anforderungen organisieren und jederzeit belegen können.

      Weil die Anforderungen nur mit konsistenten und verknüpften Daten erfüllt werden können. Ohne geeignete Systeme ist dieser Nachweis in vielen Fällen nicht möglich.

      Der Aufbau belastbarer Datenstrukturen und Systeme braucht Zeit und sollte so schnell wie möglich beginnen – nicht erst mit dem Start der Verordnung.

      Vor allem in fehlenden Daten, unzureichender Datenqualität, fragmentierten Daten und fehlender Integration. Sie führen zu Lücken im Nachweis und erhöhen das Risiko.

      Nein. Sie beeinflusst nicht nur den Marktzugang, die Haftung und die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen, sondern bietet auch strategisches Potenzial für Kostenoptimierungen und die Marktpositionierung von Unternehmen.

       

      *Die Rechtsdienstleistungen werden durch die KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erbracht.

      Klardenker-Logo

      Dr. Thomas Uhlig
      Dr. Thomas Uhlig *

      Partner, Leiter Allgemeines Wirtschafts- und Handelsrecht

      KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

      Alexander Weissmann

      Senior Manager, Consulting - Technology Transformation

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


      auto_stories

      Konkrete Anforderungen der Verordnung und der regulatorische Zeitplan im Detail.