Für Geschäftskunden stellt sich nun die Frage, welche praktischen Auswirkungen diese Regulierung auf ihre täglichen Zahlungsprozesse hat. Der Ablauf beginnt beim Zahlenden, der die Zahlungsdaten erfasst, genehmigt und über sein Treasury Management System (TMS) an seine Bank übermittelt. Diese erstellt eine VoP Anfrage mit den relevanten Angaben wie IBAN, Empfängernamen und gegebenenfalls einer Umsatzsteuer-ID. Diese Informationen werden an die Bank des Empfängers weitergeleitet, die die Daten mit den hinterlegten Informationen abgleicht. Das Ergebnis wird in Form eines Ampelsystems zurückgemeldet: Match bedeutet, dass Name und IBAN übereinstimmen. Close Match weist auf kleinere Abweichungen hin, meist Tippfehler wie Bernhard Müller statt Bernard Müller. No Match signalisiert eine klare Diskrepanz, etwa Bernhard Müller versus Fernando Rodriguez oder etwa das vollständige Fehlen eines Vornamens.
Die Rückmeldung auf die Zahlungsdatei (beispielsweise PAIN.001) wird als VoP Antwort an die sendende Bank zurückgemeldet und von dieser als Feedbacknachricht (Zahlungsstatusreport PAIN.002) ins TMS des Unternehmens oder ins Onlineportal der Bank gesendet. Nach der Rückmeldung hat das Unternehmen die Wahl: Die Zahlung kann abgelehnt und neu angelegt oder trotz Abweichung freigegeben werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Auswirkung auf eingehende Zahlungen. Liegt hier ein Close Match oder No Match vor, kann dies zu Verzögerungen bei der Gutschrift führen und somit zu einem verspäteten Zahlungseingang.
So sehr die Verordnung Sicherheit und Vertrauen im Markt stärken soll, so tief greift sie gleichzeitig in etablierte Unternehmensprozesse ein. Schon genehmigte Zahlungen müssen doppelt freigegeben, Stammdaten geprüft und korrigiert, Zahlungen rückabgewickelt, neu angelegt und Zahldateien erneut an die Bank geschickt und genehmigt werden. Besonders kompliziert wird es bei Sammlerzahlungen, da die meisten TMS-Systeme noch nicht die Möglichkeit bieten, einzelne Zahlungen herauszulösen. Bei nur einer Zahlung mit No Match in einem Sammler müssen deshalb alle Zahlungen rückabgewickelt und neu initiiert werden.
Ein besonders kritischer Bereich ist die Gehaltsabrechnung. Gehaltszahlungen werden in der Regel als Sammeldatei ohne Einzelpositionsansicht abgewickelt. Fällt auch nur eine Zahlung in die Kategorien Close Match oder No Match, müsste die gesamte Zahlungsdatei für Gehälter gestoppt werden. In den meisten Fällen schließt das HR System eine erneute Abrechnung aus. Wie wird die Zahlungsdatei dann neu erstellt? Dies könnte zu manuellen Eingriffen in Gehaltsdateien führen, die aus Complianceperspektive sowie Datenschutzgründen zu vermeiden sind. Hinzu kommt, dass es durch das Anhalten der Zahlungen zur Verspätung aller Gehaltszahlungen kommen könnte.
Somit werden viele Unternehmen aufgrund dieser Herausforderungen auf die Nutzung des VoP für Sammlerzahlungen verzichten. Ein vorsichtiger Einstieg über Einzelzahlungen kann sinnvoll sein, während interne Prozesse schrittweise angepasst werden, um reibungslose Abläufe sicherzustellen.