Geopolitische Krisen treffen europäische Banken auf vielfältige Weise. Zum einen sind Banken unmittelbar über die geänderte Nachfrage nach Bankprodukten der Unternehmen betroffen. Zum anderen materialisieren sie sich mittelbar über die Kundenportfolien im Kreditbuch, denn geopolitische Spannungen wirken auf die Wertschöpfung der Unternehmen.
Werden Regionen unzugänglich, kritische Ressourcen knapp oder Transportwege gestört, geraten Geschäftsmodelle der Kontrahenten im Portfolio unter Druck. Diese Effekte wirken häufig gleichzeitig auf ganze Sektoren und entfalten ihre Wirkung in kurzer Zeit.
Für Firmenkunden von Banken hat das folgende Auswirkungen:
- Produktionsfähigkeit und Lieferzuverlässigkeit belasten Kostenstrukturen und Margen.
- Cashflows verschlechtern sich, Investitionen werden zurückgestellt.
- Sicherheiten verlieren an Wert, und die Kreditwürdigkeit verschlechtert sich.
Was als geopolitisches Ereignis beginnt, wirkt also entlang der Lieferkette auf die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen – und schlägt schließlich direkt auf die Risikoposition der Bank durch.
Deshalb gewinnt die Analyse von Lieferketten auch für Banken an Bedeutung. Sie machen sichtbar, wo geopolitische Risiken entstehen können, lange bevor sie sich in Kennzahlen, Marktbewegungen oder konkreten Ausfällen niederschlagen. Für Banken ist es also entscheidend, die Ursachen geopolitischer Risiken im Portfolio vorausschauend zu verstehen und frühzeitig aktiv zu steuern.
Zusammenfassend zeigt eine Analyse von Lieferketten also zielgerichtet, wo Abhängigkeiten bestehen, wo sich Risiken im Portfolio konzentrieren und unter welchen Bedingungen geopolitische Spannungen von einer latenten Verwundbarkeit in reale Belastungen umschlagen.