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      Key Facts

      • Cyberangriffe zählen heute zu den größten Risiken für kritische Infrastrukturen. 
      • NIS2 und das geplante KRITIS-Dachgesetz erhöhen den Handlungsdruck. 
      • Die Vernetzung von IT und Operational Technology (OT) schafft zusätzliche Angriffsflächen.

      Geopolitische Spannungen, Cyberangriffe, Sabotageakte und hybride Bedrohungen haben massiven Einfluss auf die Geschäftstätigkeit von Unternehmen, die gleichzeitig unter Investitions- und Kostendruck stehen. Hinzu kommen neue regulatorische Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie oder das KRITIS-Dachgesetz.

      Cyberresilienz in kritischen Infrastrukturen: Große Lücke zwischen regulatorischem Anspruch und operativer Realität

      Viele Unternehmen wissen längst, welche Maßnahmen notwendig wären. Doch zwischen regulatorischem Anspruch und operativer Realität klafft häufig eine Lücke. Investitionen sind erforderlich - Sparprogramme, teils inklusive Personalabbau, aber ebenso. Die Folge: Sicherheitsrisiken werden oft akzeptiert, obwohl ihre Bedeutung bekannt ist.

      Hinzu kommt ein wachsender Fachkräftemangel. Für den Betrieb industrieller Anlagen zuständige Ingenieurinnen und Ingenieure übernehmen zunehmend auch Aufgaben der Cybersicherheit. Der Aufbau von Cyberresilienz erfolgt dadurch häufig parallel zum laufenden Betrieb und mit begrenzten personellen Ressourcen.

      Besonders in Produktionsumgebungen wird Cybersicherheit noch immer nicht überall als Teil der operativen Betriebsverantwortung verstanden. Gleichzeitig wächst durch die zunehmende Vernetzung die Zahl potenzieller Angriffspunkte.

      IT- und OT-Sicherheit: Warum die Vernetzung neue Cyberrisiken schafft

      Diese Entwicklung hat viel mit der technischen Realität moderner Produktionsumgebungen zu tun. Lange waren Produktionsanlagen weitgehend von klassischen IT-Systemen getrennt. Heute werden Produktionsdaten in Echtzeit ausgewertet und Informationen kontinuierlich zwischen Systemen der IT und OT ausgetauscht.

      Die eigentlichen Einfallstore liegen dabei häufig nicht direkt in der Produktion, sondern in den IT-Komponenten (Produktions-IT) und Schnittstellen, die Produktions- und Unternehmenswelt verbinden. Genau diese Verbindungen sind durch die fortschreitende Digitalisierung stark gewachsen.

      Häufig nutzen Angreifer kompromittierte Benutzerkonten, unzureichend geschützte Schnittstellen oder Sicherheitslücken in IT-Systemen. Gelingt anschließend der Zugang zur OT-Umgebung, können die Folgen weit über einen reinen IT-Ausfall hinausgehen: Produktionsstillstände oder Einschränkungen kritischer Versorgungsleistungen sind mögliche Konsequenzen.

      Incident Response: Warum Reaktionsfähigkeit entscheidend ist

      Vor diesem Hintergrund reicht es nicht mehr aus, Sicherheit ausschließlich unter dem Aspekt der Prävention zu betrachten.

      Unternehmen sollten bereits früh beantworten können, wie sie auf einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall reagieren würden. Denn die zentrale Frage lautet heute längst nicht mehr, ob ein Angriff stattfindet. Entscheidend ist vielmehr, wie stark der Betrieb betroffen ist und wie schnell kritische Prozesse wieder anlaufen können.

      Dazu gehört, die eigene Reaktionsfähigkeit von Beginn an mitzudenken. Statt Incident Response erst am Ende mehrjähriger Sicherheitsprogramme zu betrachten, sollte bereits in den ersten Wochen geklärt werden, wie im Ernstfall Entscheidungen getroffen, Systeme priorisiert und Produktionsprozesse wiederhergestellt werden können. Ansätze wie „Rapid Incident Readiness“ setzen genau hier an: Sie helfen Unternehmen, für den Krisenfall vorbereitet zu sein und innerhalb kürzester Zeit handlungsfähig zu werden.

      Besonders wichtig sind dabei klare Verantwortlichkeiten. Wer entscheidet um drei Uhr morgens, wenn eine Produktion stillsteht? Wer kommuniziert mit Kunden, Lieferanten, Behörden oder der Presse? Sind Rollen, Eskalationswege und Entscheidungsbefugnisse nicht vorab definiert, verlängert sich die Ausfallzeit häufig erheblich.

      Vier Prioritäten für den Schutz kritischer Produktionsinfrastrukturen

      Transparenz über kritische Assets schaffen

      Unternehmen sollten für jeden Standort beantworten können, welche Prozesse innerhalb der ersten 24 Stunden wieder verfügbar sein müssen, um Produktion, Versorgung oder Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten. Ohne diese Transparenz lassen sich Risiken weder bewerten noch wirksam steuern.

      Kritische Assets zu inventarisieren reicht dabei nicht aus. Unternehmen müssen Assets, Abhängigkeiten und Schwachstellen im Kontext geschäftskritischer Prozesse betrachten und mit Threat Intelligence sowie KI-gestützten Analysen verknüpfen. Nur wenn Risiken und Angriffe frühzeitig erkannt werden, können Maßnahmen gezielt priorisiert und Cyberangriffe auf kritische Produktions- und Geschäftsprozesse wirksam abgewehrt werden. Erfolgreiche Cyberabwehr wird deshalb immer stärker von der Kombination aus Technologie und Expertenwissen abhängen.

      Den Ernstfall realistisch trainieren

      Cyberresilienz entsteht nicht auf dem Papier. Unternehmen sollten Angriffe regelmäßig simulieren und prüfen, ob Entscheidungswege, Kommunikation und Wiederanlaufprozesse unter realen Bedingungen funktionieren.

      Wiederanlauf statt Prävention testen

      Organisationen testen technische Schutzmaßnahmen regelmäßig. Deutlich seltener wird geprüft, ob eine Produktionsumgebung nach einem Angriff tatsächlich innerhalb der geforderten Zeit wiederhergestellt werden kann. Genau diese Fähigkeit sollte regelmäßig geübt werden.

      Kompetenzen und Verantwortlichkeiten aufbauen

      Cyberresilienz ist keine reine IT-Aufgabe. Produktion, Betrieb, Risikomanagement und Management müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten und Mitarbeitende mit den entsprechenden Kompetenzen.

      Fazit

      Bei Cyberresilienz geht es längst nicht mehr primär um den Schutz einzelner Systeme. Entscheidend ist die Fähigkeit, kritische Geschäfts- und Produktionsprozesse auch unter Angriff aufrechtzuerhalten oder schnell wiederherzustellen.

      Unternehmen sollten deshalb weniger darüber diskutieren, ob ein Vorfall eintreten kann, sondern welche Auswirkungen ein Ausfall auf Produktion, Lieferfähigkeit und Versorgung hätte. Wer diese Frage heute nicht beantworten kann, besitzt häufig bereits die größte Schwachstelle.

      Gleichzeitig wird Resilienz zunehmend zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Während Angreifer automatisierte Werkzeuge und KI nutzen, um Schwachstellen schneller auszunutzen, benötigen Unternehmen ein aktuelles Lagebild über kritische Assets und geschäftliche Auswirkungen.

      Wer Geschwindigkeit, Transparenz und Automatisierung beherrscht und IT sowie OT gemeinsam absichert, wird Cyberangriffe nicht verhindern können, ihre Auswirkungen jedoch wirksam begrenzen. Genau das ist der Kern moderner Cyberresilienz.

      Häufig gestellte Fragen zu "Cyberresilienz"

      IT-Sicherheit schützt klassische Unternehmenssysteme wie Notebooks, Server oder Geschäftsanwendungen. OT-Sicherheit fokussiert sich auf Produktionsanlagen, industrielle Steuerungen und operative Prozesse. Durch die zunehmende Vernetzung verschwimmen die Grenzen zwischen beiden Bereichen jedoch immer stärker.

      Kritische Infrastrukturen sind für Wirtschaft und Gesellschaft essenziell. Gleichzeitig führt ihre zunehmende Digitalisierung zu neuen Angriffsflächen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen und die Professionalisierung von Cyberkriminalität.

      Häufig nicht in den Produktionsanlagen selbst, sondern an den Schnittstellen zwischen IT und OT. Über vernetzte Systeme, Benutzerkonten oder zentrale Steuerungsplattformen können Angreifer Zugang zu produktionsrelevanten Bereichen erhalten.

      Beide Regelwerke erhöhen die Anforderungen an Risikomanagement, Sicherheitsmaßnahmen und Nachweispflichten. Viele Unternehmen müssen ihre Sicherheitsorganisation deutlich ausbauen, um die Vorgaben künftig erfüllen zu können.

      Brownfield-Umgebungen wurden häufig nicht für eine moderne Vernetzung entwickelt. Fehlende Sicherheitsfunktionen, begrenzte Update-Möglichkeiten und mangelnde Transparenz erschweren den Schutz dieser Systeme.

      Die Vorbereitung muss bereits vor einem Vorfall abgeschlossen sein. Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege und technische Wiederanlaufprozesse sollten so definiert und trainiert werden, dass innerhalb weniger Stunden handlungsfähige Krisenstrukturen aktiviert werden können.

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      Thomas Gronenwald

      Partner, Consulting - Cyber Security & Resilience

      KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


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