Für Treasury-Kosten gibt es etablierte Benchmarks – „Kosten in Prozent vom Umsatz", „FTE je Gesellschaft“, „Kosten je Zahlung“. Sie sind nützlich und liefern eine erste Orientierung. Für die Frage „Was darf mein Treasury kosten?" reicht eine Benchmark allein jedoch nicht aus, weil dasselbe Unternehmen sehr unterschiedlich eingeordnet werden kann.
Ein realer, anonymisierter Fall aus unserer Projektpraxis: Für ein und dasselbe Unternehmen lieferten zwei etablierte Quellen – der Kostenvergleich eines namhaften Benchmark-Providers sowie ein Peer-Group-Benchmark einer bekannten Strategieberatung – Kostenkorridore, die um mehr als 100 % auseinanderlagen. Beide Ergebnisse waren innerhalb ihrer jeweiligen Methodik nachvollziehbar und beide sind belegbar. Übersetzt in die Managementdiskussion heißt das: Sie können im selben Unternehmen ein Treasury mit rund 1 Mio. EUR oder mit 2 bis 2,5 Mio. EUR betreiben und sich in beiden Fällen auf einen anerkannten Benchmark berufen. Beide Zahlen sind innerhalb der jeweiligen Abgrenzung legitime Aussagen darüber, was „die Benchmark" sagt. Keiner der beiden Provider sagte jedoch etwas darüber aus, welche Leistung hinter der Zahl steht und welchen Beitrag das Treasury dafür erbringt.
Ein isolierter Benchmark liefert keinen belastbaren Budgetwert. Aussagekräftig wird er erst, wenn ein Unternehmen zusätzlich auf sich selbst schaut. Genau deshalb muss ein Kostenvergleich um drei Schritte ergänzt werden, die den Zahlen erst ihre Aussagekraft geben: Vollkosten sauber erfassen, im passenden Peer-Korridor normalisieren und den Wertbeitrag nachvollziehbar berechnen.
Der Wertbeitrag eines Treasury kann seine Kosten deutlich übersteigen. Seine Größenordnung hängt dabei nicht nur vom Umsatz sondern wesentlich auch von Finanzierung, Liquidität, Exposure, Transaktionsvolumen und Ausgangsreife ab. Ein gut aufgestelltes Treasury kann – je nach Geschäftsmodell und Ausgangslage – wesentlich zu Ergebnis, Cashflow-Stabilität und Kapitaleffizienz beitragen. Gegen einen solchen Hebel ist der Unterschied zwischen einem Budget von 1 oder 2,5 Mio. EUR keine reine Kostenfrage mehr – sondern eine Investitionsentscheidung. Wie sich dieser Beitrag konkret zusammensetzen kann, zeigen die Beispielrechnungen weiter unten.