1) Realität statt Wunschdenken: Infrastruktur und Nachfrage unterscheiden sich stark je nach Antriebsform
Der Hochlauf der E-Mobilität bleibt zentral. Aber ein EU-weiter, vollständiger Umstieg auf batteriebetriebene Fahrzeuge bis 2035 scheitert mancherorts an Ladeinfrastruktur, Netzkapazitäten und Kundenpräferenzen. Deshalb braucht es koexistierende Pfade: E-Autos, dort, wo es gut funktioniert, daneben CO₂-neutrale Kraftstoffe (HVO, EFuels) oder grünen Wasserstoff für Bestandsflotten, ländliche Räume und bestimmte Exportmärkte. Ich bin überzeugt, dass Elektromobilität alleine nicht ausreicht, um die CO₂Ziele im Verkehrssektor zu erreichen. Alternative Antriebe sind entscheidend: Wir sollten Mobilität neu denken. Dass nun auch auf politischer Ebene die Aufweichung des Verbrenner-Aus vollzogen wurde, ist ein klares Zeichen für technologische Neutralität in der Umsetzung. Klar muss aber auch sein, solange Ladeinfrastruktur und Rahmenbedingungen fehlen, ist Technologieoffenheit unverzichtbar. Doch das Endziel jedoch wird – wenn alle Rahmenbedingungen gegeben sein werden – eine Mobilität sein, die rein elektrisch ist.
2) Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit: Risiken streuen, Abhängigkeiten reduzieren
Die geplante Öffnung für weitere Technologien reduziert eine einseitige Abhängigkeit von einer Antriebsart. Konkret geht es hier um Fragen zur Batteriewertschöpfung, zu Rohstoffzugängen und Lieferketten. Die neue Entwicklung gibt Herstellern zudem Spielraum, Kundenbedürfnisse in unterschiedlichen Regionen zu bedienen – vom preiswerten Stadt-E-Auto bis zum Hybrid mit der Option auf Reichweitenverlängerung für Langstrecken. Europas Autobauer stehen unter intensivem Wettbewerbsdruck durch China und US Zölle; starre 100-Prozent-Ziele hätten diesen Druck weiter verschärft.
3) Klimawirkung bleibt das Ziel: Leitplanken statt Beliebigkeit
Technologieoffenheit ist kein Freifahrtschein. Leitplanken sind unverzichtbar:
- Klare Vorgaben für die Ergebnisse: strenge CO₂-Ziele für Fahrzeugflotten, eine vollständige Betrachtung des gesamten Lebenszyklus und verbindliche Nachhaltigkeitskriterien für alternative Kraftstoffe.
- Priorisierung nach Effizienz: Viele Elektroautos verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung bis zum Recycling – rund 73 Prozent weniger CO₂ als vergleichbare Benziner. Daraus folgt: Elektrifizieren, wo immer möglich, und eFuels und Wasserstoff dort einsetzen, wo eine Elektrifizierung nicht praktikabel ist.
- Knappheit ernst nehmen: Wissenschaftliche Analysen warnen vor breitem eFuel-Einsatz aufgrund hoher Umwandlungsverluste, begrenzter Mengen und deutlich höherer Kosten. Sinnvoll sind sie für Nischen (zum Beispiel Luft und Seeverkehr sowie Teile der Industrie).